Können es kaum fassen: Mittelblocker Luuc van der Ent, Zuspieler Johannes Tille und Außenangreifer Tim Peter (v.l.) standen schon mit einem Bein im Pokalfinale, verloren aber den Tiebreak unglücklich. Foto: Andrea Jaksch
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Können es kaum fassen: Mittelblocker Luuc van der Ent, Zuspieler Johannes Tille und Außenangreifer Tim Peter (v.l.) standen schon mit einem Bein im Pokalfinale, verloren aber den Tiebreak unglücklich.

Volleyball

WWK Volleys Herrsching verpassen historische Chance

  • vonDirk Schiffner
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Aus der Traum vom Pokalfinale. Die WWK Volleys Herrsching verlieren in deinem denkwürdigen Spiel das Halbfinale gegen Königs Wusterhausen im Tiebreak mit 2:3 – nach 2:0-Satzführung.

Herrsching – Die WWK Volleys Herrsching haben den Einzug ins DVV-Pokalfinale verpasst. In einem denkwürdigen, dramatischen und hochemotionalen Halbfinale verloren die Ammerseer am Donnerstag bei den Netzhoppers Königs Wusterhausen mit 2:3 (25:21, 28:26, 16:25, 22:25, 24:26). Dabei vergeigten Kapitän Johannes Tille und Co. eine komfortable 2:0-Satzführung, zudem ließen die Herrschinger Volleyballer im Tiebreak vier Matchbälle liegen. Im Finale treffen die Brandenburger am 28. Februar auf die United Volleys Frankfurt. Die Hessen besiegten im zweiten Halbfinale den VfB Friedrichshafen ebenfalls mit 3:2. Sowohl für Frankfurt als auch für Königs Wusterhausen ist es die erste Finalteilnahme, Herrsching dagegen muss weiter warten. Nach 2016, 2017 und 2019 war zum vierten Mal im Halbfinale Endstation. Die SAP-Arena in Mannheim bleibt damit der Sehnsuchtsort für die WWK Volleys.

WWK Volleys Trainer Max Hauser hält Netzhoppers-Sieg für verdient

So nah dran war die Mannschaft von Trainer Max Hauser allerdings noch nie. Der 36-Jährige wirkte eine Stunde nach der Niederlage sichtlich aufgeräumt, wenngleich die Pleite bei Hauser einen bitteren Beigeschmack hinterließ. Beim Stand von 17:16 im Tiebreak für die WWK Volleys überstimmte Hauptschiedsrichter Munir Fattah seinen Linienrichter Alexander Dames. Das war passiert: Jori Mantha schlug den Netzhoppers-Block an, danach ging der Ball ins Aus. Dames zeigte eine Berührung an, doch der oberhalb der Netzkante sitzende Hauptschiedsrichter wollte es anders gesehen haben. Hätte der Punkt für Herrsching gezählt, wäre der Sieg perfekt gewesen. „Die Logik hinter der Entscheidung verstehe ich nicht“, sagte Hauser am Tag danach. In der Folge hatten die Ammerseer weitere Matchbälle, wehrten zudem insgesamt sieben Matchbälle der Netzhoppers ab. Der achte brachte schließlich die Entscheidung. Während die Gastgeber über den erstmaligen Finaleinzug jubelten, sanken die Herrschinger enttäuscht zu Boden. „Bei allem Ärger, der Sieg für die Netzhoppers ist zu 100 Prozent verdient“, sagte Hauser.

