In der Gunst der Herrschinger Fans lag Jori Mantha auf Rang zwei. Zum Spieler des Jahres wählten sie Jalen Penrose, der die WWK Volleys allerdings verlassen hat. Ob der Kanadier Mantha am Ammersee bleibt, ist noch nicht sicher.
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In der Gunst der Herrschinger Fans lag Jori Mantha auf Rang zwei. Zum Spieler des Jahres wählten sie Jalen Penrose, der die WWK Volleys allerdings verlassen hat. Ob der Kanadier Mantha am Ammersee bleibt, ist noch nicht sicher.

Volleyball

WWK Volley Herrsching: „Die beste Saison unserer Vereinsgeschichte“

  • vonDirk Schiffner
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Seit vier Wochen ist die Saison für die WWK Volleys Herrsching nun schon beendet. Max Hauser, Trainer des Bundesligisten, zieht eine insgesamt positive Bilanz.

Herrsching – Seit vier Wochen ist die Saison für die WWK Volleys Herrsching nun schon beendet. Zum fünften Mal in Folge war für die Mannschaft von Trainer Max Hauser im Viertelfinale der Play-offs zur Deutschen Meisterschaft Endstation. Doch sie schied vermutlich noch nie so bitter aus wie in dieser ohnehin schon verrückten Saison. Sowohl im Hinspiel als auch im Rückspiel ging es gegen die SVG Lüneburg über die volle Distanz – mit dem jeweils besseren Ende für die die Norddeutschen.

Und auch im Pokalhalbfinale gegen die Netzhoppers Königs Wusterhausen ging es über fünf Sätze. Den epischen Tiebreak entschieden die Brandenburger mit 26:24 für sich. Dennoch hat Hauser mit der abgelaufenen Spielzeit seinen Frieden gefunden: „Es war die beste Saison in unserer Vereinsgeschichte. Wir können superzufrieden sein, auch wenn wir unsere Ziele nicht erreicht haben.“ In den angesprochenen drei Partien haben „wir alles versucht. Das ist Sport“.

Wir können superzufrieden sein, auch wenn wir unsere Ziele nicht erreicht haben.

Max Hauser

Einen einzelnen Spieler wollte Hauser nicht aus seiner Mannschaft herausheben. „Grundsätzlich bin ich mit dem gesamten Team zufrieden“, sagt er. Vor allem aber mit den Akteuren, die nicht so oft auf dem Feld standen. Zum Beispiel Jonas Kaminski. „Er hat einen richtig steilen Weg genommen.“ Als der 24-Jährige vor zwei Jahren am Ammersee anheuerte, hatte er drei Jahre lang nicht richtig Volleyball gespielt. „Jetzt ist er in der ersten Liga angekommen.“ In seiner ersten Saison in Herrsching kam der Braunschweiger eher sporadisch zum Einsatz, heuer war er öfters gefragt. Nach der Verletzung von Jalen Penrose spielte Kaminski auf der Diagonalposition. Zur vollsten Zufriedenheit von Hauser.

Bei den Fans standen aber andere Akteure hoch im Kurs. Die meisten Stimmen der inoffiziellen Wahl zum Spieler des Jahres konnte Penrose auf sich vereinen. Nur wenige Tage später verkündeten die WWK Volleys den Abschied des schlaggewaltigen Diagonalangreifers. Der US-Amerikaner sprach „von zwei geilen Jahren“. Wo es den 26-jährigen Bostoner hinziehen wird, steht noch nicht fest. Der Nachfolger hängt dem Vernehmen nach bereits an der Angel. Den Namen wollte Hauser noch nicht verraten. Nur so viel: „Wir werden Jalen mehr als adäquat ersetzen.“

Auf den weiteren Plätzen der Fan-Wahl folgten Jori Mantha und Johannes Tille. Ob der kanadische Außenangreifer und der deutsche Zuspieler ein drittes beziehungsweise viertes Jahr am Ammersee spielen werden, steht noch in den Sternen. Angebote dürfte es für beide sicherlich zuhauf geben. Speziell Routinier Tille dürften alle Türen offen stehen. Max Hauser adelt seinen Spielmacher: „Er hat sich in den letzten drei Jahren super entwickelt. Er kam von einer Mannschaft, die stets verlor, jetzt ist er ein selbstbewusster Gewinner-Typ.“ Klingt fast schon wie ein Lob zum Abschied.

