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Amtsgericht

Der Anwalt poltert, in Knast geht's trotzdem

Inning - Der ehemalige Amtsrichter Hans-Joachim Schleifenbaum wollte es nicht glauben. Sein Mandant, ein 25-jähriger Inninger, landet ohne Umwege wegen Dealerei im Knast - wegen belastender Aussagen „aus Rauschgift-Kreisen“. 

Der wieder als Anwalt arbeitende ehemalige Starnberger Amtsrichter Hans-Joachim Schleifenbaum war außer sich, als Richterkollegin Christine Conrad seinen Mandanten für 18 Monate ins Gefängnis schickte: Conrad hatte dem 25-jährigen Angeklagten aus Inning gewerbsmäßiges unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln bescheinigt und ihm eine denkbare Strafaussetzung zur Bewährung versagt, „weil ich nicht den geringsten Anhaltspunkt für Einsicht und Reue erkennen kann“.

Der bislang nicht vorbestrafte gebürtige Gräfelfinger hatte in der gesamten Verhandlung geschwiegen und nicht mal Angaben zu seinen Einkommensverhältnissen gemacht – dies sei sein gutes Recht und dürfe sich auch nicht aufs Strafmaß auswirken, sagte Conrad in ihrer ausführlichen Urteilsbegründung. Andererseits war es bei Gericht und Staatsanwalt-schaft offenbar gar nicht gut angekommen, dass der Beschuldigte so gar keinen Beitrag zur Aufklärung des Sachverhalts geliefert hatte. Verteidiger Schleifenbaum bekam nach seinem leidenschaftlichen Plädoyer auf Freispruch von der Richterin wörtlich zu hören: „Pathos und Lautstärke machen eine Argumentation nicht glaubwürdiger.“

Der angeklagte Inninger war von zwei seiner als Zeugen geladenen angeblichen „Kunden“ belastet worden: Deren Angaben zufolge soll der 25-Jährige zwischen Mitte 2012 und Mai 2014 in mindestens acht Fällen Marihuana zum Grammpreis von 13 Euro an sie verkauft haben. Die „Kunden“, beide junge Männer im Alter von 22 Jahren aus dem östlichen Landkreis Starnberg, berichteten von Beschaffungsfahrten zum Inninger Wohnsitz des Beschuldigten: Man habe hierfür jeweils Geld eingesammelt, das Marihuana abgeholt und hinterher untereinander je nach „Investition“ verteilt beziehungsweise „sofort gemeinsam konsumiert“, wie einer der Burschen erzählte.

Die bei den Besorgungsfahrten beschafften Mengen hätten zumeist zwischen fünf und 20 Gramm gelegen, in Einzelfällen „bis zu 40 Gramm“, so die Zeugen, die als Fahrer oder Beifahrer mit von der Partie gewesen waren. Aufgeflogen war alles, als einer von den „Kunden“ in München in eine Verkehrskontrolle geriet und seinen Führerschein abgeben musste: Die weiteren Ermittlungen führten unter anderen zu dem Inninger und brockten sämtlichen Beteiligten des Kiffer-Kreises etliche Strafverfahren ein, teils abgeurteilt, teils noch anhängig.

Anwalt Schleifenbaum erregte sich während der Verhandlung darüber, dass die Staatsanwaltschaft überhaupt nicht habe präzisieren kön-nen, welche Mengen sein Mandant angeblich an wen und wann veräußert haben soll: „Äußerst lückenhaft“, nannte er die Ermittlungsgrundlagen für die Anklageerhebung, denn die angebliche „Kundschaft“ des Inningers habe sich ihr Marihuana erklärtermaßen noch von anderen „Versorgern“ beschafft. Warum belastende Aussagen „aus Rauschgift-Kreisen“ ausgerechnet bei seinem Mandanten so genau seien, sei nicht nachvollziehbar und somit wenig glaubwürdig, polterte Schleifenbaum. Das Gericht sah den Tatnachweis dennoch als „zweifelsfrei nachgewiesen“ (Conrad) an und folgte dem Strafantrag der Anklage – keine Bewährung.

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