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1500 Einsätze später

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Von: Andrea Gräpel

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Traute Runde blickt auf 20 Jahre First Responder zurück: Markus Schamberger (v.l.), Anton Kiefmann, Christian Sedlmayer, Stefanie Maier, Kommandant Alexander Rohrmoser, Vorstand Falk Zerling, Dr. Max Edelmann, Alexander Dietz und Karl Sedlmayer.
Traute Runde blickt auf 20 Jahre First Responder zurück: Markus Schamberger (v.l.), Anton Kiefmann, Christian Sedlmayer, Stefanie Maier, Kommandant Alexander Rohrmoser, Vorstand Falk Zerling, Dr. Max Edelmann, Alexander Dietz und Karl Sedlmayer. © Andrea Jaksch

20 Jahre gibt es bei der Freiwilligen Feuerwehr Inning bereits einen First-Responder. Inning war die dritte Feuerwehr im Landkreis, die den freiwilligen Dienst anbot. Mittlerweile gibt es sieben. Ein Fest wird es nicht geben, einen stolzen Blick zurück dafür schon.

Inning – Das Fahrzeug ist noch immer das alte, die Besatzung mittlerweile in der zweiten Generation: Seit 20 Jahren gibt es in Inning einen First Responder, medizinische Ersthelfer, die die Zeit zwischen Notruf und dem Eintreffen des regulären Rettungsdienstes beim Patienten überbrücken. Inning war nach Stockdorf (Januar 1999) und wenig später im selben Jahr Herrsching die dritte Freiwillige Feuerwehr im Landkreis, die ihren Bürgern eine schnellere Versorgung bei akuten Erkrankungen oder bei Unfällen gewährleisten wollte.

Anton Kiefmann (71) aus Inning ist einer der Patienten, denen die Inninger First Responder durch schnelle Anwesenheit vor zehn Jahren das Leben retten konnten. Kiefmann weiß noch genau das Datum, es war der 8. März, sein Hochzeitstag. Weil es ein Faschingsdienstag war und er kein „Faschings-Jeck“ war, waren er und seine Frau nach Andechs zum Essen gefahren. Zurück zu Hause hatte er schon bemerkt, dass etwas nicht stimmte – sein Daumen zuckte. Er und seine Frau schenkten dem keine große Beachtung. Was dann aber passierte, weiß er nur aus Erzählungen. Im Schlaf habe er „seltsame Geräusche“ gemacht und wurde trotz Rütteln nicht wach. Seine Frau wählte den Notruf. Die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Inning waren zuerst da und retteten ihm damit wahrscheinlich das Leben. „Was die leisten, ist unbezahlbar“, sagt Kiefmann. Bis heute ist er dafür zutiefst dankbar.

Kiefmann erzählt dies in einer Runde von ehemaligen und aktiven Mitgliedern der First-Responder-Einsatzgruppe. Falk Zerling, Vorstand des Feuerwehrvereins und selbst Rettungshelfer, hatte seine Kameraden, Kiefmann, Gönner und Initiatoren von einst in den Schulungsraum des Feuerwehrhauses eingeladen, um gemeinsam auf die 20 Jahre zurückzublicken. „Wir hätten auch ein Fest machen können“, wie dies allerdings in Pandemie-Zeiten ausgefallen wäre, wollte sich keiner vorstellen. Deshalb wurden die Erinnerungen in trauter Runde wach. Und Zerling stellte dabei fest, dass die Einsatzgruppe mittlerweile buchstäblich in die zweite Generation geht. Seine Tochter Julia zum Beispiel hat gerade vor zwei Wochen die Prüfung bestanden, und der Vater von Einsatzgruppenleiterin Stefanie Maier ist auch einer der ersten Stunde. „Das wird so durchgereicht“, sagt er lachend.

Initiator des First Responders war damals Karl Sedlmayer, seinerzeit zweiter Vorsitzender des Vereins und Kreisbrandmeister. Auch sein Name bleibt durch Sohn Christian in zweiter Generation bei den Ersthelfern vertreten. Karl Sedlmayer erinnert sich zurück: „Damals waren wir froh, wenn wir einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht hatten.“ Nur in Stockdorf und Herrsching waren First Responder im Landkreis schon im Einsatz. Aber durch ein „familiäres Erlebnis“ sei dann sein Ehrgeiz geweckt worden, auch für Inning eine First-Responder-Gruppe einzurichten. „Das hat mich beschäftigt“, denn bei dem Schlüsselereignis habe die Familie lange auf den Notarzt warten müssen. Das wünschte er für sich kein zweites Mal und für seine Nachbarn auch nicht.

