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Großer Bahnhof für ein außergewöhnliches Ehepaar: Zur Feierstunde für Christine und Florian Bronner im Landratsamt kamen unter anderem Ex-Ministerin Christa Stewens (l.), Landrat Karl Roth sowie die Kinder Severin (vorne r.), Max (dahinter) und Lena (2.v.r. auf der Empore). 

Bundesverdienstkreuz

Zwei Engel für schwerstkranke Kinder

Hohe Auszeichnung für zwei engagierte Inninger: Das Ehepaar Bronner bekam am Dienstagabend das Bundesverdienstkreuz für ihre Stiftung „Ambulantes Kinderhospiz München“.

Inning – Wie geht man damit um, wenn das eigene Kind nicht mehr lebensfähig ist? Wenn es – gerade auf der Welt – für immer die Augen schließt? Oder wenn die Diagnose „unheilbar“ einem den Boden unter den Füßen wegzieht? Wer hilft bei einem derartigen Schicksalsschlag?

Christine und Florian Bronner (beide 54) haben diese Situation gleich zweimal durchlebt. 1994 verloren sie Sohn Simon durch eine unglücklich gewickelte Nabelschnur, zwei Jahre später Tochter Stephanie durch eine Frühgeburt. „Wir haben erlebt, wie es ist, keine professionelle Hilfe zu haben“, erinnert sich Christine Bronner. „Zum Glück haben wir ein stabiles soziales Umfeld.“ Das gab den Bronners Halt – und daraus wuchs der Wunsch, anderen Menschen in ähnlichen Situationen zu helfen.

Landrat Roth: „Sie sind für betroffene Familien ein Engel“

2004 gründete das Ehepaar das Ambulante Kinderhospiz München (AKM). Es betreut Kinder mit stark lebensverkürzenden und lebensbedrohlichen Krankheiten – und deren Eltern – rund um die Uhr (siehe Kasten).

„Sie sind für betroffene Familien ein Engel“, sagte Landrat Karl Roth am Dienstagabend, als er die Bronners im Landratsamt mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland auszeichnete. „Sie versuchen Tag für Tag, mit Ihrer Arbeit ein Stück Hoffnung und Lebensfreude zurückzugeben“, sagte er vor rund 40 Angehörigen und engen Freunden der Familie.

Bronner: Kinder sollen ihr Leben leben und nicht leiden

Darunter war auch Christa Stewens. Sie war bei der Gründung des AKM 2004 Bayerische Sozialministerin und „hat den kleinen unsortierten Haufen von Anfängern geordnet“, wie sich Christine Bronner in ihrer Dankesrede erinnerte. „Diesen Orden dürft ihr euch alle anstecken“, sagte die 54-Jährige in Richtung ihrer Gäste. „Und ohne meinen Mann hätte ich nicht den Mut gehabt, die Stiftung zu gründen.“ Florian Bronner hielt sich bescheiden im Hintergrund und überließ seiner Frau das Feld.

Vielleicht, weil sie es „mit ihrem Charme überall schafft“, wie Roth es formulierte. Denn diesen Charme und das herzliche Lächeln hat sie trotz des Verlusts zweier Kinder nicht verloren, ebenso wenig ihren Elan. Dabei steht der Leitsatz des AKM immer im Mittelpunkt: „Nicht das Leben mit Tagen, sondern die Tage mit Leben füllen.“

„Wir wollen den Kindern Highlights bieten, damit sie ihr Leben leben und nicht leiden“, betonte Christine Bronner. Und so durften einige Kinder auch schon in Feuerwehrautos fahren oder in Polizeihubschraubern mitfliegen.

In Planung ist in stationäres Hospiz im Klinikum Rechts der Isar

Bronner selbst kommt aus Bozen, ist studierte Musikpädagogin und -therapeutin, Sozialpädagogin, hat berufsbegleitend soziale Arbeit studiert und eine Ausbildung zur Psychotraumatologin absolviert. Wie viele ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter ist sie geschult für Palliative Care und Krisenintervention. Sie ist das Herz und die Seele der Stiftung. „Sie fährt sogar durch Schnee mitten in der Nacht zu einer Familie, wenn sie gebraucht wird“, erzählte Barbara Schachtschneider, eine enge Freundin und Mitarbeiterin im Hospiz. Florian Bronner stammt aus Inning. Er ist Diplom-Ingenieur, leitet ein mittelständisches Bauunternehmen in München und ist ehrenamtlicher Finanz- und Vorstandschef der Stiftung.

Heute hat das Ehepaar drei gesunde Kinder im jungen Erwachsenenalter: Lena (27), Max (25) und Severin (19). Für Christine Bronner sind es „meine Familie, mein Hund, mein Reh und meine Schildkröten“, die ihr helfen, den täglichen Umgang mit den lebensbedrohlich kranken Kindern zu meistern. Und die Arbeit ist noch nicht getan: In Planung sind ein stationäres Hospiz im Klinikum Rechts der Isar sowie eine Fachstelle.

Von Lena Grögor

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