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Auf respektvollen Umgang legen Petra Wurdack und die anderen Pädagogen auch beim Salzmischen – hier mit Timo (l.) und Tim – im Jugendhaus wert.

Mit Authentizität und Respekt

Weihnachtsgeschenke auf den letzten Drücker: Im Stellwerk Herrsching wird getüftelt

Im Stellwerk Herrsching nutzen Jugendliche die Möglichkeit, in letzter Minute Weihnachtsgeschenke zu basteln. Das wichtigste Werkzeug: Authentizität.

Herrsching – Im Stellwerk duftet es nach Zitronenmelisse, Lavendel und Salbei: Jugendliche basteln sogenannte „Weihnachtsspecials“ – Geschenke auf den letzten Drücker. Am Esstisch leeren Jasmin (11) und Denisa (12) Salz aus dem Toten Meer in einen Teller. „Zitronenmelisse und ein paar Tropfen Zitronenduft würden gut zusammenpassen“, schlägt Petra Wurdack vor und reicht den beiden ein Fläschchen mit ätherischen Ölen für das selbst gemachte Badesalz. „Biologisch“, betont die Theaterpädagogin.

Die Mädels sind nicht zum ersten Mal im Herrschinger Haus der Jugend. Sie kommen gerne mal vorbei. Zum Ausspannen, Freunde treffen oder zum Spielenachmittag, sagen sie.

Bowling, Billard, Brettspiele - je nach „Bock“ der Jugendlichen

Was im Stellwerk für die Zwölf- bis 21-Jährigen geboten ist, entwickelt sich meist spontan. „Wir sind ein offenes Haus und machen, worauf die Jugendlichen Bock haben“, sagt Sozialpädagoge Christian Kreilkamp. Mal gibt es ein Bowlingturnier in Andechs, mal messen sich die Jugendlichen am Billardtisch oder lernen bei „Mensch ärgere Dich nicht“ die Kunst des Verlierens. „Es ist immer einer von uns dabei“, sagt Kreilkamp.

Heute ist zumindest ein Teil der Aktivitäten vorgegeben: Weihnachtsbasteln von Badesalz oder Badeöl mit Petra Wurdack – oder Kräutersalz für die besondere Geschmacksnote im Weihnachtsmenü. Vorsichtig leert Tim seine Duftmischung in ein Tütchen. „Meine Freundin badet recht gern“, erzählt der 19-Jährige. Und er mischt gleich noch ein paar weitere Salze „für die Familie“. Max (13) sitzt auf dem Sofa. Er mischt keine Düfte, sondern Musik. „Er ist unser DJ“, erklärt Wurdack. Eine Gruppe Teenager trudelt ein. „Hi Petra“, grüßt Luis. Wurdack erklärt: „Hier duzen wir uns alle.“

Sozialpädagoge Kreilkamp: „Wir suchen noch Helfer beim Stellwerk“

Im Sommer 2012 zog die sogenannte offene Jugendeinrichtung in der Baderstraße 25 ein. Petra Wurdack stieß vor eineinhalb Jahren zum derzeit dreiköpfigen Team. „Wir suchen noch jemanden“, sagt Christian Kreilkamp, ehe er sich von Max verabschiedet. „Komm morgen wieder, dann machen wir einen Fruchtpunsch“, ruft er ihm nach.

Da schlendert Valentin ins Zimmer, lässt aber die Bastelgesellschaft links liegen. Er geht zum Sprayen in den Garten. Dort entsteht auf der Wand ein Graffiti, an dem fünf Burschen arbeiten. Nach Ideen wie „Hip“ oder „Square“ machte „Jugend“ als Spraymotiv das Rennen. Die Graffiti-Idee hatte Wurdack angestoßen, nachdem noch ein paar Spraydosen übrig gewesen waren.

Stellwerk Herrsching als Gegenpol zum Druck in der Schule

Drinnen setzt sich die 15-jährige Stella an den Tisch. Sie möchte das Weihnachtsgeschenk für ihre Eltern um ein duftendes Salztütchen erweitern. „Ich bin öfter hier“, sagt die Berufsschülerin. Sofern sie neben der Schule Zeit hat. Der Druck dort sei ein Grund, warum die Kids gerne herkämen, meint Pädagogin Wurdack. Hier könnten sie entspannen und einfach sie selbst sein. „Unser oberstes Prinzip ist: Jeder ist gut, genauso wie er ist. Wir legen Wert auf einen respektvollen Umgang.“ Ärger hätten sie selten. Und wenn es sein müsse, spreche man auch mal Klartext. So wie jetzt: „Aufräumen“, erinnert Wurdack zwei Teenager, die sich gerade mit ihren Geschenken verdrücken wollen.

Die Öffnungszeiten des Herrschinger Stellwerks sind auf der Internetseite veröffentlicht.

Michèle Kirner

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