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Ob nun die gerade erst gefällte Birke in Lochschwab (oben) oder auch Fälle roher Gewalt (l.). Oft werden die Bäume aber auch nur angesägt – in der Hoffnung, dass sie dadurch früher oder später eingehen werden.
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Baumfrevel

Sägen für den Seeblick

Da kennen einige Herrschinger kein Pardon. Um sich den Seeblick zu erhalten, vergreifen sich Anrainer der Promenade an Bäumen und Sträuchern.

Herrsching – Franziska Kalz ist seit 2001 Umweltreferentin im Rathaus Herrsching. Immer wieder ist es in dieser Zeit entlang der Seeuferpromenade zu Baumfrevel gekommen. Zuletzt wurde in Lochschwab eine Birke umgesägt (wir berichteten). Die Forstwissenschaftlerin macht das richtig wütend. „Seitdem ich hier bin, gab es mehr als 30 Vorfälle dieser Art. Von all den abgeschnittenen Sträuchern gar nicht zu reden.“

Überall, wo unmittelbar bebaute Grundstücke angrenzen, finden diese Baumschädigungen statt. „Es geht um den Seeblick“, ist sich Franziska Kalz ganz sicher. Ob aus erster, zweiter oder dritter Häuserreihe kann sie natürlich nicht sagen. Das ziehe sich die gesamte Promenade entlang, vom Seespitz bis Lochschwab.

Eiche hat tiefe Schnitte überlebt

Immer wieder würden Bäume gefällt, vergiftet oder so klappmesserscheiden-tief angeschnitten in der Hoffnung, dass sie absterben. „Bei einer Eiche hatten wir das 2012 befürchten müssen.“ Der Baum hat überlebt. Das Vorgehen kann man durchaus als perfide beschreiben. Der Stamm sei erst von der einen Seite angeschnitten worden. Als dies offensichtlich keine Wirkung zeigte, sägten die Verursacher weiter – rund um den Stamm. Die Umweltreferentin freut sich, dass die Eiche das überlebt hat. Andere Bäume haben es nicht.

Bis zu 1,50 Meter breite Beschädigungen an Rinden habe es gegeben. Oder die Stämme wurden angeschnitten, so dass der Baum früher oder später umbrechen musste. „Und wenn wir nachgepflanzt haben, wurden die jungen Pflanzen vergiftet.“ Das könne man nicht nur sehen, sondern auch riechen.

Baumfrevel auf öffentlichem Grund

Dort, wo vor wenigen Tagen die Birke umgesägt worden ist, seien vor nicht langer Zeit schon einmal drei junge Bäume vergiftet worden, erinnert sich die Rathausmitarbeiterin.

„Es gibt auch immer wieder Leute, die Äste runterschneiden von Bäumen auf öffentlichen Grund“, schimpft sie. „Die vertreten dort einfach ihre Interessen und beschädigen öffentliches Eigentum.“ Und natürlich hätten diese Aktionen auch Folgekosten. „Es ist ja nicht so, das einfach alles verschwindet.“ Bauhof, Nachpflanzungen, Rettungsaktionen – das alles kostet Geld. „Steuergeld“, betont Franziska Kalz. Das gilt ebenso für die Sträucher. „Häufig sind es Bestände, die vor Häusern liegen und anders gepflegt werden könnten, oder überhaupt erst gepflegt und neu durchdacht werden könnten, wenn sie nicht dauernd durch Dritte beschnitten würden.“

Gemeinde bittet um Hinweise

Der jüngste Baumfrevel erfolgte offensichtlich mit einer Motorsäge, sagt die Forstwissenschaftlerin. „Wahrscheinlich könnte man das am Sägeblatt sogar nachweisen“, meint sie. Hausdurchsuchungen aufgrund Baumfrevels seien aber leider nicht möglich. So sind Gemeinde und Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, laut genug muss die jüngste Aktion gewesen sein. Die Hinweise werden erbeten unter Telefon (0 81 52) 9 30 20.

Und in anderen Gemeinden? In den meisten See-Kommunen gibt es keine Probleme mit Wild-Fällern. In Berg, erinnert sich Bürgermeister Rupert Monn, gab es 2004 einen Fall, als vier Bäume regelrecht vergiftet worden waren. „Das ist einfach kriminell“, meint er. Weitere Fälle danach sind ihm aber nicht bekannt.

Landratsamt registriert illegale Fällungen

Feldafing hat auch keine Probleme damit, Tutzing allerdings schon. Dort wurden vor Jahren Bäume im Bereich Brahmspromenade versteckt angesägt und starben ab. Auch am Wörthsee herrscht Ruhe. „Solche Fälle kenne ich nicht“, sagt Bürgermeisterin Christel Muggenthal. Einmal habe einer einen Ast beim Nachbarn abgesägt, mehr aber nicht. Regelrechte Attacken auf Bäume sind dem Starnberger Rathaus nicht bekannt; falls illegale Fällungen bekannt werden, informiere man das Landratsamt.

Das wiederum registriert laufende illegale Fällungen, nicht nur durch Unbekannte. Es handele sich um Verstöße gegen Landschaftsschutzgebietsverordnungen, erklärt Stefan Diebl. Dafür drohten Bußgelder bis zu 5000 Euro. Und eine ganze Reihe Fäller hätten auch schon bezahlen müssen.

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