Sie hatten alles so gut vorbereitet - dann kam die Ausgangssperre: Die Maibaumdiebe Inning konnten heuer noch keinen Baum nach Hause bringen.
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Sie hatten alles so gut vorbereitet, dann kam die Ausgangssperre: Die Maibaumdiebe Inning konnten heuer noch keinen Baum nach Hause bringen.

Maibaumdiebe

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

  • vonAndrea Gräpel
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Zum zweiten Mal hintereinander fallen das Maibaumaufstellen und alles, was dazu gehört, heuer aus. Wie Freunde des Brauchtums damit umgehen – der Starnberger Merkur hat mit den Maibaumdieben aus Inning gesprochen.

Inning – Mit einem Diebstahl auf den letzten Drücker machten die Inninger Maibaumdiebe im Jahr 2017 auf sich aufmerksam. Damals, am 30. April, klauten sie das gute Stück in Grafrath. Seitdem ist es ihnen jedes Jahr gelungen, mindestens einen Fang zu machen, wenn nicht zwei oder sogar drei. Wegen der nächtlichen Ausgangssperre ist diese Erfolgsserie nun gerissen. Seit Wochen hatten sie auf der Lauer gelegen, bis zuletzt hatten sie gehofft, am Ende aber selbst Bedenken, ob es der richtige Zeitpunkt dafür ist.

Die Begeisterung bei den Maibaumdieben ist gleichwohl ungebrochen, der Ehrgeiz ebenso. Sie selbst nennen sich mittlerweile nur noch Späher. Ihre Klarnamen würden die ehrgeizigen Diebe vom Ammersee verraten, wenn sie den nächsten Maibaum ausspähen. Den Baum des Heimat-und Trachtenvereins in Dießen zum Beispiel hätten sie sich gern geschnappt. Kaum, dass sie mit der Vorbereitung begonnen hatten, wurde im Nachbarlandkreis Landsberg jedoch eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Keine Chance also, eine 30 Meter lange Fichte unbemerkt über die Gemeindegrenze zu bringen.

Die Maibaumdiebe Inning sind eine Gruppe innerhalb der Landjugend Inning. Anfangs waren es rund 40, mittlerweile sind es etwa 80 Burschen, und es werden jedes Jahr mehr. Die Kerntruppe ist zwischen 18 und 35 Jahren alt, dazu kommen Ältere zwischen 35 und 60 Jahren, die bei der anfänglichen Euphorie aktiv mit unterwegs waren. „Die sind froh, dass sie jetzt auch mal im Bett liegen bleiben können“, sagt ein Späher und lacht.

„Es geht um die Gaudi“, hatten die Burschen gesagt, als 2018 der zweite Maibaum – von der TU in Garching – nach Inning entführt worden war. Und diese Begeisterung steckt an. „Heuer hatten wir schon zwei Nachfragen. Der eine ist aus der Landjugend und gerade 18 geworden. Der andere ist gar nicht aus Inning, der muss erst Mitglied bei der Landjugend werden.“ Die Mitgliedschaft ist Voraussetzung, um dabei sein zu dürfen.

Insgesamt haben die Inninger seit 2017 neun Maibäume erbeutet und erfolgreich ausgelöst. Schon die beiden letzten aus dem vergangenen Jahr waren unter Corona-Bedingungen über die jeweiligen Gemeindegrenzen geschafft worden. Der Frohnloher Baum ist als Juni-Baum in die Geschichte eingegangen, weil die dortige Dorfgemeinschaft das Aufstellen verschoben hatte. Denn ist erst mal ein Baum erspäht, dann Obacht. Die Inninger Maibaumdiebe legen die Hände nach dem 1. Mai nicht in den Schoß. Ein Baum pro Jahr mindestens, das bleibt das Ziel. Um die Auslöse allein geht es ihnen dabei nicht. „Das kann man nachholen“, sagt einer der Späher. Aber den eigenen Baum der Maibaumdiebe sollen nicht wie andernorts Innungszeichen zieren, sondern Jahrestafeln mit den Logos der Vereine, denen die Maibäume geklaut wurden. „Es wäre blöd, wenn eine Tafel leer bliebe.“

Ihren eigenen Maibaum hatten die Maibaumdiebe unabhängig vom Inninger Maibaum schon im vergangenen Jahr auf einem privaten Grundstück aufstellen wollen. Aber auch diese Feier musste verschoben werden. Und da die Landjugend im nächsten Jahr sozusagen den offiziellen Inninger Maibaum neu aufstellen soll, ist noch nicht gewiss, wann der Baum der Maibaumdiebe steht. Umgelegt worden ist er schon lange. „Es wäre schade, wenn jetzt gar nichts mehr klappt“, sagt ein Sprecher.

Der Hänger steht auf jeden Fall parat. Die Vorrichtung haben sich die Inninger selbst zusammengebaut und geschweißt. „Damit sind auch ganz große Bäume mit wenigen Leuten zu holen“, freut sich ein anderer und grinst: „Wir klauen eigentlich schon immer corona-konform.“ Auch noch an den letzten Tagen dieser Woche standen mindestens 25 Diebe auf Abruf bereit. Lange haben sie diskutiert, ob ein Maibaumdiebstahl in Corona-Zeiten passt. „Wachen können aber zu zweit gehalten werden“, sagt der Inninger Sprecher. Brauchtum sei unter Einhaltung sämtlicher Auflagen möglich. Die Inninger halten sich streng daran, sind mit Schnelltests eingedeckt, halten Abstand, sind maximal zu zweit im Auto unterwegs und tragen Masken. Am Ende wogen die Skrupel unter den aktuellen Voraussetzungen aber doch schwerer.

Kein Verständnis haben die Maibaumdiebe für Vereine, die – Corona hin oder her – zur Bewachung Kameras und Bewegungsmelder einsetzen. „Das hat nichts mehr mit Brauchtum zu tun“, ärgern sich die Inninger. Ausgemacht hatten sie einen solchen „Hochsicherheitstrakt“ in Neuried. Innings Burschen geben die Hoffnung für heuer nicht auf. Auch wenn es zum 1. Mai nicht klappt, dann vielleicht bei den Nachholfeiern. „Aufhören gibt’s nicht.“

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