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Der Ort ist nicht einig, das Haus verfällt: Nachdem es in Widdersberg keine klare Mehrheit für das eine oder andere Konzept fürs Gemeindehaus gibt, will Bürgermeister Schiller alle Haushalte befragen lassen.

Bürgerversammlung

„Wünsch Dir was“ für Widdersberg

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Das baufällige Gemeindehaus in Widdersberg erregt die Gemüter nun seit 2014 – und es nimmt kein Ende. Auch, weil die Widdersberger selbst sich nicht einigen können, bedauerte Bürgermeister Christian Schiller in der Ortsteilversammlung am Donnerstagabend.

Widdersberg– „Dies ist die entscheidende Chance für Widdersberg“, mahnte er die 30 Anwesenden. Aber können 30 Befragte repräsentativ für ein Dorf mit 433 Einwohnern sein? Immerhin geht es um die Frage, ob Neubau, Sanierung oder Anbau, und dann in welchem Maß – also um Kosten zwischen vielleicht 300 000 Euro und 800 000 Euro. Bis heute wurden bereits 20 000 Euro allein für Planungskosten benötigt. Schiller wird dem Gemeinderat in der nächsten Sitzung am 19. Februar nun vorschlagen, eine Umfrage an alle Haushalte zu starten.

Als Ingeborg Donhauser nur wenige Minuten vorher eben jene Bitte ausgesprochen hatte, eine Umfrage unter allen rund 300 Haushalten zu starten, hatte Schiller dies noch strikt abgewiesen. Der Gemeinderat habe sich dagegen entschieden, sagte er. Am Ende erkannte er dann wohl doch, dass es in Widdersberg offenbar keinen anderen Weg gibt, und machte selbst den Vorschlag. „Der Aufwand für die Verwaltung kostet Zeit und Geld, aber wir sollten es machen. Wenn wir so viel Geld in die Hand nehmen, soll es auch passen.“ Vorab wollen die Vertreter der Interessengemeinschaft aus Freundeskreis Backhäusl, Brauchtumsverein und Pfarrgemeinde einen Infoabend über die Möglichkeiten für das Gemeindehaus organisieren. Die Abgabefrist für den Umfragebogen soll wenige Tage darauf enden, sodass allen Widdersbergern die Möglichkeit gegeben wird, sich ein Bild zu machen.

Nach dem jüngsten Schreiben der Interessengemeinschaft hatte sich schon in der Gemeinderatssitzung vor wenigen Tagen Ratlosigkeit breitgemacht (wir berichteten). Entsprechend spannend gingen Schiller und mit ihm 13 Gemeinderäte in die Ortsteilversammlung. „Wir wären beschlussfähig“, freute sich der Bürgermeister. Die Verwaltung hatte akribisch zusammengetragen, was seit dem Antrag für eine Machbarkeitsstudie am 26. Mai 2014 geschah (lesen Sie dazu auch die Historie „Fast vier Jahre Debatte um das Gemeindehaus“). „Wir wollen für die Widdersberger etwas tun, das hat der Gemeinderat bewiesen“, so Schiller. Selbst einem Neubau war zugestimmt worden, aber dieser und sämtliche Varianten wurden abgelehnt – zu groß, zu klein, „an den Bedürfnissen vorbei“, lauteten die Einwürfe der einen zu den Wünschen der anderen Widdersberger. „Also wie gehen wir weiter?“, fragte Schiller. „Am Ende heißt es sonst, es waren wieder die Falschen.“

„Diesen Zusammenhang kriegen wir hier nicht hin“

Herbert Strobl hatte es kurz zuvor in Worte gefasst. Er ist noch Mitglied im Brauchtumsverein, aber nach 19 Jahren in Widdersberg vor einigen Wochen zurück in seinen Heimatort Frieding gezogen. „Dort gibt es eine Gemeinschaft“, sagte er. „Diesen Zusammenhalt kriegen wir hier nicht hin.“ An Gemeinschaft bestehe in Widdersberg kein Interesse. Wenn etwas los ist, zum Beispiel der Christkindlmarkt vom Brauchtumsverein, dann kämen Leute, die nicht in Widdersberg wohnen. Und doch sollten die Widdersberger in die Zukunft schauen. Und an die Jugend denken, warf Resi Holzer vom Pfarrgemeinderat ein. „Es würde mehr zusammengehen, wenn wir mehr Platz haben“, sagte sie. „Die jungen Leute wollen vielleicht auch mal feiern.“

CSU-Gemeinderat Thomas Bader aus Breitbrunn konnte dies bestätigen. Die Breitbrunner haben seit einem Jahr einen Mehrzwecksaal. Davor hatte es kaum Möglichkeiten gegeben für Veranstaltungen mit 60 Menschen. „Heute wird der Saal immer häufiger belegt“, sagte er den Zweiflern, die keinen Bedarf an einer Vergrößerung erkennen. Wenn das Angebot da ist, würde es sicher auch in Widdersberg angenommen, sagte er. Und der Gemeinschaft eine Chance bieten, zusammenzuwachsen.

Schiller ließ die 30 Anwesenden abstimmen. Zwölf stimmten pro Erweiterung, 15 gegen die Erweiterung, 13 für einen Neubau und 19 für den Erhalt des Gebäudes. „Wir sind haarscharf an einer Zweidrittel-Mehrheit vorbei“, sagte Schiller lachend in der Erkenntnis, dass 30 von 433 Widdersbergern wohl kein abschließendes Stimmungsbarometer sein können.

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