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Die Züge in Richtung München sind am Bahnübergang bis zu 90 Stundenkilometer schnell.

S-Bahnverkehr in Herrsching

Mit Volldampf durchs "Schlafzimmer"

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Herrsching - Seit dem Umbau des Herrschinger Endbahnhofs, fahren die S-Bahnen Richtung München von einem anderen Gleis ab. Doppelt so schnell wie vorher. Den Anwohnern am Bahnübergang raubt dies den Schlaf, sie laufen nun Sturm.

„Ich schlafe nicht mehr durch.“ Stephanie Feyrer kling fast verzweifelt, wenn sie das so sagt. Die 35-Jährige Mutter einer elfjährigen Tochter wohnt und arbeitet an der Rieder Straße, direkt am beschrankten Bahnübergang in Herrsching. Sowohl sie als auch ihr Mann Manfred haben dort ihrer Geschäfte. „Ich lebe hier seit 15 Jahren, mein Mann seit 30.“ Seit der Fertigstellung des barrierefreien Bahnhofs sei das Leben an diesem Ort jedoch unerträglich. Die Lärmbelästigung sei nicht mehr auszuhalten, die Züge führen doppelt so schnell an den Häusern vorbei als vorher. Fast genauso sei es mit dem Lärm.

Stephanie Feyrer hat sich ihrem Nachbarn Christian Belgardt angeschlossen. Der hat die Nase genauso voll. Sie haben sich viel Mühe gegeben, um zu dokumentieren, was sie plagt. Zwei Videos hat Stephanie Feyrer gedreht, Geschwindigkeiten wurden gemessen und nach anderen Ursachen gesucht. Festgestellt haben sie dabei, dass die Züge, die früher von Gleis 2 abfuhren, nur halb so schnell waren wie aktuell. „Gleis 2 hat eine kleine Beuge, da mussten die Zugführer langsamer fahren. Gleis 1 ist gerade“, erklärt die Anwohnerin. „Ich habe das Gefühl, die S-Bahn fährt durch mein Schlafzimmer.“ An Schlafen sei nicht mehr zu denken.

Die Inhaberin von La Decoration in Herrsching ist also nicht alleine in ihrer Verzweiflung, 60 Unterschriften hat sie in der Nachbarschaft gesammelt. „Ich würde weit mehr bekommen, wenn ich weiter sammeln würde“, versichert sie. Denn nicht nur die Anwohner auch der normale Fußgänger, der an der Schranke warte, schaue entsetzt, wenn die Züge vorbeirauschen. „Da entsteht ein Sog, das ist richtig gefährlich, das war früher nicht so.“ Weil sie und ihre Nachbarn das Gefühl haben, bei der Bahn kein Verständnis zu finden, haben sich die Anlieger bereits ans Rathaus gewandt. Am Dienstagnachmittag treffen sich alle mit Bürgermeister Christian Schiller vor Ort. „Vielleicht hilft uns das weiter.“

Denn die Beschwerde bei der Bahn sei zwar angekommen. Es sei sogar reagiert worden. „Irgendwann in der Nacht bin ich wach geworden“, berichtet Stephanie Feyrer. Sie habe Arbeiter gesehen, die an den Gleisen geflext hätten. Langsamer fahren die Züge deshalb aber nicht. „Seitdem ist es eigentlich noch schlimmer geworden.“ Als sei dies allein nicht Ärgernis genug, gebe es auch noch einen kleinen Bruch in einer Schiene, einen so genannten Schienenstoß. „Zu allem Überfluss kommt also noch ein ständiges Klackklack, Klackklack. Es muss etwas passieren, mittlerweile geht es an die Psyche.“

„Wir wissen nicht, was wir ändern könnten“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn in München. Der Schienenstoß sei seiner Aussage nach behoben, und der Wechsel der Gleise sei der Pünktlichkeit geschuldet und kommen allen Fahrgästen zugute. „Irgendwie müssen wir den neuen Halt Freiham rausholen.“ Deshalb seien statt der maximal 50 Stundenkilometer, die über Gleis 2 mit zwei Weichen möglich waren, nunmehr über Gleis 1 mit nur einer Weiche und keiner Kurve maximal 90 Stundenkilometer möglich.

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