WWK Volleys Manager Fritz Frömming zürnt dem Schiedsrichter

Daheim in Herrsching wütete dagegen der Vulkan Frömming. „Er hat uns das Spiel gestohlen“, schimpfte der Teammanager über den Hauptschiedsrichter aus Berlin. Frömming hatte es sich auf der heimischen Couch gemütlich gemacht. Die ersten beiden Sätze dürften dem Teammanager gefallen haben. „Die Mannschaft spielt sehr konzentriert, vor allem die Block-Abwehr steht“, sagte er. Im ersten Satz schenkten sich beide Teams nichts und spielten lange Zeit auf Augenhöhe. In der entscheidenden Phase nahm der GCDW-Express jedoch Fahrt auf. Am Ende entschied die größere Effizienz den Satz (25:21). Auch im zweiten Durchgang sahen die wenigen Zuschauer in der Potsdamer MBS-Arena einen ähnlichen Spielverlauf. Mitte des Satzes verloren die Gäste kurzzeitig den Faden, doch fingen sich rechtzeitig wieder. Knapp mit 28:26 ging der Satz an die WWK Volleys. Anstatt den dritten Satz auch noch einzutüten, erstarrten die Ammerseer jedoch in Ehrfurcht von den immer stärker werdenden Gastgebern. Im dritten Umlauf waren die WWK Volleys völlig von der Rolle (16:25). Satz vier war zwar aus Herrschinger Sicht wieder besser, doch Königs Wusterhausen blieb weiter auf der Überholspur (22:25).

WWK Volleys lassen vier Matchbälle ungenutzt

In einem an Dramatik nicht zu überbietenden Tiebreak hatten letztlich die Hausherren das bessere Ende. Herrsching ließ vier Matchbälle ungenutzt, Byron Kenturakis machte nach 139 Minuten den Deckel auf dieses denkwürdige Pokalmatch (24:26). „Die wohl bitterste Form der Entscheidung“, sagte Hauser am Tag danach. „Ich habe schon viele Tiebreaks gespielt, aber keinen, der bis zum 26. Punkt ging.“ Noch in der Kabine hat sich Hauser an die Mannschaft gewandt („Das mache ich sonst nie“) und an die Moral appeliert. Schließlich ist die Saison noch nicht vorbei – lediglich die Pokalreise.

Am Samstag Bundesliga-Derby beim TSV Unterhaching

Nach dem Pokal ist vor der Liga. Am Sonntag, 16 Uhr (live bei sporttotal.tv), sind die WWK Volleys Herrsching wieder gefordert. Auf dem Programm steht das oberbayerische Derby beim TSV Unterhaching.

Gegen den Tabellenvorletzten sind die Ammerseer klarer Favorit. „Ich hoffe, dass wir uns nicht emotional runterziehen lassen. Wir müssen den Fokus jetzt schnellstens wieder auf die Liga lenken“, sagte Hauser noch in Potsdam. „Wir sind psychisch und physisch platt. Ich bin gespannt, ob meine junge Mannschaft den Charakter hat. Das wird ein sehr gefährliches Spiel.“ Schließlich geht es auch darum, die gute Platzierung zu verteidigen. Hauser: „Wenn wir in Unterhaching gewinnen, war es insgesamt eine gute Hinrunde.“ Aktuell stehen die WWK Volleys auf dem 4. Platz, punktgleich mit dem VfB Friedrichshafen und nur drei Zähler hinter Spitzenreiter Berlin Recycling Volleys.

Trainiert werden die Unterhachinger, die im Sommer kurzfristig die Bundesliga-Lizenz erhielten, übrigens von Patrick Steuerwald. Der 34-Jährige trug zwischen 2015 und 2017 das Herrschinger Lederhosen-Trikot. Trotz Pokal- und Reisestrapazen sieht Steuerwald die Herrschinger in der Favoritenrolle. „Das darf für die keine Ausrede sein, das sind Profis.“ Die Siegchancen für sein Team sieht er eher nicht so groß. Aber: „Wir müssen da sein, wenn der Gegner nicht seinen besten Tag hat. Wir wollen unsererseits guten Volleyball spielen.“ Die Herrschinger „haben eine brutale Qualität. Zuspiel und Libero sind mit den Tille-Brüdern eine Bank“, weiß Steuerwald.

Bei Unterhaching spielen mit Benedikt Sagstetter (19) und Roy Friedrich (32) zwei weitere Ex-Herrschinger. Mittelblock-Talent Fabian Suck (19) gehört auf dem Papier eigentlich den WWK Volleys, spielt in Unterhaching aber mit einem Zweitspielrecht.

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