Kirchenpfleger Christoph Welsch in der Heilig-Geist-Kirche Breitbrunn
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Kirchenpfleger Christoph Welsch staunt immer wieder, dass das komplette Zeltdach nur auf zwei Betonpfählen wie diesem lasten kann 

Zeitlos und ziemlich beeindruckend: Die Zeltkonstruktion der Breitbrunner Kirche

Zwischen den Dächern von Heilig-Geist

  • vonAndrea Gräpel
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Christoph Welsch ist Kirchenpfleger in Breitbrunn, in erster Linie aber ist er Architekt und als solcher fasziniert von der Architektur der Heilig-Geist-Kirche. „Das ist schon einzigartig“, schwärmt Welsch.

Breitbrunn – Die Konstruktion beeindruckt Welsch von der Idee bis zur Umsetzung. Als Kind hatte den Breitbrunner noch die breite Schwingtür am meisten interessiert. Im geöffneten Zustand bildet sich auf der einen Seite ein schmaler Spalt, durch den sich er und seine Freunde gerne durchgeschlichen hätten. Aber dies ist lediglich ein Detail, das diese Kirche außergewöhnlich macht.

Seit gut drei Jahren gesperrt

Die Heilig-Geist-Kirche ist im Oktober seit nunmehr drei Jahren wegen Einsturzgefahr gesperrt (wir berichteten). Dabei ist das Gotteshaus noch keine 50 Jahre alt. Erst 1971 wurde es geweiht. Noch bevor es erbaut wurde, hatte es für Aufsehen gesorgt. Angeblich habe ein Breitbrunner Landwirt bei der Präsentation des Kirchenmodells gesagt, wenn dieser Bau eine Kirche sei, dann sei er ein Pharao, schreibt Breitbrunns damaliger Kirchenpfleger in dem Heimatbuch „Breitbrunn am Ammersee“. Der Weilheimer Architekt Professor Theo Wieland nannte es aber „ein Zelt Gottes in dieser Zeit“, das er baue.

Über 20 Meter hoch

Die Heilig-Geist-Kirche ist bis heute vor allem eines: zeitlos. „Sogar der verwendete Waschbeton macht noch was her“, findet Welsch. Ihn beeindruckt im Gegensatz zu seinen Kindertagen heute vielmehr das schwebende Dach, das lediglich auf zwei vielleicht 80 mal 60 Zentimeter breiten Betonpfählen lastet. „Wahnsinn“, findet Welsch, „da steht das ganze Dach drauf.“ Das habe durchaus einen Reiz, findet er. Das Lichtband unter dem Dach, das den Kirchenraum rundherum erhellt, sei nur so möglich geworden. Die Kirche hat ansonsten einen quadratischen Grundriss von 24 auf 24 Meter. Über zwei Betongräben, die momentan ohne Wasser auskommen, ist sie wie über zwei Brücken durch die Eingänge im Osten und Westen zu erreichen. „Man läuft quasi übers Wasser hinein“, sagt Welsch. Ihn begeistert diese Idee sehr. Der Altar ist auf Betonstufen zentral in der Mitte des Raums fest platziert. Man stelle sich vor, das Dach wäre so hoch wie die ursprüngliche Planung geraten – 40 Meter. Es ist aber immer noch knapp 23 Meter hoch mit einem drei Meter hohen Kreuz obendrauf.

Leimverbindung wurde zum Problem

Allein dieses Dach begeistert den Kirchenpfleger noch mehr als die Kirche an sich. Jenes Dach, das vor rund fünf Jahren zum größten Problem dieser Kirche werden sollte. Der Hagelschaden vom vergangenen Jahr war dagegen vernachlässigbar und ist unterdessen behoben. Am Freitag fand die letzte technische Abklärung mit den Statikern statt, um mit der Sanierung des Dachinnern im Herbst beginnen und das eigentliche Problem beheben zu können – die Leimverbindung dort.

Der Hagelschaden an der Westseite des Zeltdachs ist bereits behoben.

Vor etwa fünf Jahren war bei der routinemäßigen Gebäudeprüfung entdeckt worden, dass diese schadhaft ist und eine Einsturzgefahr darstellen könnte. Um dies zu erkennen, muss man erstmal in das Dach hineinklettern. Als Welsch dort das erste Mal war, ging ihm das Architektenherz auf.

Der Kirchenpfleger kletterte Freitag ganz hoch bis auf die innere Dachspitze, „die äußere Dachspitze ist locker zehn Meter höher“, schätzt er. Ein „veritabler Raum“, der von außen so nicht spürbar sei und der das Technikerherz höher schlagen lässt. Gehalten allein durch Holzlager. Wo diese aufeinander treffen, befindet sich das Problem – die Leimfuge. Sie muss mit Hölzern verstärkt werden, die geklebt und besonders geschraubt werden. Die Statiker und Prüfstatiker sind da streng, das könne nicht jeder Zimmerer machen, bedauert Welsch, der den Auftrag gern an eine örtliche Firma vergeben hätte.

Vorgaben hatte unerwartet auch das Landratsamt gemacht. Welsch war zunächst der Meinung, dass eine Sanierung keiner Genehmigung bedürfe. Das Kreisbauamt allerdings hatte darauf hingewiesen, dass jede Sanierung auch eine Veränderung bedeute. Die Genehmigung liegt aber schon vor. Nun müssen die Angebote eingeholt werden. In der Hoffnung, dass die Auftragsbücher es zulassen, könne nach der Außendachsanierung im September mit dem zweiten Bauabschnitt begonnen werden, damit die nächste Christmette nicht wieder in der alten, kleinen und kalten St. Johannes-Baptist-Kirche stattfinden muss.

Bis dahin wird der Architekt den faszinierenden Raum zwischen den Dächern der Heilig-Geist-Kirche noch mehrfach betreten können. Es bedarf des Geschicks eines Bergfexes, um dort sicher hinauf, vor allem aber auch wieder hinab zu klettern. Für die Fachleute am Freitag war dies kein Problem. Welsch meinte kurzzeitig, diese faszinierende Dachgebälkwelt wäre es wert, sie noch mehr Menschen zu erschließen. Aber das wäre vielleicht doch zu gefährlich. Und die Breitbrunner wären schon froh, wenn sie wenigstens von unten im Altarraum wieder zur Spitze aufsehen können.

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