Herzchirurg Bruno Reichart aus Leutstetten.

Herzchirurg fachsimpelt mit Landfrauen

Leutstetten - Die Starnberger Landfrauen hatten sich in der Schlossgaststätte in Leutstetten zu einem Vortrag des Herzchirurgen Bruno Reichart versammelt. Thema des Vortrags war „Organspende - eine Herzensangelegenheit".

Der prominente Gastredner der Landfrauen wohnt zwar nur einen Katzensprung vom Versammlungsort entfernt, sein Auftritt glich trotzdem eher einem Besuch aus einer anderen Welt: Der mehr als einstündige Abriss über Geschichte, Praxis und Zukunftsperspektiven von Herztransplantationen mit englischsprachiger Bildschirmpräsentation zeigte einmal mehr die Diskrepanz zwischen medizinischen Fachkreisen und ihren „normalsterblichen“ Zuhörern auf.

Der 68-jährige Reichart gilt als einer der führenden Herzchirurgen in Deutschland. Für den Vortrag vor den Bäuerinnen hatte er den OP-Saal verlassen.

In München gibt es seit 1981 Herztransplantationen, insgesamt sind es über 1600. Er selbst habe Hunderte in Kapstadt und München durchgeführt, berichtete Reichart: So ein Herz sei „an und für sich nur eine Pumpe, das wird immer überschätzt“.

Hauptproblem der Transplanteure ist jedoch ein eklatanter Mangel an Spenderorganen, machte Reichart deutlich. Längst aber würde die Forschung auch an Alternativen zu menschlichen Spenderorganen arbeiten. Reichart berichtete von der „Erzeugung“ transgener, als Spender geeigneter Schweine, bei denen es weniger ethische Bedenken gebe als bei Affen. Hier aber waren die Landfrauen dann doch ein fachkundiges Publikum: Ein entsetztes Raunen ging durch den Saal, als Reichart die Bilder von Schweinen zeigte, die zu medizinischen Zwecken in keimfreien Fabriken gehalten werden.

„Da braucht man einen guten Magen", resümierte Painhofer am Ende des Vortrag, übereichte Reichart aber zum Dank einen liebevoll mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen bestückten Korb.

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