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Festgefroren in der Erde: Dominique Montelli und ihr Zirkus können Breitbrunn derzeit nicht verlassen.

Dauerfrost

Kälte zwingt Zirkus in die Knie

Eisige Kälte liegt derzeit über dem Landkreis. Installateure melden Heizungsstörungen und eingefrorene Wasserleitungen. Pannenhelfer sind im Dauereinsatz – und in Breitbrunn zwingt der Dauerfrost einen Zirkus in die Knie.

Landkreis – Immer unterwegs und in möglichst vielen Orten die Menschen erfreuen – das hat sich der kleine Circus Montelli zum Ziel gesetzt. Nun aber ist der Wanderzirkus in Breitbrunn gestrandet. Vor einer Woche haben Dominique (32) und Kevin Montelli (26) dort auf einer Wiese an der Münchner Straße ihre Zelte aufgeschlagen. Nach einem Wochenende voller Vorstellungen sollte es gestern weitergehen nach Schäftlarn. Doch ein Abbau der Zelte stellt sich am Montagvormittag als unmöglich heraus. Durch den Dauerfrost ist der Boden so gefroren, dass die Heringe fest stecken. „Alleine schaffen wir das nicht“, sagt Dominique Montelli.

Mit einem runden Dutzend Tieren sind sie und ihr Mann Kevin unterwegs. Zwei Ponys, zwei Lamas, ein Esel, ein Muli, drei Laufenten und zwei Hühner – alle müssen jeden Tag versorgt werden. Aber wenn der Zirkus nicht weiterziehen kann, fehlen natürlich die Einnahmen aus den geplanten Vorstellungen. „Das ist eine Katastrophe“, sagt die 32-jährige Zirkusbetreiberin im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Ohne die Einnahmen aus den Vorstellungen wird es auch an anderen Stellen eng. Denn damit finanziert das Ehepaar nicht nur die Versorgung der Tiere, sondern auch seinen Lebensunterhalt.

Jetzt fehlt das Geld – und gleichzeitig steigen die Heizkosten. Normalerweise kämen sie mit einer Gasflasche zum Heizen der zwei Zelte und des Wohnwagens vier bis fünf Tage über die Runden. „Bei dieser Kälte brauchen wir aber alle zwei Tage eine neue Gasflasche“, sagt Dominique Montelli.

In den vier Jahren, die sie ihren kleinen Zirkus selbstständig betreiben, haben die beiden so etwas noch nicht erlebt. „Wir sind darauf angewiesen, das ganze Jahr über zu spielen. Bisher haben wir noch kein Wochenende ausgesetzt“, erzählt die 32-Jährige. Sie und ihr Mann sind beide im Zirkus geboren und aufgewachsen. Mittlerweile stehen sie in der neunten Generation in der Manege. Sie kennen es nicht anders und beschweren sich nicht über die teilweise harte und vor allem ununterbrochene Arbeit.

Allerdings erschweren ihnen die kalte Jahreszeit und die extrem frostigen Temperaturen die Arbeit. Im Winter wären sie schon manchmal froh, ein festes Gelände für ihr Zelt zu haben, sagt Dominique Montelli. „Aber wir sind da auf die Landwirte angewiesen“, sagt sie. In Breitbrunn hätten sie Glück, weil der Landwirt nichts dagegen habe, dass sie diese Woche noch bleiben und auf Tauwetter warten, um ihre Zelte abbauen zu können. Ob sie die Zeit noch mit weiteren Vorstellungen an der Münchner Straße füllen, wissen sie noch nicht. Es ist fraglich, ob genügend Zuschauer kommen, so ganz ohne Werbung.

Während die Montellis unter den zweistelligen Minusgraden leiden, beschert die Kälte zahlreichen Handwerkern einen Auftrag nach dem anderen. So hat der Starnberger Installateur Hellmut Krüger beispielsweise alle Hände voll zu tun. An diesem Wochenende habe er zehn Einsätze gehabt, normal seien es nur etwa drei bis vier, berichtet er. Heizungsstörungen, Frostwasserschäden und eingefrorene Wasserleitungen waren der Grund dafür. „Da kommen verschiedene Faktoren zusammen“, sagt Krüger im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Nicht nur die extreme Kälte, sondern auch die Windstärke spiele dabei eine Rolle. Es sei daher wichtig, die Rohre im Keller gut zu isolieren und vor Luftzug zu schützen, rät er.

Auch beim Pannendienst klingelt das Telefon häufiger als sonst, unter anderem, weil Autobatterien schlapp machten. Robert Hauser, Geschäftsführer der Kfz-Werkstatt Hauser und Knorr in Starnberg, und seine Männer haben ein einsatzreiches Wochenende hinter sich. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe seien alle Fahrzeuge der Pannenhilfe ununterbrochen im Einsatz, hieß es.

Maren Knödl

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