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Willi Weitzel und das „Bierrecycling“: Vom Alkohol zum Desinfektionsmittel

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Von: Andrea Gräpel

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Mit dem Smartphone stellt Helmar Weitzel einen Beitrag über die Herstellung von reinem Alkohol aus Bier zusammen, auf was sich Achim März aktuell konzentriert, um diesen für Desinfektionsmittel zur Verfügung zu stellen. © Schuhbauer-von Jena

Vom Bier zum Desinfektionsmittel: Diesen Weg hat sich Willi Weitzel, bekannt aus seiner Sendung „Willi wills wissen“ in Widdersberg erklären lassen.

Widdersberg – „Bierrecycling“ nennt es Achim März, wenn man Bier zu reinem Alkohol verwandelt. Ein spannendes Thema, findet auch Helmar Weitzel, alias Willi Weitzel von „Willi wills wissen“. Der hat sich aktuell in der Tenne vom Ignazhof ein Studio eingerichtet und improvisiert wie so viele in Corona-Zeiten. Als März dann 450 Liter Weißbier geschenkt bekam, das eben wegen dieser Zeiten nicht abgesetzt werden kann, und daraus reinen Alkohol gewinnen wollte, der für Desinfektionsmittel verwendet werden soll, horchte Weitzel nicht nur von Berufs wegen auf. „Ich finde das einfach großartig“, sagt der Moderator vom Bayerischen Fernsehen. Und weil er auch Schulfilme macht, griff er zum Smartphone und ließ sich das spannende Prozedere von März ausführlich für einen seiner nächsten Unterrichtsbeiträge erklären.

März (43) und Weitzel (47) kennen sich aus Widdersberg. Dort hat Weitzel mit seiner Familie mal gelebt, und das Büro seiner Produktionsfirma befindet sich auch immer noch in dem Herrschinger Ortsteil. Damit Weitzel, der „Gut zu wissen“ beim Bayerischen Fernsehen moderiert, auch seine Eigenproduktionen für Sternsinger und Schulen fortsetzen kann, muss er improvisieren. „Ein ganzer Geschäftszweig ist weggebrochen“, sagt er. Und da auch die Tenne von Achim und Nikola März wegen des Coronavirus zurzeit geschlossen ist, bietet sie genügend Platz und Ruhe für ihn und sein improvisiertes Studio.

Weitzel, der in München Theologie, dann Lehramt studierte und selbst drei Töchter hat, hat sich die kindliche Neugier bewahrt, die seine Beiträge ausmachen. Mit der hat er auch März’ Brennblase und Geistrohre bestaunt, in der das Bier recycelt wird, wie März es nennt. Nämlich auf 90 Grad erwärmt und dann in der Kolonne nochmal bis zu dreimal gebrannt, um dann zu reinem Alkohol zu werden. Um den Gehalt auf 98 Prozent hochzuschrauben, wird das Prozedere zweimal wiederholt.

450 Liter Bier geschenkt bekommen

Es sind 450 Liter Bier der Unertl-Brauerei in Haag, deren Absatz wie der gesamte Absatz in der Gastronomie mit dem Shut-Down zusammenbrach. Bevor nun das Haltbarkeitsdatum abläuft und Alois Unertl sein Bier wegschütten müsste, spendete er ein Teil des Fassbieres nach Widdersberg. Er wusste, dort steht ein Brennofen, denn März und Unertl kennen sich gut. Das Haager Bier wird in Widdersberg ausgeschenkt. Die Krux ist, dass Unertl trotzdem Biersteuer zahlen muss. „Wenn er es weggekippt hätte, hätte er nichts zahlen müssen. Aber das war ihm egal“, freut sich März. März selbst hat eine Ausnahmegenehmigung bekommen, denn eigentlich darf er pro Jahr nur 300 Liter Alkohol brennen. Da es nun Alkohol für Desinfektionsmittel ist, wird dieser Brand nicht dem Kontingent angerechnet. Wie es der Zufall will, kam der Bescheid für den Bierbrand vom Hauptzollamt Stuttgart just in dem Moment mit der Post, als er davon erzählt – eine Ausnahmegenehmigung für 18 Liter. Mehr Alkohol kann März aus 450 Liter Bier nicht destillieren.

Schon in der vergangenen Woche hat März Malz gekauft und angesetzt. „Ich habe zehn Prozent Rabatt bekommen und die Andechser Brauerei hat mir Hefe zur Verfügung gestellt“, sagt er. Aus Gerstenmalz und Obst wurden deshalb bereits 300 Liter Alkohol gebrannt, wovon März 200 Liter der Apotheke vom Kreiskrankenhaus Starnberg zur Verfügung stellte und 100 Liter der Gemeinde Herrsching, die es ebenfalls in einer Apotheke zu Desinfektionsmittel vermischen lässt. Beide Lieferungen hat er zum Selbstkostenpreis abgegeben. Jeweils 50 Liter Alkohol, den er nun aus dem Bier brennt und später nochmal aus Malz, will er den Starnberger Kliniken und der Gemeinde Herrsching diesmal spenden. März und der Brauereichef wollen mit dieser Aktion wachrütteln und darauf aufmerksam machen, was da alles dranhängt. „Wir können den Gewinn, der ausfällt, nicht mehr aufholen. Kein Dienstleister kann das.“ März lässt sich die Freude an seiner Brennerei aber nicht nehmen. Und Helmar Weitzel sowieso nicht. Auch nicht, wenn der Arm beim Smartphone-Halten einschläft, dann muss März halt nochmal erzählen. „Ich habe einen Kollegen, der schneidet das alles professionell für den Schul-Beitrag zusammen. Ich bin für die gute Laune zuständig und für die Fragen.“ Das gilt für die Studioaufnahmen, bei denen ihm die Regie auch aus der Ferne passende Bilder auf die grüne Leinwand im Hintergrund spielen kann. Die Kameraaufnahme mit dem Handy erfordert doch ein bisschen mehr, dann vor allem einen kräftigen Arm, wenn er sich selbst auch im Bild haben möchte.

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Dr. Thomas Weiler (57), Ärztlicher Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz in den Landkreisen Starnberg, Dachau, Fürstenfeldbruck und Landsberg, ordnet im Interview die Corona-Lage in der Region ein. Und er warnt vor zu frühen Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen.

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