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Das Schreibwaren-Team Lisa Heller, Annemarie Scheffold, Evi Milthaler, Christine Milthaler und Heinz Peters (v.l.). 

In Weßling

Kleiner Laden trotzt großer Konkurrenz

Seit bald 60 Jahren gibt es in Weßling das Schreibwarengeschäft Zeller. 

Weßling – Aldi haut gerade wieder günstige Stifte und Papier raus, in großen Drogeriemärkten sind Schreibwaren jeden Tag zu haben – und dann wären da noch die zahlreichen Online-Anbieter. Die Konkurrenz setzt den kleinen Schreibwarenläden zu, und doch gibt es einige, die sich seit Jahrzehnten standhaft halten. Zu ihnen gehört das „Zeller Schreibwarengeschäft“, das seit bald 60 Jahren einen festen Platz an der Hauptstraße und im Leben vieler Weßlinger hat. Einst unter der Leitung des Ehepaares Dorn, dann führten Sylvia und Georg Wall die Geschäfte. 1999 übernahm Gabriele Lohr, bis 2005 Evi Milthaler einstieg – in ein Geschäft, in dem die Neu-Hochstadterin schon als Kind ihr Schulmaterial gekauft hatte. Genau wie Katharina Volnhals, die gerade einen Hefteinband für den Enkel bezahlt und ihre Treue mit der guten Beratung und freundlichem Personal begründet.

Das freundliche Personal heißt Lisa Heller und Annemarie Scheffold, aber auch Evi sowie Tochter Christine Milthaler mit Lebensgefährten Heinz Peters zählen dazu. An die Jungen geht jetzt nach und nach die Verantwortung über, sagt die Inhaberin. Im Grunde genommen ist die heute 21-Jährige Tochter der Grund, warum der Shop in Milthaler-Händen ist.

Noch gut erinnert sich die Mutter an das Grundschulfest, wo sie hörte, dass ihre Vorgängerin den Laden dicht machen möchte. Das war Mitte August 2005. Nur zwei Wochen später war sie die Inhaberin. Ihre Tochter nahm sie zur Arbeit mit. „Ich liebte das“, schwärmt diese und machte aus der Leidenschaft einen Beruf: Mit einer Eins schloss sie 2016 die Lehre zur Einzelhandelskauffrau ab. Und als Evi Milthaler vor fünf Jahren schwer erkrankte, übernahm die Tochter vorübergehend die Leitung.

Mittlerweile stöbert das junge Paar mit sicherem Gespür für Trends und Schönes auf Messen. Das Hauptaugenmerk liege auf Qualitätsware. Neben Ordnern, Heften, Papier, Geschenkartikeln und den beliebten Grußkarten findet so auch mal etwas Außergewöhnliches wie Namenstempel für Textilien den Weg ins Regal. Ein Renner, sagt Heinz. Andere Artikel, zum Beispiel Schulranzen, gibt es nicht mehr. Viele Kunden hätten sich erst bei ihnen beraten lassen und dann woanders gekauft. Dabei gebe man sich preislich nicht viel, wundert sich Evi Milthaler.

Bis zum Umbau vor gut einem Jahr waren die Wellensittiche in der Voliere noch ein Hingucker. Besonders die Hunde waren begeistert und der eine oder andere stand sehnsüchtig vor der Tür, in der Hoffnung, das Federvieh näher zu beäugen und vielleicht ein wenig zu jagen. Die langjährige Kundin Gitti Thein erinnert sich noch gut daran. Sie ist eine von vielen, die für eine Stunde hereinkommt. Es läuft und sei doch ein hartes Geschäft. Es gehöre Idealismus mit dazu, sagt Evi Milthaler – und den lebt auch die Tochter. „In Norwegen und Schweden habe ich keinen Schreibwarenladen gesehen“, erzählt Christine. „Vielleicht eröffne ich dort einen“, träumt sie mit jenem notwendigen Quäntchen Idealismus, das in der Branche unabdingbar ist.

Michèle Kirner

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