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Er selbst steigt nur noch selten die 53 Stufen in den Lagerkeller hinab: Alexander Dietz.

Ortsgeschichte

Das „Geheimnis“ im Kellerberg

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Boden und Wände sind feucht, mit jedem Schritt nimmt die Temperatur ab. Der Kellerberg in Inning hat seinen Namen nicht von ungefähr. Seit 1632 soll es dort den Lagerkeller geben, in den es bis heute bestimmt zwölf Meter hinab geht. Dutzende Klassen der Inninger Grundschule haben diesen Abstieg getan und die tollsten Geschichten um diese Ausflüge niedergeschrieben. Alexander Dietz (56) und seine Frau Angelika (55) blättern noch immer mit Freude durch die gesammelten Werke.

Inning – Alexander Dietz ist Förster der Toerrings in der dritten Generation. Sein Büro und seine Dienstwohnung befinden sich genau über diesem alten zweigeschossigen Lagerkeller, der in der Länge etwa 35 Meter misst, zirka 8,50 Meter breit ist und diverse Nebenräume hat. Spiralförmig führen 53 Stufen in die Tiefe. Schnell verliert man die Orientierung. Früher gab es mal einen Aufzug – für große Bierfässer. Den Schacht gibt es noch, auch noch vereinzelte Vorrichtungen. Das Bier und die Fässer nicht mehr.

Nachweislich erwähnt wurde der Keller auf einer Karte des Landgerichts Weilheim aus dem Jahr 1752. Diese Karte hat Jutta Göbber ausgegraben, die Vorsitzende des Vereins Heimatgeschichte, die nimmermüde in den Archiven wühlt. Sie hatte auch für einen ihrer legendären ortsgeschichtlichen Spaziergänge durch Inning Daten über den Lagerkeller zusammengetragen. Unter anderem in einem Zeitzeugengespräch mit Bruno Dietz, dem 86-jährigen Vater von Alexander Dietz. Wie der Sohn war er Förster der Toerrings und ebenso dessen Vater Alfons.

Der Lagerkeller war aller Wahrscheinlichkeit nach ein Sommerkeller für das Anwesen der „Post“ in Inning, zu dem über ein Jahrhundert lang eine eigene Brauerei gehörte. „Und das Forsthaus war früher wohl die Schlafstätte der Brauburschen“, vermutet Alexander Dietz. Der Kellerberg eignete sich für die kühle Lagerung des gebrauten Gerstensaftes bestens. Bis heute herrscht in dem Gewölbe eine konstante Temperatur von etwa sechs Grad Celsius – das ganze Jahr hindurch.

An- wie Abtransport war für damalige Zeiten recht bequem. Denn was heute als Abstell- und Werkraum genutzt wird, war einst eine überdachte Durchfahrt. Fuhrwerke brauchten nicht umständlich umdrehen.

Seit wann genau das Anwesen als Forsthaus genutzt wird, ist nicht bekannt. Alfons Dietz kam 1927 nach Inning und wohnte zunächst im Grundhaus beim Kindergarten an der Landsberger Straße. Bruno Dietz erblickte das Licht der Welt bereits auf dem so genannten Kellerberg. Dass das Gebäude zumindest im 19. Jahrhundert nicht nur als Keller genutzt wurde, beweisen Inventarlisten aus dieser Zeit. Es waren einige Räume vorhanden, in denen man im Sommer zum Beispiel Bierfeste veranstaltete.

Die Architektur des Kellers ist wohl durchdacht mit seinen aufsteigenden Luftschächten. Als die Gewölbe nach dem Krieg kurzzeitig für eine Champignonzucht genutzt wurden, wurde elektrisches Licht nach unten verlegt. Heute ist es aber wieder stockdunkel unten, die alten Kabel hängen abgetrennt an den Wänden. Gute Taschenlampen sind notwendig, um den Weg zu beleuchten und das Gewölbe zu erkennen. Einer wie Alexander Dietz, der im Forsthaus groß geworden ist, weiß natürlich, in welcher Ecke sogar noch alter Pferdemist liegt, mit dem die Champignons einst gedüngt wurden. Auch ein großer Haufen alter Pilzkörbe verfault gut gekühlt in einem kleinen Seitenanbau vor sich hin.

Der Inninger Gemeinderat Werner Huttner (59) kann sich noch gut erinnern, dass in dem Lagerkeller unterm Forsthaus auch Futter für die Waldtiere gelagert wurde. Als Kind habe er fleißig Kastanien gesammelt und sich damit ein kleines Taschengeld dazuverdienen können. Darin erinnert sich auch Alexander Dietz, „eine Mark für einen Zentner oder so was“, meint er betrug der Lohn.

Für die Kinder, die Dietz über viele Jahre durch die Gewölbe geführt hat, war die „Höhle“ eine Sensation. Geheimnisvoll und gruselig für die einen. Andere bastelten an hehren Ideen, was man aus dem alten Lagerkeller so alles machen könnte, ihn nämlich erstmal mit Parkett auslegen und dann ein Kino einbauen – mit Playstation. Darüber können Alexander Dietz und seine Frau heute noch lachen. Auch ein Schwimmbad hätten die Grundschüler nicht schlecht gefunden.

Seit ein paar Jahren kommen keine Kinder mehr. Als Sibylle Hail-Schwarzbeck, die mehr als 40 Jahre an der Grundschule unterrichtete, in Rente ging, gab es im Kollegium offenbar niemanden, der die Tradition fortsetzen wollte. Und auch Alexander Dietz nimmt nur noch selten die Taschenlampe in die Hand, um die Wendeltreppe in die historischen Gewölbe hinabzusteigen. Allein die Aufzeichnungen der Kinder – die Lehrerin hatte alle kopiert und Angelika Dietz gegeben – zeugen von den fröhlichen Besuchen und dem „Geheimnis“ im Kellerberg.

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