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Bereit für den Start in die Saison

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Von: Andrea Gräpel

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Bei der „Utting“, die seit 2017 in Dienst ist, war in diesem Jahr der TÜV fällig. Außer kleiner Malerarbeiten ist sie startklar für die anstehende Saison.
Bei der „Utting“, die seit 2017 in Dienst ist, war in diesem Jahr der TÜV fällig. Außer kleiner Malerarbeiten ist sie startklar für die anstehende Saison. © Dagmar Rutt

Die frühlingshafte Stille am Ammersee wird in Stegen nur durch lautes Flexgeräusch gestört. Es kommt von der „Herrsching“. Denn vor Beginn der Schifffahrtssaison an Ostern erhalten die vier Dampfer der Ammersee-Flotte den letzten Schliff. Noch liegen sie fest angetäut im Hafen in Stegen.

Stegen – Die Mitarbeiter der Schifffahrt Ammersee müssen alles können. Im Winter sind sie Handwerker, im Sommer Kassierer, Matrose und Schiffsführer in einer Person. „Den Schiffsführerschein haben alle“, erzählt Anton Müller, stellvertretender Werftleiter. Im Sommer seien fast alle im Fahrdienst, ausgenommen er und Werftleiter Florian Schmidt. Aber auch sie könnten die Dampfer manövrieren, wenn’s wäre, haben den Schiffsführerschein. „Aber ich hab’ das Ding noch nie gebraucht. Ich hab’ den Schein nur gemacht, wenn alle Stricke reißen“, sagt Müller. Er selbst ist ausgebildeter Schreiner. Seine Kollegen sind Maler, Segelmacher, Elektriker oder Mechaniker. Die handwerklichen Fähigkeiten sind gefragt, sobald die Saison endet.

Die Flotte der Schifffahrt Ammersee zeichnet sich durch eine Menge Nostalgie aus. Angefangen mit dem Schaufelraddampfer „Diessen“, der zwar generalsaniert, aber im Altbestand 114 Jahre alt ist. Der „Diessen“ nachempfunden ist die etwas größere „Herrsching“. Zur Flotte gehören darüber hinaus die „Augsburg“ und die neue „Utting“. Normalerweise parkt die „Augsburg“ im Sommer im Trockendock. Aktuell ist dort die „Utting“ festgemacht. Der 2017 in Dienst gestellte Dampfer war TÜV-fällig. Die Prüfung hat sie bestanden, kleinere Malerarbeiten seien aber noch zu machen, erzählt Müller.

Alle Schiffe müssten im Fünf-Jahres-Rhythmus vom TÜV abgenommen werden, erklärt Müller. Alle zwei Jahre stehen darüber hinaus Betriebsuntersuchungen für jedes Schiff an. Und jedes Jahr müssen alle vier Dampfer entwässert werden, müssen Hydraulik und Klimaanlagen gewartet werden.

Genauso wie sich alle am Anfang der Saison auf den Fahrdienst freuten, weiß Müller, freuten sie sich genau so auf das Ende und auf die handwerklichen Arbeiten im Winter. „Das geht wohl jedem so, der mit Tourismus zu tun hat.“ Aber es ist eine Menge zu tun im Winter, denn die Flotte auf dem Ammersee ist zwar modern, aber mit viel Holz ausgestattet, das der Witterung ausgesetzt ist. „Weil es so aufwendig ist, haben wir die Holzhandläufe auf der Augsburg schon durch Metallhandläufe ersetzt.“ Auf den Nostalgiedampfern „Diessen“ und „Herrsching“ undenkbar. „Da gehört Holz einfach dazu“, sagt auch Müller. Am Ende jeder Saison müssen alle Schiffe deshalb „abgerüstet“ werden. Das heißt, alle Holzbänke abschrauben, alle Handläufe. „Pro Schiff braucht man fast eine Woche. Allein die Handläufe abzuschrauben, dauert zwei Tage.“ Die „Flaggengala“ muss abgenommen werden, die Lichterketten, und auch alle Lautsprecher liegen aktuell noch abmontiert auf den Tischen in den Gasträumen der Schiffe. „Es ist viel Kleinkram.“ Abgesehen davon, dass der Winter dafür genutzt wird, die Anlegestege herzurichten. Da wird ein Maler auch mal zum Stegbauer.

Am meisten Arbeit mache das Holz, alles muss abgeschliffen und lackiert werden. In der großen Werkstatt ist dafür Platz genug. Erst wenn der Frost vor der nächsten Saison vorbei ist, wird wieder „aufgerüstet“, wie Müller sagt. So lange ist das Holzmobiliar eingelagert. Da die Nächte aktuell noch Minusgrade haben, wird es heuer knapp. Eigentlich müssten die Mitarbeiter der Werft die Schiffe auch selbst reinigen, hier und da auch Messing polieren. Müller hofft, dass das diesmal eine Firma übernehmen wird, damit es terminlich nicht zu eng wird. Auch durch Corona, denn auch die Mitarbeiter der Schifffahrt Ammersee blieben von Ausfällen nicht verschont.

Inzwischen gibt es jede Menge anderer Dinge vorzubereiten. Aktuell werden die Vordächer auf den Schiffen aufgezogen und gespannt. Präzisionsarbeit. Müller ist froh, dass er mit Bertl Leitner aus Herrsching auch einen Segelmacher in seinem Team hat, das mit Ausnahme der Verwaltung nur aus Männer besteht, alle aus der Region. Müller wohnt in Moorenweis, seine Kollegen rund um den See und nah in den Nachbarlandkreisen. „Es waren auch schon mal Frauen da, die ins Team wollten“, sagt Müller. Geblieben sei keine, weil’s im Sommer ein Knochenjob sei. „Man darf nicht vergessen, die Schubstege wiegen zwischen 100 und 120 Kilo“, erklärt er. „Für Frauen ist das im Normalfall zu schwer.“ Die Stege müssen jedes Mal beim An- und Ablegen rauf- und auch wieder runtergeschoben werden. Und im Team muss jeder alles können, muss Schiffsführer sein, Kassierer, Matrose und im Winter eben Handwerker. Damit die Sicherheit nach einem halben Jahr Pause schnell zurückkehrt, gibt es sogenannte Sicherheitstage, sagt Müller. Dazu gehöre Theorie genauso wie Praxis. „Jeder fährt vor Saisonbeginn einmal raus. Da bin ich dann auch dabei, aber eher springe ich in der Saison mal als Matrose ein oder so.“ Früher war die alte „Utting“ das Schulschiff, nun ist es die „Augsburg“. Alle zwei Jahre ist auch ein Erste-Hilfe-Kurs für alle Pflicht.

Müller hofft, dass die anstehende Saison halbwegs normal läuft. Die vergangenen zwei Jahre gab es nicht nur Startverschiebungen und Mehraufwand durch CoronaSchutzmaßnahmen, sondern im Winter auch Kurzarbeit. „Das war schwierig“, gesteht Müller. Denn die Arbeit war nicht weniger. „Da konnte nicht alles gemacht werden.“ Dieses Jahr freut sich das 20-köpfige Team, in der Saison wie immer verstärkt durch ein paar Sommerkräfte, wieder „voll angreifen“ zu können.

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