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Glück gehabt: Gestern mittag öffneten sich die Schranken wieder planmäßig. In der Früh hatte das allerdings ganz anders ausgesehen.

Verkehr

Herrsching dicht, weil Schranke streikt

Herrsching - Wegen eines technischen Defekts geht am Mittwochmorgen in Herrsching die Bahnschranke nicht mehr auf. Zwei Stunden lang. Das sorgt für Chaos auf den Straßen.

Herrschings Bürgermeister Christian Schiller war am Mittwochmorgen schon sehr früh im Rathaus. „Mein Glück, ich bin vorher durch“, sagt der Rathauschef. Im Gegensatz zu einigen seiner Mitarbeiter, die vor der Bahnschranke schmorten – und viel zu spät kamen. Im Ort brach Chaos aus. Die Fahrzeuge stauten sich in Richtung Breitbrunn, an der Polizeiwache vorbei bis hinter das Herrschinger Ortsschild. Das sind gut zwei Kilometer. In Richtung München und Andechs ähnliche Szenarien. Entnervte Autofahrer begannen, mit ihren Fahrzeugen vogelwild zu wenden. Passanten berichten von haarsträubenden Szenen: Autofahrer fuhren über Gehwege, und unternahmen Manöver, um irgendwie aus dem Stau raus und über Schleichwege davonzukommen. Die Madeleine-Ruoff-Straße, eigentlich der einzige Ausweg für die Autofahrer, war binnen kurzer Zeit verstopft. 

„Uns hat ein Lkw-Fahrer verständigt. Aber erst nach 40 Minuten“, berichtet Hauptkommissar Joachim Stähle von der Polizeiinspektion. Er arbeitet seit 30 Jahren in der Dienststelle in Herrsching – und hat seitdem auch mit dem Bahnschranken-Problem zu tun. „In letzter Zeit ist das aber viel schlimmer geworden. Allein in dieser Woche hat die Schranke drei-, viermal nicht richtig funktioniert.“ Dabei ist die Technik durchaus variabel: Mal bleibt die ganze Schranke unten, mal heben sich nur Teile. „Das ist dann richtig gefährlich: Weil sich ganz schnell die ersten Fußgänger dran vorbeimogeln.“ Die Möglichkeiten der Beamten sind beschränkt: „Wir können da wenig tun“, sagt Stähle. Er habe auch die Erfahrung gemacht, dass sich die Autofahrer in diesen Situationen manchmal besser selbst helfen – ohne dass da noch Verkehrspolizisten im Weg stehen. Die Polizei will nach dem jüngsten Vorfall allerdings durchsetzen, dass in Zukunft Ersatzverkehr eingesetzt wird: „Die S-Bahnen sollen dann in Hechendorf stehenbleiben. Alles andere ist zu gefährlich“, findet Stähle. 

Natürlich gibt es für den Schrankennotfall eine Servicenummer für die Techniker. „Die kommen dann mit Sperrbändern. Aber Stunden später“, sagt Bürgermeister Schiller, der schon seit langem auf den Bau einer Unterführung hofft. „Dieser Ärger mit der Schranke ist der Grund, weshalb viele eine Unterführung herbeisehnen“, sagt er. Hoffnung gibt es: Mit dem Bau der zweiten Stammstrecke und steigenden Taktzahlen müssen eines Tages auch die Schranken weg (wir berichteten). 

Schuld an der sturen Schrankenanlage war laut Bahnsprecher offensichtlich ein Defekt an der Radaranlage. Diese registriert, ob sich Fahrzeuge im Gleis befinden. Fällt sie aus, bleiben die Schranken sicherheitshalber unten. Das war von 6.59 bis 8.50 Uhr der Fall. Sinnigerweise gab es wenig später mit dem Gleisübergang in Hechendorf ebenfalls ein Problem. Dort versagte der Ausschaltkontakt, weshalb sich der Lokführer selbst sichern musste. Das heißt, er fuhr ganz langsam an den Übergang heran, ließ die Autos durch und tastete sich dann vor. Das dauerte von 10.12 bis 11.52 Uhr. Beide Störungen führten natürlich über einen längeren Zeitraum zu Verspätungen im S-Bahn-Verkehr der Linie 8.

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