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Vorfreude: Bürgermeister Walter Bleimaier freut sich auf den Einzug in den neuen Sitzungssaal. Die Technik ist bereits eingebaut, fehlen nur noch die Möbel.

Ausblick 2018

Einzug ins digitale Zeitalter

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Innings Bürgermeister Walter Bleimaier kommt gerade aus seiner ersten „Führungskräftebesprechung“, als er mit dem Starnberger Merkur über seinen Ausblick für 2018 sprechen will. „Die Aufgaben werden neu definiert“, sagt er.

Inning – Mit der fast abgeschlossenen Sanierung des alten Inninger Rathauses soll ein neues Zeitalter anbrechen in der kleinen Ammerseegemeinde. Dazu gehört auch, dass die 18 Gemeinderäte nach Jahrzehnte langem Ausweichen ins Haus der Vereine, endlich ihren mit allen technischen Raffinessen ausgestatteten neuen Sitzungssaal im Rathaus vermutlich im Februar beziehen können.

„Das Organigramm hatte ich schon länger zusammengeschrieben“, sagt Bleimaier, der als ehemaliger Banker im Bereich Organisation gearbeitet hat. Zudem hat sich Inning eine Unternehmensberaterin geleistet, die die Organisation im Rathaus untersuchte und neue Stellenbeschreibung formuliert hat. „Wir hatten zwar welche, aber die wurden nie aktualisiert.“

Bleimaier hat viel vor im Bereich Digitalisierung, auf dem Weg zum „papierarmen Rathaus“. Dazu zählt auch das bereits eingeführte Ratsinformationssystem, mit dem sich die Räte alle Anlagen runterladen können. „Das läuft noch nicht ganz reibungslos“, gesteht Bleimaier. Die Anlagen für die jüngste Bauausschuss-Sitzung zum Beispiel sind mehr als 400 Seiten stark. „Das geht natürlich nicht. Aber wir arbeiten daran.“ Und das sei auch nur der Anfang. Noch in diesem Jahr soll ein neues Geo-Informationssystem eingerichtet werden, das viele Zusatzfunktionen beinhaltet. 

Für den Bauhof wird eine Straßenüberprüfungs-App eingerichtet, genauso wie für ein Baumkataster der Bäume auf gemeindeeigenem Grund, das erst vor wenigen Wochen im Gemeinderat verabschiedet wurde. Digital verwaltet wird künftig auch der Friedhof. „Und eine ganze Menge Funktionen mehr.“ Im Frühsommer wird als weiterer Schritt eine elektronische Rechnungsverarbeitung eingeführt. „Künftig kommen die rein und werden gescannt, bislang wandern die durchs ganze Rathaus. Auch ein neues Dokumentenmanagement wird es geben, Schreiben werden generiert und elektronisch abgelegt.“

Seit Bleimaier Bürgermeister ist, wurde das Rathausteam – vor allem die überlastete Bauverwaltung – aufgestockt. Der Zeit angepasst gibt es im Rathaus auch mittlerweile einen Umweltingenieur. „Im Januar bekommen wir noch einmal Verstärkung“, verrät Bleimaier. Inklusive seiner Person seien es dann 17 Mitarbeiter im Rathaus. Und weil schon mehrfach Nachfragen kamen, wann denn ein Tag der offenen Tür im neuen Gebäude stattfinde, verspricht Bleimaier diesen für den Frühsommer. Im März werde erst einmal mit der Herstellung der Außenanlagen begonnen.

Verkehr

Wie berichtet, wird die Staatsstraße, die durch Inning führt, ab 2019 erneuert. Vorher wird das Staatliche Bauamt als Baulastträger wohl keinen Cent ausgeben für die Maßnahmen, die der Gemeinderat in seinem Verkehrskonzept längst umsetzen wollte. Etwa eine optische Straßenverengung. Das ganze Konzept muss warten. Immerhin, „die Planung für die grundhafte Erneuerung läuft seit Mitte des Jahres“, sagt Bleimaier. „Was uns da bevorsteht, wissen wir noch nicht, aber es wird wie in Andechs jeder Hausanschluss unterirdisch erneuert.“ Auch ein Regenwasserkanal werde neu verlegt, darüber hinaus werde die Gemeinde Leerrohre für eine so genannte Speedpipe (Glasfaser) verlegen, „damit wir die Straße nicht später nochmal aufreißen müssen, wenn es denn soweit ist“. Mit den Ausbaumaßnahmen für die übrigen Straßen gestaltet es sich insofern schwierig, als auch dafür der Ausbau der Staatsstraße erst abgewartet muss. Moosstraße, Salzstraße und Bacherner Weg wären vorgesehen gewesen.

