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Fröhlich und unbeschwert scheint Malaika (12) einer Pianisten-Karriere entgegenzuschweben.

Im Porträt

Immer weiter, immer höher hinaus

Als sie sechs Jahre alt war, hat sie begonnen, an Klavierwettbewerben in Gauting teilzunehmen. Im vergangenen Jahr hatte Malaika Wainwright aus Herrsching ihr erstes Solo-Konzert in Paris. Im Oktober spielt sie wieder Konzerte in Paris. Darüber freut sich besonders ihr Musiklehrer Paul Eigendorf, der schon vor zwei Jahren von seinem Wunderkind schwärmte, als es seine ersten Konzerte im Dießener Augustinum betritt.

Herrsching – Paul Eigendorf hat selbst zwei Jahre lang in der französischen Hauptstadt Dirigieren studiert. Die Organistin der „église allemande de Paris“ kennt er noch aus seiner Studienzeit. Über diesen Kontakt organisierte er das erste Konzert dort. „Es war toll“, erinnert sich Malaika an ihren Auftritt. Nervös sei sie nicht gewesen, vielleicht ein bisschen aufgeregt. Im Oktober steht ein Konzert im Heinrich-Heine-Haus in Paris an, im Deutschen Haus des Auswärtigen Amtes. „Es ist nicht einfach, solche Konzertmöglichkeiten zu bekommen“, sagt Eigendorf. Und er bemüht sich um derlei Arrangements auch nur, wenn ein Schüler fleißig übt und bescheiden bleibt. So wie Malaika.

Malaika ist zwölf Jahre alt und besucht die Munich International School in Buchhof (Starnberg). Sie spricht Deutsch, Englisch, Chinesisch (ihre Mutter kommt aus Südostasien) und lernt Spanisch und Französisch in der Schule. Ihre Musikbegeisterung hat sie vom Vater Terry Wainwright. Der Unternehmer aus Kalifornien spielt Gitarre und Klavier. Das wollte Malaika auch. Seit ihrem vierten Lebensjahr spielt sie Klavier. Daneben malt sie sehr gerne, nimmt seit fünf Jahren Gesangsunterricht, spielt Gitarre, fährt im Winter Ski und schwimmt im Sommer. Das Klavierspielen bringt ihr noch immer so viel Spaß, dass sie täglich übt. Nur wenn sie müde oder krank ist, spiele sie keine ganze Stunde.

In Paris wird sie neben dem Heinrich-Heine-Haus auch im Oratorium des Louvre, das gegenüber dem weltberühmten Museums steht, auftreten. Wieder war es Eigendorf, der seine Beziehungen spielen ließ, diesmal durch eine Zufallsbekanntschaft bei einem seiner Aufenthalte in Frankreich.

Malaika freut sich auf beide Konzerte. Das Programm steht schon – 16 Stücke, unterschiedlich lang. Und alle wird sie auswendig spielen. „Wenn ich spiele, sehe ich die Noten im Kopf vor mir“, erklärt Malaika ihr unglaubliches fotografisches Gedächtnis. In nur einer Woche, längstens drei Wochen könne sie auswendig spielen, je nachdem wie schwierig es ist. Nur zur Sicherheit werden während der Konzerte alle Partituren geordnet auf dem Flügel bereitliegen. „Sollte sie einen Hänger haben, komme ich schnell nach vorne und helfe, die richtige Seite aufzuschlagen“, sagt Eigendorf. Bei unserem Besuch übt sie das erste Stück auf dem Programm: das Präludium in d-Moll von Bach. Malaikas Lieblingsstück. Obwohl es schwierig zu spielen ist, tanzen die Finger der Zwölfjährigen mit einer unglaublichen Leichtigkeit über die Klaviatur.

Chew-Lee Wainwright ist stolz auf die Tochter. Sie gesteht, dass sie dieses Talent am Anfang nicht vermutet hatte. „Jetzt, da sie in die Pubertät kommt, ist sie manchmal etwas unsicher. Wir versuchen, sie durch Lob zu motivieren. Und wenn sie Konzerte spielt, verdient sie sich auch ein wenig Geld.“ Außerdem habe Malaika in der Schule zuweilen mit dem Neid der Mitschüler zu kämpfen. Die Zwölfjährige versucht, das zu ignorieren. „Oder wir setzen einfach noch eins drauf, das ist dann meine Aufgabe“, sagt Eigendorf fröhlich.

Bis Oktober bleibt noch etwas Zeit, für die großen Auftritte zu proben. „Für die Zugabe können wir ein Stück auf der Gitarre vorbereiten“, schlägt Eigendorf vor. Im Dezember steht dann schon der nächste Termin für das junge Mädchen an: die ABRSM (Musikprüfungen der Königlichen Englischen Musikhochschulen), die ihr Klavierfähigkeiten auf einem bestimmten Niveau bescheinigt. Acht Level gibt es – Malaika spielt für „grade 8“, das höchstmögliche Niveau, vor.

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