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Starke Blockarbeit: Andre Brown (l.) und Jose Gomes. Der Portugiese war in die Herrschinger Startformation gerutscht, weil Tom Strohbach krank war.

Volleyball

Feuerwerk zündet nur zwei Sätze lang

Die Volleyballer des TSV Herrsching haben am Samstag zwei Sätze lang gegen die United Volleys Rhein-Main ganz groß aufgespielt. Am Ende gab es in der Nikolaushalle gegen den Favoriten ein 2:3 (25:17, 25:21, 17:25, 20:25, 10:15), das mehr wert war als einen Punkt.

Herrsching– Das Match war Werbung für den Volleyball-Sport – ein Spiel, das noch weit nach Spielschluss für Diskussionen sorgte. Die Dramaturgie begann bereits weit vor dem ersten Ballwechsel in der mit 1000 Zuschauern erneut ausverkauften Nikolaushalle. Tom Strohbach musste krankheitsbedingt passen. Doch schien das Fehlen des neben Libero Ferdinand Tille wichtigen Hauptannahmespielers eher zu beflügeln. Jose Gomes, der in die Startformation nachrückte und mit Tim Peter die Annahmearbeit übernahm, machte seine Sache ausgezeichnet. Der Portugiese (15 Punkte) und seine Teamkollegen spielten sich in einen Rausch. Das 0:3 zu Beginn war nur von kurzer Dauer, sieben Punkte in Folge gelangen dem Hauser-Team. Die Blocks von Andre Brown (insgesamt sechs) und die Aufschlag-Kracher von Zuspieler Michal Sládecek (drei Asse) rissen Spieler wie Publikum mit. Nach dem 7:3 stand es nach weiteren Sládecek-Services und Brown-Blocks im Finale des ersten Durchgangs bereits 21:15, ehe Topscorer Christoph Marks (21 Punkte) zur Vollendung schritt. Den Satz tütete der Diagonalspieler mit einem krachenden Service-Winner zum 25:17 ein, zuvor hatte er mit der kurzen Aufschlag-Variante die Annahme der Gäste genarrt.

Durchgang zwei war die Blaupause des ersten: Die Herrschinger Aufschläge kamen mit gewaltiger Wucht, was die Blockarbeit des GCDW erleichterte. Bezeichnend eine Sequenz Mitte des Satzes: Christoph Marks (sechs direkte Aufschlagpunkte) serviert zweimal mit Gewalt, Frankfurts National-Libero Julian Zenger bringt die Bälle nicht unter Kontrolle und setzt das Spielgerät an die Decke. Marks schiebt danach die kurze Variante nach, Zenger bleibt zaudernd und kopfschüttelnd zurück – 12:5 stand es da bereits für Herrsching. Zwar kamen die Gäste noch einmal auf (23:21), Tim Peter behielt aber die Nerven und verwandelte gleich den ersten Satzball.

Das Blatt wendete sich aber. Gästecoach Michael Warm nutzte die Halbzeitpause für zwei Spielerwechsel: Robert Aciobanitei und Issei Otake kamen für Sebastian Schwarz und Lincoln Williams. Und auch die Block-Rotation stellte er um. „Wir haben nur wenig verändert“, berichtete Warm. „In erster Linie haben wir den Respekt abgelegt und mussten darauf hoffen, dass der Aufschlagdruck nachlässt. Ich habe Herrsching noch nie so gut spielen sehen wie bis dahin.“ Warms Hoffnung wurde bestätigt: Herrschings Feuerwerk zündete nicht mehr, und die beiden folgenden Sätze gingen an den Tabellendritten aus Hessen.

Die Diskussionen über die Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns nahmen nun zu. Allen voran Herrschings Kapitän Michal Sládecek und Ferdinand Tille waren häufig am Schiedsrichterstuhl zu sehen, sie konnten damit aber das 17:25 und 20:25 nicht verhindern.

Im Tiebreak steigerten sich die TSV-Volleyballer noch einmal, der Unmut erreichte jedoch ungeahnte Höhen. Trainer Max Hauser, zuvor eher als beruhigendes Element aufgefallen, erhielt beim Stand von 7:9 die rote Karte – Punkt für die Gäste. Das Hauser-Team kam noch einmal zurück auf 10:10, vergeigte aber die restlichen Punkte, so dass es nach 120 intensiven Minuten 10:15 und damit 2:3 nach Sätzen steht.

Hauser sagte hinterher: „Ich wollte mich heute eigentlich mit dem Coaching zurückhalten, im Training war alles besprochen. Der Aufschlagdruck in den ersten beiden Sätzen war phänomenal. Das konnten wir einfach nicht aufrecht erhalten.“ Herrschings Coach begab sich nach dem Spiel noch in eine sachliche Diskussion mit den Schiedsrichtern. Damit war er nicht allein: Libero Tille ging mit seinem Vater noch die entscheidenden Szenen durch – den Blick immer noch auf das Spielfeld gerichtet. Da hatte sich die Nikolaushalle bereits fast geleert. Auch die Zuschauer werden auf dem Nachhauseweg noch über dieses Match gesprochen haben.

Benedikt Pohlus

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