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Was Chefs von Pferden lernen können

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Von: Andrea Gräpel

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Auch Hengst Fehu ist neugierig auf das, was auf ihn zukommt: Vera Lautenbacher (r.) und Alexandra Gadsch (5.v.l.) haben ein pferdegestütztes Coaching für Führungskräfte entwickelt. © Andrea Jaksch

Vera Lautenbacher und Alexandra Gadsch haben ein von Pferden begleitetes Coaching für Führungskräfte entwickelt, das sie auf Gut Heiligenberg in Widdersberg (Gemeinde Herrsching)  anbieten und nun präsentierten.

Widdersberg – Als die Konjunktur in den 1990er Jahren in Deutschland einbrach, staunte Bernd Osterhammel, dass sein Laden noch immer lief, sogar gut lief. Osterhammel ist Bauingenieur mit eigenem Büro in Westfalen. Am Donnerstag kam er nach Widdersberg und erklärte auf Gut Heiligenberg, warum das so war. Denn er wunderte sich selbst und kam irgendwann darauf, dass er deshalb so gut mit Mitarbeitern und Kunden auskam, weil er sie behandelte wie seine Pferde – mit tiefem Respekt. Es dauerte nicht lange, und man nannte ihn den Pferdeflüsterer. Seit 2002 führt er Spezialtrainings für Manager durch. Als Co-Trainer immer dabei: Osterhammels Pferde. Ohne Osterhammel zu kennen, haben Vera Lautenbacher (36) und Alexandra Gadsch (35) im fernen Fünfseenland zwar viel später, aber doch ganz ähnliche Zusammenhänge hergestellt und ein Konzept entwickelt, das sie „Führen-Vertrauen-Folgen“ nennen – ein von Pferden begleitetes Coaching für Führungskräfte.

Die Einladung zur Vorstellung ihrer Idee hat wenigstens die rund 160 Besucher neugierig gemacht, die sich die Veranstaltung in Widdersberg nicht entgegen lassen wollten – in einem Pensionsstall, ein Pferdehof mit Blick zum Heiligen Berg und dem folgerichtigen Namen Gut Heiligenberg. Vera und Matthias Lautenbacher (37) haben den Pensionsstall 2010 eröffnet. Neugierig geworden waren auch zwei Bürgermeister, die der Einladung folgten: Christian Schiller aus Herrsching und Wolfram Gum aus Seefeld. Auch sie Führungskräfte, die mit Mitarbeitern auskommen müssen. Viel wichtiger bei Wahlbeamten aber ist, dass sie sich darüber hinaus gut mit ihren Bürgern verstehen müssen. „Vielleicht lädt ja der Landrat mal zu so einem Coaching, statt zur Bürgermeisterdienstbesprechung ein“, meinte Schiller lachend.

Dem einen oder der anderen Bürgermeister(in) könnten durchaus die Augen aufgehen, wenn sie in den „Spiegel“ schauen. Osterhammel nennt es bei der Demonstration „Aha-Effekt“, wenn Ursache und Wirkung der eigenen Persönlichkeit auf andere Menschen eindrucksvoll offenbart und demonstriert werden durch eine unbeirrbare Wahrnehmung der Pferde. Neutraler kann ein Feedback nicht sein.

Das haben auch die Diplom-Betriebswirtin Vera Lautenbacher und die Wirtschaftsjuristin Alexandra Gadsch erkannt. Beide sind mittlerweile Unternehmerinnen, haben vorher in großen Konzernen gearbeitet. Die eine aus Widdersberg, die andere aus Hechendorf. Kennen gelernt haben sie sich beim Hundespaziergang in Weßling vor zweieinhalb Jahren. Gemein ist ihnen nicht nur die Liebe zum Hund, sondern eben auch zu den Pferden. Beide reiten von Kindesbeinen an. Alexandra Gadsch – selbst ehemalige Pferdetrainerin – half bald bei der Betreuung der Pensionspferde auf Gut Heiligenberg aus. Irgendwann kam das Gespräch auf Coachings. Beide hatten in ihrer Laufbahn daran teilgenommen und fanden sie irgendwie – trocken. Die Firmenidee war geboren.

Seit Oktober gibt es die Firma VA Coaching, V steht Vera A für Alexandra. Mit ins Boot holten sich die beiden Frauen Paul Johannes Baumgartner (49). Der Radio-Moderator von Antenne Bayern ist nicht nur Moderator, sondern auch erfolgreicher Motivationstrainer. Alexandra Gadschs Ehemann Harald kannte ihn von einem Training für Führungskräfte und schlug ihn den beiden Unternehmerinnen als Partner vor. „Er war sofort Feuer und Flamme, sagte gleich zu“, freut sich Alexandra Gadsch. Bei den Coachings für Führungskräfte, die sie und Vera Lautenbacher ab Januar anbieten, ist der charismatische Schwabinger fester Seminar-Bestandteil. Über Harald Gadsch, der bei TQ Systems arbeitet, fand auch der Kontakt zum Pferdeflüsterer Osterhammel aus Westfalen statt. Dieser ist nämlich ein alter Jugendfreund von TQ-Systems-Chef Detlef Schneider. So schließen sich Kreise.

Sie alle waren am Donnerstag dabei, als die beiden engagierten Frauen ihr Konzept vorstellten und mithilfe von Fehu, Donna und Casper demonstrierten, wie stark Pferd auf Mensch reagiert und ihm vertraut. Eine Übung, wenn es um Prozessoptimierung geht, verrät Alexandra Gadsch am Rande dieser Auftaktveranstaltung: Es geht darum, in Zweier-Teams, ohne miteinander sprechen zu dürfen und ohne das Pferd an der Longe zu haben, durch einen Stangenparcours zu führen. Sobald das Pferd mit dem Huf eine Stange trifft, gibt es Fehlerpunkte. „Beim ersten Team ist die Fehlerquote hoch, die nächsten können aus der Erfahrung des jeweils vorherigen Teams lernen.“ Bei angenommenen fünf Teams sollten am Ende maximal zwei Fehlerpunkte stehen.

Es geht also um Körpersprache – in diesem Fall dem Pferd gegenüber – und Erfahrung weitergeben, damit Prozesse optimiert werden können. „Ziel ist ein gutes Team“, sagt Osterhammel und unterstreicht dies eindrucksvoll, als die ihm zuvor unbekannte Stute Donna auf jeden Schritt, den er tut, und ohne Longe über die abgezäunte Fläche in der Reithalle folgt. „Dafür braucht es tiefen Respekt. Das überträgt man dann auf den Menschen, den Kunden, den Mitarbeiter“. Oder auf den Bürger.

Weitere Informationen

zum pferdegestützten Coaching bei VA Coaching in Widdersberg gibt es unter www.va-coaching.de.

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