Bedauerlich findet Bleimaier, dass die Anträge auf eine Tempobegrenzung zwischen Inning und Stegen sowie auf der Bacherner Straße auf jeweils 50 Stundenkilometer abgelehnt worden seien. „Da kann man sowieso nicht schneller fahren, vor allem zwischen Stegen und Inning“, sagt der Bürgermeister mit gewissem Unverständnis. Abgelehnt worden ist auch das Nachtfahrverbot für Lkw durch Inning. Die Hoffnung, das Landratsamt Starnberg würde ähnlich entscheiden wie die Kollegen im Landkreis München für Gräfelfing (wir berichteten), wo auf einer vergleichbaren Staatsstraße genau dies möglich ist, hat sich damit zerschlagen. „Man kriegt immer zu hören, es gilt die Straßenverkehrsverordnung in Deutschland, also gilt dies auch für Inning“, bedauert Bleimaier.

Parken

In Angriff genommen wird 2018 der Bau eines Ausweichparkplatzes für den Tennisplatz in Stegen. „Neben diesem neuen Parkplatz und dem großen Parkplatz am See, müssen auch noch die Straße in Stegen und die Zufahrt von der Staatsstraße erneuert werden. „Das wird schwierig wegen der Niederschlagsentwässerung. Notwendig ist beides, Straße und Parkplatzerweiterung, „140 Autos habe ich zu Spitzenzeiten an der Straße geparkt gesehen. Eigentlich gehörten da Leitplanken hin, aber wohin dann mit den Autos – der Parkplatz ist bei schönem Wetter, vor allem an Wochenenden, immer voll.“

Die Parkautomaten auf dem bestehenden Parkplatz am See seien jedoch schon jetzt, ein „schönes Geschäft“, freut sich der ehemalige Banker. Obwohl die halbe Stunde gerade einmal 30 Cent koste und ein Tagesticket 4 Euro, habe die Gebühr der Gemeinde im August 2016 die erste Million in die Kasse gespült. „Aber da ist jetzt auch das Finanzamt drauf gekommen“, sagt Bleimaier und grinst. Umsatzsteuer, Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer, „die kriegen wir ja wieder“, und Kapitalertragssteuer würden fällig – zurückgerechnet von 2011 an. „Die Gebühren werden wir wohl maßvoll erhöhen müssen“, sagt er.

Der gemeindeeigene Bau für Dienstwohnung an der Schlossstraße in Buch „geht im nächsten Jahr los“, so Bleimaier. Neun Wohnung entstehen. Er freut sich, dass er diese günstigen Mietwohnungen dem eigenen Personal und gegebenenfalls Mitarbeitern im Pflegedienst der Nachbarschaftshilfe zur Verfügung stellen kann. Auch der Verband Wohnen im Landkreis beginnt mit dem Sozialbau auf dem Gelände des ehemaligen Bauhofes an der Gartenstraße.

Das wichtigste und für den Bürgermeister größte Projekt ist aber der Bau „eines Hauses der Nachbarschaftshilfe Nummer 2“. Das erste am Enzenhofer Weg wurde damals vor zehn Jahren doppelt so groß gebaut als der Bedarf es erscheinen ließ. „Heute platzt es aus allen Nähten“, sagt Bleimaier. Die Idee ist, die Tagespflege auszugliedern und damit quasi mehrere Fliegen mit einer Klatsche zu schlagen. Die Nachbarschaftshilfe hätte wieder mehr Platz – und in einem neuen Gebäude könnten mehr Tagespflegeplätze sowie ein Hort oder Mittagsbetreuung eingerichtet werden. „Wir sind bereits in Grundstücksverhandlungen“, verrät der Rathauschef und ist optimistisch, „ich habe das Versprechen, dass ich das Grundstück bekomme.“ Ein Gutachten zum Grundstückspreis sei bereits in Auftrag gegeben, es liegt gleich neben der Grundschule. Die dritte Fliege in diesem Fall könnten wiederum neue Wohnungen sein, in einem dritten Geschoss. „Da müssen wir schauen, dass wir das auch durchkriegen. Das ist unsere Aufgabe fürs Frühjahr.“

Sportgelände

Zu guter Letzt geht es auch mit dem Ausbau eines neuen Sportgeländes am Schorn voran. Seit Jahren gibt es Grundstücksverhandlungen. So schwierig es sich bislang gestaltete, so positiv habe sich die Sache nun entwickelt, sagt Bleimaier. „Ich bin guter Hoffnung, dass wir 2018 weitermachen können.“ Die Verträge mit den drei Grundstückseigentümern seien Anfang des Jahres unter Dach und Fach. Bleimaier: „Dann beginnen wir auch gleich mit den Planungen.“

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