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Kinder-Klima-Camp in Wartaweil: Wissen für die Erwachsenen von morgen

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Von: Hanna von Prittwitz

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Gemeinderatssitzung im Energiespardorf: Die Germeringer Grundschüler diskutierten über Einsparmöglichkeiten. Hinten im Bild (v.l.) Referent Günter Degen, Kathy Mühlebach-Sturm, Birgit Geurden und Axel Schreiner.
Gemeinderatssitzung im Energiespardorf: Die Germeringer Grundschüler diskutierten über Einsparmöglichkeiten. Hinten im Bild (v.l.) Referent Günter Degen, Kathy Mühlebach-Sturm, Birgit Geurden und Axel Schreiner. © Andrea Jaksch

Zwei Wochen, sechs Themenfelder, 24 Klassen und rund 500 Kinder und Jugendliche aus der Region: Im Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil findet noch bis Freitag das Kinder-Klima-Camp als Tagesprogramm statt. Die Verantwortlichen sind mit der Alternative glücklich.

Wartaweil – In einer langen Reihe stehen die 13 bis 15-Jährigen bei der Villa des Naturschutzzentrums an Tischen und kneten Teig, in der Sommerluft liegt der Duft von Hefe: Auch Jugendliche der Starnberger Mittelschule zählten zu den rund 500 Teilnehmern des Kinder-Klima-Camps in Wartaweil. Anders als sonst fand dieses heuer als Tagesprogramm statt. Denn üblicherweise richtet das Naturschutz- und Jugendzentrum um diese Jahreszeit mehrtägige Camps aus, bei denen auch gemeinsam gezeltet wird. „Das ging ja nicht, also mussten wir uns was Neues überlegen“, erzählt der pädagogische Leiter Axel Schreiner bei einem Pressegespräch am Mittwoch mit Zentrumsleiterin Birgit Geurden und Kathy Mühlebach-Sturm von der BN-Landesleitung. Der Vorteil: „An den mehrtägigen Camps haben etwa 50 Kinder teilgenomen – mit dem Programm erreichen wir an die 500.“

Während die Mittelschüler an ihrem Brotteig arbeiten, haben sich Grundschüler aus Germering zu einer fiktiven Gemeinderatssitzung versammelt. Jeder hat eine Rolle bekommen, die er nun ernsthaft vertritt. Gero zum Beispiel ist Landwirt und würde wohl für ein paar Windräder auch Fläche verkaufen. Der Atomkraftwerkbetreiber ein paar Plätze weiter sieht das kritisch. Gemeinsam überlegen die Kinder, wie sie den Fußabdruck ihres Ortes verkleinern könnten. Referent Günter Degen und die Lehrerin sind stille Beobachter, müssen nur selten zur Ruhe mahnen.

Die Lehrer konnten zwischen sechs Themen wählen. Neben Ernährung und Energie standen Kleidung, Wald und Klima, Müll und Plastik sowie Bienen und Biodiversität zur Auswahl. „Am meisten gefragt waren die Themen Kleidung und Ernährung“, sagt Birgit Geurden. Die Organisation sei mühsam gewesen, weil erst kurz nach den Pfingstferien das Okay für Schulausflüge gekommen sei. „Dann aber sind die Telefone heißgelaufen“. Die Kurse waren so gut wie ausgebucht.

„Ich nutze Plastik, als wäre es Gold“, sagt die Referentin

In einem Raum der alten Villa sitzen weitere Mittelschüler aus Starnberg. Es geht um Plastik. „Ich nutze Plastik, als wäre es Gold“, sagt Referentin Stefanie Pockrandt-Gauderer. Zuvor hat sie Bilder von verendeten Walen gezeigt, deren Mägen voller Kunststoffe sind. Oder Seehunde, die in Fangleinen festhängen. „Plastik ist genial. Aber wir nutzen es zu viel, haben zu viel davon“ sagt sie. Die Jugendlichen lauschen konzentriert.

Schreiner hofft, dass auch das Tagesprogramm eine Nachhaltigkeit entwickelt. „Es ist anders als bei einem Camp, bei dem die Kinder rund um die Uhr zusammen sind.“ Natürlich habe man auch die Flutkatastrophe thematisiert. „Da kommen viele Fragen.“ Geändert habe man das Programm aber nicht, denn ohnehin hat das alles auch damit zu tun.

Referentin Margret Hütt hat an diesem Vormittag mit den Mittelschülern überlegt, wie wohl die Klimabilanz von einer Pizza ist. Und wo sich Käfer und Insekten am wohlsten fühlen und warum, und was das alles für unsere Ernährung bedeutet. „Ich nehme mir vor, dass ich nichts mehr kaufe, wo Palmöl drin ist, also auch kein Nutella“, stellt Lisa (13) danach fest. Und Leo (15) will zwar keinesfalls auf Fleisch verzichten, „aber vielleicht weniger Plastik benutzen“.

Schreiner, Geurden und Mühlebach-Sturm sind zufrieden mit dem Ablauf des Klima-Camps. Entscheidend sei, den Kindern Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, sagt Schreiner. „Denn die Kinder von heute sind die Erwachsenen von morgen.“

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