Unsere Fans wären in manchem Spiel sicherlich das Salz in der Suppe gewesen.

Max Hauser

Aktuell ist nur der Verbleib von Zuspiel-Talent Justus Lembach sowie der drei Mittelblocker Luuc van der Ent, Dorde Ilic und Iven Ferch gesichert. Gut möglich, dass Tim Peter, Jonas Kaminski und Ferdinand Tille ein weiteres Jahr am Ammersee bleiben. Der Ex-Nationalspieler Tille gehört wie Kaminski der Fraktion der arbeitenden Bevölkerung an, Peter studiert an der Technischen Universität München Maschinenbau. David Wieczorek kam nach anfänglichen Schwierigkeiten immer besser in Tritt und wäre sicherlich auch mehr als eine Alternative für die Außenbahn.

In der kommenden Saison, die Mitte Oktober starten soll, wollen die WWK Volleys Herrsching dann endlich ihr lang ersehntes Heimdebüt im Audi Dome feiern. Die drei Partien, die in der abgelaufenen Saison in der Heimspielstätte der Basketballer des FC Bayern geplant waren, wurden aus Kostengründen in der leeren Nikolaushalle in Herrsching gespielt. Dort drückten sich bei den zehn Heimspielen stets ein gutes Dutzend Fans bei Wind und Wetter ihre Nasen an der Fensterscheibe platt. „Sie wären in manchem Spiel sicherlich das Salz in der Suppe gewesen“, sagt Hauser.

Einen Bruchteil der entgangenen Zuschauereinnahmen haben die Ammerseer aus dem Corona-Hilfstopf des Bundes erhalten. Freilich nicht erstattet wurden die entgangenen Einnahmen aus dem Verkauf von Speisen und Getränken am Spieltag. „Besser als nix“, meint Hauser über die staatliche Unterstützung.

Rein sportlich haben sich die WWK Volleys Herrsching für den Challenge-Cup, den zweithöchsten Europapokal-Wettbewerb, qualifiziert. Teilnehmen wolle man freilich nur, wenn die Corona-Situation und somit das finanzielle Risiko überschaubar ist, gibt sich Hauser noch bedeckt über die Europa-Pläne.

Zum 1. April erlaubte sich die kreative PR-Abteilung des Vereins einen munteren April-Scherz. In den sozialen Netzwerken verkündete man den Ausstieg aus der deutschen Bundesliga und den Wechsel in die italienische Serie A. Das erste Heimspiel im Audi Dome solle am mittleren Wiesn-Wochenende stattfinden. „Am Italiener-Wochenende rennen die uns die Hütte ein.“ Die Fans rochen den Braten schnell, fanden die Idee aber witzig.

So völlig abwegig ist so ein länderübergreifender Wechsel allerdings nicht. Die Berlin Recycling Volleys, die am Donnerstag das erste Finalspiel um den DM-Titel gegen den VfB Friedrichshafen nach 0:2-Rückstand noch gewonnen haben, liebäugeln schon seit einigen Jahren mit dem Wechsel in die polnische Liga. Vorgemacht hatten es ihnen die Hypo Tirol Alpenvolleys aus Innsbruck. Von 2017 bis 2020 spielten die Tiroler, die in ihrer Heimatliga Serienmeister waren, dank der Lizenz von Partner TSV Unterhaching in der deutschen Bundesliga. Im vergangenen Sommer zogen sich die Österreicher aus dem Projekt zurück, da die deutschen Sponsoren nicht so zogen wie erhofft. Auch die Akzeptanz der Zuschauer war nicht ganz nach dem Geschmack von General Manager Hannes Kronthaler. Jetzt backt man in Innsbruck wieder kleinere Brötchen – in der zweiten österreichischen Liga.

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