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Zirka 250 Herrschinger verfolgten am Donnerstag den diesmal 90-minütigen Vortrag von Bürgermeister Schiller – erstmals unter der Aufsicht eines Sicherheitsdienstes. 

Bürgerversammlung Herrsching

Wohnraum schaffen: Wenn’s so leicht wäre

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Zirka 250 Herrschinger verfolgten am Donnerstag den diesmal 90-minütigen Vortrag von Bürgermeister Schiller – erstmals unter der Aufsicht eines Sicherheitsdienstes.

Herrsching – Nicht nur Landrat Karl Roth lobt gern den „hohen Unterhaltungswert“ Herrschinger Bürgerversammlungen. Er hat deshalb einen festen Platz in der Reihe der Ehrengäste und lässt fast keine Einladung aus. Trotzdem war auch er am Donnerstag erstaunt, wie viel Herrsching zu bieten hat. „40 Themen habe ich für Sie dabei“, sagte Bürgermeister Christian Schiller gleich eingangs. Und am Ende wehte ihm auch eisiger Wind ins Gesicht.

250 Besucher fanden in diesem Jahr wieder den Weg in die Martinshalle, darunter etwa zehn „Neuzugänge“, wie Schiller per Handzeichen ermitteln konnte. Die anderen folgten einem gewohnt launigen und kurzweiligen und doch etwas länger dauernden Vortrags über alles, was die Herrschinger bewegt. Der Vandalismus am Bahnhof und im Kurpark zum Beispiel. Schiller zeigte Aufnahmen der neu installierten Überwachungskamera am Kurparkschlösschen: Ein junger Mann betritt die Bildfläche, geht Richtung Toilette. Statt die Türklinke zu benutzen, tritt er die Tür gewaltsam auf. „Wieder ein paar hundert Euro Schaden“, bedauerte Schiller. 

„Ich appelliere aber an die Fairness aller“

Er hat aber die Hoffnung, dass die Polizei bei der Auswertung des Videos die Identität des jungen Mannes ermitteln kann. Das Thema Vandalismus treibt ihn um. Darum hat er es auch bis jetzt noch nicht geschafft, in Bürgerversammlungen keine Toilette zu zeigen. Außer jener von außen am Kurparkschlösschen gab es nämlich auch ein Foto von einer völlig verdreckten und verschmierten Bahnhofstoilette. „Es macht langsam wirklich keinen Spaß mehr.“ Mindestens einmal die Woche müsse der Rohreinigungsdienst kommen. 2016 seinen die Ausgaben für Vandalismusschäden um 20 000 Euro auf 60 000 Euro gewachsen. Schiller bat um Mithilfe der Bevölkerung und sachdienliche Hinweise.

Im Mittelpunkt der Anfragen stand das Verkehrskonzept. Der Fahrradschutzstreifen etwa, der im Sommer aufgetragen worden war. Die Meinung der Versammlung darüber war geteilt, die einen fühlen sich sicher, die anderen nicht. Sie benutzen den Fußweg. Dr. Ulrich Fritzler ärgerte sich darüber sehr. „Als Fußgänger fühle ich mich gestört.“ Und Polizeichef Erich Schilling pflichtete ihm bei. Außer Kindern bis zum zehnten Lebensjahr und ihre Begleiter haben Radfahrer dort nichts verloren. „Wir machen Kontrollen. Ich appelliere aber an die Fairness aller.“ Einige Fragen zur Umsetzung des Verkehrskonzeptes musste Schiller auch offen lassen, die die das Staatliche Bauamt betreffen zum Beispiel. Auch die geplanten Pflanzkübel an See- und Summerstraße teilte die Versammlung. „Es wird einen Kompromiss geben“, versprach Schiller.

Gymnasium: Das Verfahren ist noch nicht so weit

Andere Herrschinger schimpften darüber, dass „40 Jahre einfach so dahingebaut wurde“. Nikolaus Eisenwetter und auch Sabine Strack forderten mehr Bauleitplanung, die bei bestehendem Baurecht jedoch nicht immer eine Lösung sei, merkte Schiller an und versuchte sich darin, das Einmaleins des undurchsichtigen Baurechts zu vermitteln.

In diesem Zusammenhang forderte Kurt Fischer mehr Bürgerbeteiligung. Er ist ein Nachbar des Grundstücks für das geplante Gymnasium. „Ich habe nichts gegen das Gymnasium, aber beteiligt werden will ich“, forderte er erbost. Sowohl Schiller als auch Roth versicherten dies zu gegebener Zeit. Das Verfahren sei noch nicht so weit.

Versöhnlicher Schluss nach dreieinhalb Stunden

Alexandra Bauer wiederum schimpfte als Helferin beim Helferkreis Asyl, dass die Gemeinde keinen Wohnraum schaffe. Ein kompliziertes Thema, auf das Schiller nicht eindeutig antworten konnte: „Wir müssen die Verhältnismäßigkeit von Grundstücksgeschäften wahren.“ Nicht jede freie Fläche sei auch erschwinglich oder geeignet. Er verwies auf den Arbeitskreis, der neu gegründet wurde. Schiller: „Wir sind dran.“ Zu guter Letzt donnerte Heiner Förderreuther so laut wie die Geräte selbst gegen den Einsatz von Laubbläsern, was Bauhofleiter Josef Salcher zu verteidigen versuchte. Förderreuther fühlte sich „verletzt“ durch den Einsatz.

Ein lauter Applaus für die Arbeit des Bauhofes jedoch machte deutlich, dass dessen Tun nicht ganz so schlecht ist, wie sie dargestellt wurde. Nach dreieinhalb Stunden ein versöhnlicher Schluss, und ein erschöpft in den Stuhl sinkender Bürgermeister.

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