In Person von Dr. Max Edelmann fand er einen begeisterten Unterstützer. Der Inninger Gönner ist der gute Geist zahlreicher sozialer Projekte in der Ammerseegemeinde – und im Besonderen auch der Feuerwehr. Beim gemeinsamen Fischen brachten Sedlmayer und Edelmann das Kind zum Schaukeln.

Der Betrieb eines First Responders ist freiwillig und wird vom Einsatzfahrzeug bis hin zum Verbandsmaterial komplett aus Spenden finanziert. Edelmann spendierte das Fahrzeug, durch eine weitere großzügige Spende konnte ein Defibrillator angeschafft werden. Für das Fahrzeug wurde ein Schulungsraum geopfert. Weil dort auch der Männergesangsverein probte, geschah dies nicht ohne Protest und nur mit Überredungskunst. „Denen haben wir noch beim Umziehen geholfen“, sagt Sedlmayer. Und noch bevor das Fahrzeug geliefert wurde, hatten elf Feuerwehrleute die Schulung abgeschlossen, drei weitere waren schon für den Rettungsdienst ausgebildet.

„Dann konnten wir fahren“, sagt Sedlmayer. Nur womit? In der Not kam erst mal das Löschfahrzeug zum Einsatz. Sedlmayer hat noch genau vor Augen, wie ihn Dorfarzt Dr. Sattler mit großen Augen irritiert anschaute und sagte: „Hier brennt’s nicht, wir brauchen keine Feuerwehr.“ Auch eine Hebamme habe die Ersthelfer zunächst wieder heimschicken wollen. Innings First Responder konnten das Missverständnis schnell aufklären. Bis zur Lieferung ihres Einsatzfahrzeugs wollten sie halt nicht warten. „Schließlich hatten wir den Lehrgang gemacht, also wollten wir auch fahren.“

Seitdem wurden 1500 Einsätze gezählt – in Inning, aber auch außerhalb der Ortsgrenzen war die Hilfe der Inninger Feuerwehrler gefragt. „Aber das Schönste ist“, sagt Zerling, „wenn man den Patienten wenig später fröhlich am Gartenzaun vorbeigehen sieht.“ So wie Anton Kiefmann oder einen damals 74-Jährigen, den sie 2005 quasi am Straßenrand retten konnten – mitten an der Ortsdurchfahrt. Heute ist der First Responder Inning im Durchschnitt 80- bis 100-mal pro Jahr im Einsatz, Tendenz steigend, sagt Stefanie Maier. Die 21-jährige Studentin ist seit ihrem zwölften Lebensjahr Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Max Edelmann nennt ihren Einsatz und den der anderen Mädels mehrfach sein „Weihnachtsgeschenk“. Vor 20 Jahren undenkbar, sind Frauen heute nicht mehr wegzudenken.

In den zwei Jahrzehnten hat sich noch einiges mehr geändert: Statt der schweren Feuerwehrwehrmontur gibt es mittlerweile zum Beispiel Schutzanzüge mit mehr Bewegungsfreiheit. Und im Landkreis sind unterdessen sieben Feuerwehren für First-Responder-Einsätze ausgerüstet. Das Inninger Fahrzeug allerdings ist noch immer dasselbe – seit 20 Jahren. Weil gut gepflegt, sieht man ihm die Jahre nicht an. Und so lange es seinen Zweck erfüllt, herrscht auch keine Not.

Aktuell gibt es zehn Mitglieder der aktiven Feuerwehrleute in Inning, die einen First-Responder-Einsatz fahren können. Mindestens zwei sind notwendig und glücklicherweise auch immer greifbar, freut sich Stefanie Maier.

Nach wie vor ist dieser Rettungsdienst eine freiwillige Aufgabe. Eine, die die Inninger mit Stolz erfüllt. „Aber um sie weiter sicherstellen zu können, sind wir für Spenden immer dankbar“, erinnert Zerling.

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