Die Herrschinger Anlage war Mitte Novemebr die erste im Landkreis, die bezogen werden konnte - mit Platz für 144 Menschen. In Inning ist Platz für 90 Menschen.
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Die Herrschinger Anlage war Mitte November die erste im Landkreis, die bezogen werden konnte - mit Platz für 144 Menschen. In Inning ist Platz für 90 Menschen.

Containerunterkunft am Schorn

Emotionales Zugeständnis

  • vonAndrea Gräpel
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Auch die Inninger reagieren emotional, wenn es um Flüchtlingsunterbringung geht. Wie schon in Herrsching, stieß Landrat Stefan Frey am Dienstagabend auch in Inning auf großes Unverständnis, als es dort um die Pachtverlängerung für den Container-Standort am Schorn ging. Im Unterschied zur großen Nachbargemeinde stimmte die Mehrheit des Inninger Gemeinderates am Ende aber einer Pachtverlängerung bis 2026 zu.

Inning - Die Inninger mussten ihre Mehrzweckhalle 2015 zweimal als Notunterkunft zur Verfügung stellen und haben dabei durch beispielhafte Hilfsbereitschaft überzeugt. Der Helferkreis war auch voller Tatendrang, als die Containerunterkunft am Schorn errichtet wurde – auf einem Grundstück der Gemeinde, das der Landkreis angepachtet hat. Zunächst für eine Dauer von fünf Jahren, mit der Option für ein Jahr Verlängerung. Dieses Jahr endet im Dezember.

Weil auch diese Container wie in Herrsching durch die Verpachtung an die Regierung refinanziert werden, war es dem Landrat ein Anliegen, die Pacht bis 2026 zu verlängern. In Inning können bis zu 90 Geflüchtete untergebracht werden. Von der Regierung erhält der Landkreis dafür im Jahr etwas mehr als 200 000 Euro Miete. Geld, das der Kreis anders aufbringen müsste, wenn die Anlage am Schorn aufgelöst würde – unter Umständen über die Kreisumlage.

Auch in Inning nannte Frey seine Mission „eine Herzensangelegenheit“ und kehrte den humanitären Aspekt hervor, nämlich die Menschen würdig unterbringen zu wollen. Aktuell sei die Unterkunft in Inning mit 78 Menschen belegt, davon 22 anerkannte Flüchtlinge, für die sich allerdings noch keine bezahlbare Bleibe finden ließ – sogenannte Fehlbeleger. „Wir stellen diese Menschen nicht als Obdachlose vor die Tür der Gemeinde“, hob der Landrat hervor und meinte damit, dass Fehlbeleger großzügig geduldet würden, um die Gemeinden vor einer Flut Obdachloser zu bewahren. „Aber wo kommen die Menschen hin, die nicht hierbleiben können?“, fragte Frey, „sie werden in Bayern verteilt in weit schlechtere Unterkünfte.“ Und es treffe viele, die in Inning bereits verwurzelt seien.

Die Bedeutung von Menschlichkeit wollte sich der Gemeinderat nicht erklären lassen, denn die Inninger kennten sie nur zu gut. Aufopfernd hatte sich der Helferkreis bis zuletzt gekümmert, bis er nicht mehr konnte und sich Ende vergangenen Jahres auflöste. Darauf machte Anja Wagatha (CSU) den Landrat aufmerksam – und damit auf das eigentliche Problem, das den Inningern unter den Nägeln brennt. „Die Helfer wurden allein gelassen“, warf Johann Ritzer (FBB) dem Landkreis vor. „Jetzt ist niemand mehr da, und wir haben die Befürchtung, dass das aus dem Ruder läuft“, sagte auch Barbara Wanzke (Grüne).

Zweite Bürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka (FW) trug das Herz auf der Zunge, als sie schimpfte, dass das Landratsamt „schlichtweg verschlafen“ habe, Ersatzunterkünfte zu errichten. Dabei hatten die Inninger gedacht, sie hätten es gut geschafft. Niemand hätte damit gerechnet, dass es wieder und wieder verlängert werde, sagte Anja Wagatha, „Und jetzt wird uns ein schlechtes Gewissen gemacht“ – das fand Monika Schüßler-Kafka nicht fair.

Einigen konnten sich alle darauf, dass die Flüchtlingsunterbringung eine längerfristige Aufgabe sein wird, auch die Betreuung betreffend. Der Landkreis ist gefordert, versicherte Frey. Er persönlich nehme diese Aufgabe sehr ernst. Aber auch die Gemeinden seien gefragt. „Wir können unsere Hände nicht einfach in den Schoß legen“, sagte Bürgermeister Walter Bleimaier gestern im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Wir müssen alle etwas tun“, auch wenn es eigentlich eine Staatsaufgabe sei, die die Kommunen nun stemmen müssten.

In der Hoffnung, bis 2026 eine menschenwürdige Alternative für die Bewohner der Unterbringung am Schorn zu finden und Platz für Menschen, die nach dem Königssteiner Schlüssel der Gemeinde neu zugewiesen werden, stimmte die Ratsmehrheit der Pachtverlängerung schließlich zu.

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