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Geschafft und überglücklich: Silke Krause mit ihrem Sohn Alexander (r.) und Tandemmaster Stefan Hinterberger, der die Kämmerin der Gemeinde Inning sicher aus 3000 Metern Höhe zur Erde brachte.

Mamas Jungfernsprung

Angst? „Dafür war gar keine Zeit“

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  • Luca von Prittwitz
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Silke Krauses Wunsch an ihren Sohn Alexander zum Geburtstag? „Das wir mal wieder was Schönes zusammen unternehmen.“ So einen harmlosen kleinen Ausflug... Das hat der 23-Jährige am Samstag in die Tat umgesetzt

Inning/Oberpfaffenhofen – Ein paar gemütliche Runden im Kettenkarussel drehen – ist ja nicht viel dabei. Silke Krause aber graut es allein schon bei der Vorstellung. Schuld daran ist ihre Höhenangst. Nun, da war das Geburtstagsgeschenk ihres Sohnes Alexander ja genau das richtige: ein Tandem-Fallschirmsprung. Und so hüpfte Silke Krause am Samstag in 3000 Meter Höhe aus einem Flugzeug, überschlug sich ein paar Mal, wobei ihr beinahe ihre Brille abhanden gekommen wäre, und landete schließlich putzmunter auf einer Wiese neben dem Friedhof mitten in Inning.

Alexander Krause (23) studiert Luft- und Raumfahrt in München, ist passionierter Segelflieger, springt seit sechs Jahren Fallschirm und ist aktiv in der Flugsportgruppe des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. „Ich habe schon einige hundert Sprünge gemacht“, erzählt er.

Silke Krause (52) ist Kämmerin der Gemeinde Inning und durch ihren Sohn auch irgendwie in der Flugsportgruppe – sie versorgt regelmäßig die „Bodencrew“. Bis Samstag war sie die Einzige aus dem Verein, die noch keinen Fallschirmsprung gewagt hatte.

„Ich habe mir das Recht vorbehalten, bis zum letzten Moment sagen zu dürfen, ich springe nicht“, erzählt sie. Aber vor ihrem Sohn habe sie sich dann doch nicht blamieren wollen. „Zumal er mir Videos von 90-jährigen Omas und elfjährigen Kindern gezeigt hat, die das auch schon geschafft haben.“ Und sie kannte natürlich die ganze Crew.

Starke Thermik, schneller Aufstieg

So kommt es, dass Silke Krause zusammen mit ihrem Sohn und dem Tandemmaster Stefan Hinterberger in Oberpfaffenhofen zu Pilot Markus Engelhardt in die Dornier Do 27 steigt. Durch die starke Thermik erreicht das einmotorige Flugzeug schneller als erwartet die geplante Absprunghöhe von 3000 Metern. Dann muss es schnell gehen, denn in der Ferne kündigt eine dunkle Wolke bereits schlechtes Wetter an. Krause und Hinterberger öffnen eine der Türen. Während allen die kalte Luft ins Gesicht bläst, testen sie Wetter und Wind. „Das ist trotz des Fahrtwinds möglich und Routine“, erklärt Krause. Und dann – stürzen sich die drei durch ein „schönes Loch“ in der Wolkendecke. Krause vorneweg, Hinterberger und seine Mutter hinterher.

Die kurze Unsicherheit, weil der Flieger so wackelte, ist komplett verflogen. „Es ging alles so schnell“, erzählt Silke Krause nach der Landung. „Ich habe zuerst gar nicht nach unten geschaut. Dann habe ich das Flugzeug von unten gesehen und mit einer Hand meine Brille gehalten, damit sie nicht wegfliegt, denn es gab einen Moment, in den es uns etwas durcheinander gewirbelt hat.“

Keine Zeit für Höhenangst

Und ihre Höhenangst? „Für Angst war keine Zeit“, sagt Silke Krause. Natürlich habe der Sprung Überwindung erfordert, aber es sei etwas ganz anderes gewesen, als etwa auf einer Leiter zu stehen. Bei Tandemmaster Hinterberger und in der Nähe ihres Sohnes habe sie sich absolut sicher gefühlt. Und dazu die Ausrüstung, der feste Gurt, in dem sie mit ihrem orangefarbenen Ganzkörperanzug festgeschnallt war. „Im Kettenkarussel sitzt man viel lockerer.“

35 bis 40 Sekunden befindet sich die kleine Gruppe im freien Fall, der Tandem erreicht dabei eine Geschwindigkeit von 210km/h. Dann gehen die Fallschirme auf – und nach etwa fünf Minuten landet das Team planmäßig auf der Wiese in Inning, wo bereits die leicht beunruhigte Oma Ilka Heilig, die Flugsportler-Crew und Freunde mit Sekt warten.

„Es war so herrlich, so viele Wolkenfelder, aber man konnte den Boden noch sehen“, schwärmt Silke Krause mit einem entspannten Lächeln im Gesicht. „Es war wunderschön. Ich würde es noch mal machen.“ Und Sohn Alexander ist glücklich, dass sie mal wieder etwas Schönes zusammen unternommen haben...

Wer Interesse 

an einem Fallschirmsprung hat, kann sich bei der Flugsportgruppe des DLR unter www.fsg-im-dlr.de erkundigen. Die Kosten wollen wir in Rücksicht auf das Geburtsttagskind nicht veröffentlichen.

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