Baubeginn Fahrradstraße in Berlin
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Mit Markierungen wie dieser will Verkehrsplaner Dr. Ralf Kaulen die Fahrradstraße auf Summerstraße, Rudolf-Hanauer-Straße und Madeleine-Ruoff-Straße kenntlich machen. Größere bauliche Veränderungen plant er nicht.

Umstrittene Entscheidung im Gemeinderat

Vorrang für Radler: Fahrradstraße an prominenter Stelle in Herrsching

  • Peter Schiebel
    VonPeter Schiebel
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Die Gemeinde Herrsching wird die Strecke Summerstraße/Rudolf-Hanauer-Straße/Madeleine-Ruoff-Straße als Fahrradstraße ausweisen. Dafür hat sich der Gemeinderat am Montagabend ausgesprochen. Auf der parallel verlaufenden Seepromenade soll Radfahren weiter erlaubt bleiben. Das Landratsamt signalisiert grünes Licht.

Herrsching – Der Fahrradverkehr am Ammerseeufer ist ein politischer Dauerbrenner in Herrsching. Nun scheint es so, als ob eine Lösung in Sicht ist, um vor allem den Konflikt zwischen Radfahrern und Fußgängern zu entschärfen. Der Gemeinderat hat sich am Montagabend mit 13:10 Stimmen dafür ausgesprochen, die Strecke Summerstraße/Rudolf-Hanauer-Straße/Madeleine-Ruoff-Straße zur Fahrradstraße zu machen. Das Landratsamt hat bereits Zustimmung signalisiert.

Das hat zur Folge, dass Radfahrer dort Vorrang haben. Sie dürfen auf einer Fahrradstraße zum Beispiel auch nebeneinander fahren. Der motorisierte Verkehr wird zwar nicht ausgesperrt, muss sich diesen Regeln aber fügen. Nicht ausgesperrt wird nach Wunsch des Gemeinderats im konkreten Fall auch die Buslinie 951, die weiterhin über die Summerstraße fahren soll.

Verkehrsplaner Dr. Ralf Kaulen hatte zwar empfohlen, den Busverkehr auf die Mühlfelder Straße und die Seestraße zu verlegen, um Konflikte zwischen Radlern und Bussen „auf ein Minimum zu reduzieren“. Das lehnte eine 16:7-Mehrheit aber ab. Grund: Um die stark frequentierten Haltestellen am Dampfersteg und am Landungssteg zu ersetzen, würde eine neue Haltestelle an der Seefelder Straße nötig werden. Und das sah nicht nur Bürgermeister Christian Schiller kritisch – unter anderem deshalb, weil dann mehrere Parkplätze wegfallen würden. Michael Bischeltsrieder (CSU) befürchtete sogar, dass die Mühlfelder Straße irgendwann kollabieren könne, wenn sie immer mehr Verkehr aufnehmen müsse.

Willkommene Alternative für viele Radfahrer

Kaulen hatte den Gemeinderäten zuvor seine Überlegungen für eine durchgängige Radverbindung vom neuen Gymnasium bis zur Realschule dargelegt. Er ging von täglich rund 1500 Radfahrern auf der Strecke aus – „das ist ausreichend Potenzial, um eine Fahrradstraße zu begründen“, sagte er. Kaulen zählte rund 675 Alltagsradler, 160 Realschüler und künftig 310 Gymnasiasten auf. Hinzu kämen 350 bis 400 Radfahrer, die an schönen Tagen über die Seepromenade führen – für sie soll die neue Fahrradstraße eine willkommene Alternative sein.

Apropos Seepromenade: Soll sie für Radfahrer gesperrt werden, wenn die neue Fahrradstraße eingerichtet ist? Oder soll das Radeln dort weiter erlaubt sein? Kaulen, Schiller und Bauamtsleiter Guido Finster erklärten, dass Kreisverkehrsmanagerin Susanne Münster in Gesprächen mit dem Herrschinger Arbeitskreis Verkehr die Sperrung der Seepromenade zur Voraussetzung für die Fahrradstraße gemacht habe. Ein Zusammenhang, der für die Fahrradstraße das Aus besiegelt hätte. Diese Variante lehnte der Gemeinderat nämlich mit 4:19 Stimmen ab.

Allerdings widersprach Münster im Gespräch mit dem Starnberger Merkur den Aussagen. Es habe zwar in der Tat Überlegungen gegeben, die Seepromenade zu sperren, um „genügend Potenzial für die Fahrradstraße zu schaffen“, sagte sie. Schließlich sei eine prognostizierte Zunahme des Radverkehrs rechtliche Voraussetzung für die Anordnung. Dieses Potenzial sehe sie aber auch ohne Sperrung.

Fahrradstraße: „Signalwirkung für den Ort“

Münster sprach von einem „Missverständnis“ und lobte die Zusammenarbeit mit Herrschings Verwaltung und Gemeinderat. „Das ist außergewöhnlich schön und gut“, sagte sie. Schillers Aussage vom Montagabend – „jetzt schauen wir, dass wir die Kuh vom Eis kriegen“ – sollte also nicht wirklich in einen Arbeitsauftrag münden.

Für die Fahrradstraße sprachen sich neben dem Bürgermeister Grüne, BGH und SPD aus. „Wir stärken damit Fußgänger und Radfahrer“, sagte Christiane Gruber (BGH). Fraktionskollegin Claudia von Hirschfeld sprach von einer „Signalwirkung für den Ort“. „Wichtig ist, dass die Fahrradstraße so attraktiv ist, dass die Radfahrer sie von sich aus nutzen“, betonte Wolfgang Schneider (SPD).

Eine attraktive Fahrradstraße sei für sie „ein Widerspruch an sich“, sagte dagegen Elisabeth Walch (CSU). Sie befürchtet durch ein- und ausparkende Autos auf der Summerstraße sogar eher eine Gefahrenstelle für Radfahrer. Fraktionskollege Thomas Bader wollte das Thema ohnehin lieber verschieben, bis die Bahnunterführung an der Rieder Straße gebaut ist. Und Johannes Puntsch (FDP) sprach sich generell gegen die Fahrradstraße aus. „Wir wollten eine Gleichberechtigung für alle Verkehrsteilnehmer, jetzt kippt es zugunsten der Radfahrer“, sagte er.

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