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Der alte Gasthof „Zum Wilden Hund“ war einmal dicht bewachsen und für seinen entsprechend lauschigen Biergarten bekannt. Nun wurden die Bäume abgeholzt, darunter auch eine markante alte Esche (vorne).

Ortstentwicklung

Vertraute Bäume müssen Bauboom weichen

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Die Widderberger verfolgen mit Sorge die Ortsentwicklung, immer mehr Zuzug, immer mehr Verkehr und immer weniger Bäume.

Widdersberg – Der zunehmende Verkehr durch zunehmenden Zuzug belastet das idyllische Widdersberg, mehr noch seine Bewohner. Und dies seit Jahren. Ihre Dorfwirtschaft, den „Wilden Hund“, die gibt es auch nicht mehr. Seit 2012 wird der Gasthof nicht mehr bewirtet. Zuletzt hatte das Lokal mit Platz für etwa 100 Gästen sowie mit Biergarten, in den bis zu 250 Menschen passten, am 1. April 2012 wiederöffnen sollen. Daraus wurde nichts. In Widdersberg gibt es nur noch den Ignazhof mit der Schnapsbrennerei, aber der hat nicht regelmäßig geöffnet. Die Dorfbewohner haben sich damit abfinden müssen. Dass ihr Ortsteil zunehmend verbaut und überrollt wird, damit wollen sie aber nicht leben. Architekt Hans Demeter griff das Thema in der jüngsten Ortsteilversammlung auf. Anlass war die Fällung einer alten Esche bei eben jenem ehemaligen Gasthaus „Wilder Hund“.

Demeter ist im Ruhestand und hat nach eigenen Angaben 45 Jahre in Entwicklungsländern gearbeitet. Er lebt in einem umgebauten Bauernhaus direkt neben der Kirche an der Dorfstraße. „Das hat mein Großonkel vor 100 Jahren gekauft“, erzählt er. Demeter hat die Entwicklung von Widdersberg im Blick. „Ein hässlicher Ortsteil, der ziemlich verdorben wurde“, findet er. Widdersberg habe nie etwas Großartiges gehabt. Genau das habe das Dorf wohl ausgemacht, habe einfache Leute und Künstler gleichermaßen angezogen, sinniert er. Als Architekt ärgert er sich, wenn abgeholzt wird, „ohne dass man überlegt, was da entstehen soll“. So erschien es ihm beim „Wilden Hund“, also hakte er nach.

Die Genehmigung für den Abriss des Gasthauses wurde erteilt, wusste Bürgermeister Christian Schiller dem Widdersberger in der Versammlung zu antworten. Drei Einfamilienhäuser sollen auf dem Grundstück gebaut werden, der Bauantrag liegt aber laut Schiller noch nicht vor. Der Eigentümer hat dafür aber die bundesweit geltende Baumfällungszeit zwischen Oktober und Ende Februar genutzt und einige Bäume entfernt. Unter anderem diese ortsbildprägende riesige Esche. Nur noch der Stumpf ist zu sehen. „Er sieht gesund aus“, findet Demeter und fragt nach dem Grund. Mit der Esche fielen auch einige Apfelbäume auf dem Grundstück.

„So ein Vorgang, der so bedeutend ist“, empörte sich auch Alexander von Fürstenberg in der Versammlung, „da müssten die Widdersberger doch informiert werden.“ Schiller konnte in diesem Fall nur auf die öffentlichen Bekanntmachungen und Sitzungen verweisen.

Weiter unten zwischen Weiher und Dorfstraße schmerzt die Widdersberger ein weiterer Anblick. Schon vor einigen Jahren wurde hier ein Grundstück abgeholzt, das laut Bürgermeister Schiller heute dem Grafen Toerring gehört. „Der Sommer deckt es mit Gestrüpp gnädig zu“, sagt Ruth Demeter. Aber im Winter klaffe ohne die Bäume eine kahle Lücke. Hans Demeter wollte in der Versammlung auch zu diesem Grundstück und dessen Zukunft mehr wissen. Schiller konnte aber nicht drauf antworten. Pläne seien noch nicht eingereicht worden, lediglich der Eigentümerwechsel sei ihm bekannt. Genau das ist es, was Demeter störte: „Es wurde abgeholzt ohne Plan.“

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