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Ein Großaufgebot an Einsatzkräften war zwischen Herrsching und Breibrunn im Einsatz. Viele Retter trugen auch Schutzmasken.

Glückliche Umstände helfen Feuerwehr

Waldbrand bei Herrsching hätte auch ganz anders ausgehen können

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Glückliche Umstände haben wohl schlimmeres verhindert. Denn bei dem Waldbrand stand eine Fläche so groß wie vier Fußballfelder in Flammen. Die Kripo Fürstenfeldbruck hat die Ermittlungen übernommen.

Herrsching – „Wir haben Riesenglück gehabt“, sagt Alfred Ploetz. Seiner Familie gehören Gut Ried bei Herrsching und die umliegenden Waldflächen. Am Montagnachmittag hat es dort, etwa 60 Meter östlich der Staatsstraße, auf einer Fläche von knapp zwei Hektar gebrannt. Wäre diese Fläche nicht von drei Waldwegen umgeben gewesen und hätte es sich um Fichten gehandelt, wäre das Ausmaß vermutlich weit größer gewesen. Das sagt auch Einsatzleiter Daniel Pleyer, Kommandant der Feuerwehr Herrsching. „Die Windrichtung hätte gepasst“, sagt er. „Das waren ideale Bedingungen für ein Feuer“ – nur wenige hundert Meter von Gut Ried entfernt.

Pleyer spricht von Glück, dass zwei Radler die Flammen gesehen und sofort die Feuerwehr alarmiert hatten. Denn wären die Flammen über den Forstweg hinüber zu einem dort niedrigen Fichtenbestand übergesprungen, hätte es sich in Windeseile weiter Richtung Gut Ried und auch Richtung Rausch ausbreiten können.

110 ehrenamtliche Einsatzkräfte im Einsatz

Das Alarmstichwort, das in solchen Fällen ausgelöst wird, heißt „B-Wald groß“. Entsprechend war das Aufgebot. Pleyer rechnete es am Tag danach zusammen: 110 ehrenamtliche Einsatzkräfte waren im Einsatz, allein 35 von der Feuerwehr Herrsching – „Corona sei Dank“, sagt Pleyer mit Blick auf die vielen Retter, die im Homeoffice und von daher schnell zur Stelle waren. Wann hätten ansonsten so viele ehrenamtliche Feuerwehrleute an einem Wochentag um 16 Uhr dazu die Möglichkeit?

Unterstützung kam aus dem gesamten Landkreis – von den Feuerwehren Inning, Buch, Breitbrunn, Söcking, Gilching, Tutzing, Pöcking, Aschering, Oberpfaffenhofen, von der Kreisbrandinspektion, vom Technischen Hilfswerk und vom Katastrophenschutz. Insgesamt waren 30 Fahrzeuge vor Ort, mit Schaumwasserwerfern, großen Tankvolumen und Schlauchwagen.

Löschwasser aus dem Ammersee

Obwohl es einen Hydranten im Waldstück gibt, wurde zur Sicherheit auch Wasser aus dem Ammersee gepumpt, das auf Gut Ried von einer Rohrverbindung abgezapft wurde, die unter der Staatsstraße hindurch zum See reicht. „Und da stellen sich immer wieder Menschen die Frage: Braucht’s das, Ausrüstung, neue Einsatzfahrzeuge?“, sagt Pleyer und betont ausdrücklich: „Ja, das braucht es.“ Es gebe immer einen Tag X. 

Pleyer spricht von einem Phänomen, dass man den Rauch nicht gleich von Herrsching aus hatte sehen können. „Der thermische Wind, der vom See hoch drückt, hat die Flammen am Boden gehalten.“ Darüber hinaus hat es Hochwaldbestand betroffen. „Bei Fichten hätte es anders ausgesehen.“ Die wachsen erst wieder auf der anderen Seite des Forstweges, der das Feuer erst mal stoppte. Dank der Wege konnten die Fahrzeuge auch direkt an den Brandherd fahren.

Einsatz dauert insgesamt vier Stunden

Damit die Einsatzkräfte nicht kollabierten, seien sofort Getränke angeschafft worden. „Wir hatten 25 Grad Außentemperatur und dazu kommt das Feuer“, erklärt Pleyer. Inklusive Nachlöscharbeiten dauerte der Einsatz vier Stunden. Etwa drei Stunden war die Staatsstraße zwischen Herrsching und Breitbrunn gesperrt.

Den Schaden könne man frühestens in ein, zwei Jahren beziffern, sagt derweil Alfred Ploetz. Er schätzt und hofft, dass er sich in Grenzen hält, da es nur am Boden gebrannt hat. Allerdings reagierten vor allem Buchen auf Infrarotlicht. „Man muss sehen, wie weit der Baum an der Rinde beschädigt ist, ob sie aufplatzt“, erklärt Ploetz.

Über die Ursache kann auch er nur spekulieren – und hält zwei Theorien derzeit am wahrscheinlichsten: eine achtlos weggeworfene Zigarette oder eine Glasscherbe, die wie ein Brennglas gewirkt haben könnte. Beides kann verheerende Folgen haben: Bei der Waldbrandgefahr gilt im Landkreis derzeit Stufe drei von fünf. Die Brandfahnder der Kripo Fürstenfeldbruck haben die Ermittlungen übernommen.

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