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Man sollte wie Jutta Göbber (Vorsitzende des Vereins Heimatgeschichte) wissen, wo es steht, sonst findet man das Marterl nicht so einfach.

Bacherner Bluttat

Kreszenz bleibt unvergessen

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Missbraucht, gewürgt und mit einem Stein erschlagen – die Bacherner Bluttat im Jahr 1927 bleibt unvergessen. Sie lässt die Menschen in dem Inninger Ortsteil und darüber hinaus bis heute spekulieren, was genau geschah. Nach mittlerweile 91 Jahren gibt es einige Theorien und noch immer offene Fragen, die nicht nur den Verein Heimatgeschichte Inning umtreiben.

Bachern Es ist die tragische Geschichte der Magd Kreszenz Greger, die 1927 auf dem Steffelhof in Lohn und Brot stand. Der Hof war einer von insgesamt fünf Höfen, die Bachern zu der Zeit ausmachten. Etwa 50 Menschen lebten in der kleinen Gemeinde am Wörthsee. Heute ist sie ein Ortsteil Innings mit 456 Einwohnern. Und den Steffelhof, der oberhalb des noch bestehenden Lautenbacher Hofs lag, den gibt es heute nicht mehr. Die Geschichte der Kreszenz Greger aber wird bis heute erzählt. Sie hat den Ort damals aufgewühlt.

Die Dienstmagd war 27 Jahre alt, als sie starb – brutal ermordet und im Wald verscharrt. Zumindest daran bestehen keine Zweifel. In einem Zeitungsbericht vom 15. Oktober 1927 heißt es: „Die Dienstmagd ... wurde am 9. Oktober nachmittags zwischen 1 und 3 Uhr im Wald von Bachern durch Erwürgen getötet. Als Täter kommt ihr Geliebter ... aus Inning in Betracht...“ Er habe die junge Frau veranlasst, sich mit ihm im Wald zu treffen. Dort soll er sie zunächst missbraucht und dann mit dem Schürzenband erdrosselt haben. Kopfverletzungen wiesen zudem darauf hin, dass sie Schläge auf den Kopf erhalten habe. Mit ihr wurde das ungeborene Kind getötet, mit dem sie im fünften Monat schwanger war.

Schon in der nächsten Zeitungsausgabe wird berichtet, dass das Kind bereits Tage vor der Ermordung abgetrieben worden und bald darauf „eine etwa 5 Monate alte menschliche Frucht“ im Inninger Bach angetrieben worden sei. Das kleine Fließgewässer entspringt dem Wörthsee und führt durch Inning hindurch weiter zur Amper. In anderen überlieferten Zeitzeugenberichten hätten die Dienstmagd und ihr Geliebter allerdings das Kind am Tag des Mordes abtreiben wollen. Weil die Magd anfing zu schreien, habe er sie umgebracht.

Der etwa 30-jährige Inninger hatte gemeinsam mit den Menschen aus Bachern nach der Magd gesucht, als sie vermisst wurde. Vier Tage lang. Als man sie fand, fiel der Verdacht schnell auf ihn, aber er leugnete – zunächst. Erst einen Monat später habe er ein Geständnis abgegeben. Und ein halbes Jahr darauf wurde er wegen Totschlags zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt. Die Gerichtsakten dazu sind jedoch nicht mehr auffindbar.

Außer den immer wieder auflebenden Erinnerungen beziehungsweise unterdessen wohl reich ausgeschmückten Überlieferungen gibt es in dem Waldstück oberhalb Bacherns ein Kreuz, das an den Mord erinnert. Zunächst war es immer an einen Baum angelehnt, „mal da, mal da“, weiß Adolf Koneberg. „Erst 1999 hat sich jemand erbarmt“ und es fest im Boden verankert.

Der Inninger lebt seit 1969 in der Ammerseegemeinde und war in diesem Waldstück viel spazieren. Das Kreuz hat früh das Interesse des Hobby-Kriminologen geweckt. Sein Steckenpferd war bislang der berühmte Mordfall Hinterkaifeck, ein bis heute ungeklärter Mord an sechs Menschen auf einem Einödhof im heutigen Gemeindebereich Waidhofen bei Schrobenhausen im Jahr 1922. Damals gehörte der Hof zur Gemeinde Wangen (Pfarrgemeinde Hohenwort). Dessen Bürgermeister zu der Zeit war wer? Georg Greger, der Vater eben jener Kreszenz, die in Bachern als Magd diente und nur wenige Jahre später ebenfalls einem Mord zum Opfer fiel.

Konebergs Neugier war geweckt. Zu den zwölften Inninger Geschichtsblättern über Bachern, die vor wenigen Wochen veröffentlicht wurden (wir berichteten), konnte er mit einer Danksagung beitragen, auf die er im Staatsarchiv gestoßen war. Ein Dankeschön aus dem Jahr 1927 „für die liebevolle Hilfsbereitschaft, die uns anlässlich des so tragischen Todes unserer lieben Tochter ... von so Vielen zuteil wurde“. Darin wird auch Innings Bürgermeister Werner für „die schönen trostvollen Worte am Grabe im Friedhofe in Hohenwort“ gedankt. Koneberg hat diesen Friedhof aufgesucht und nach dem Grab der Kreszenz gesucht. Das Grab der Familie hat er gefunden, Kreszenz’ Name aber nicht.

Auch das Schicksal des inhaftierten Inningers gebe Rätsel auf. Die Haftstrafe hätte 1943 enden sollen – in Zeiten des Dritten Reichs. „Damals hat man sich unliebsamer Leute entledigt“, erinnert Koneberg. Das sagt auch Robert Volkmann, der den Mord für die Inninger Geschichtsblätter aufgearbeitet hat. „In den Münchner Archiven, in denen auch die Insassenlisten verwaltet werden, ist der Inninger nirgendwo verzeichnet.“ Auch in den Standesämtern habe er keinen Eintrag gefunden. Ob der inhaftierte Inninger „entfernt“ wurde oder nicht, „plötzlich hat er nicht mehr gelebt. Kurz vor Ende der Haftstrafe ist er gestorben worden.“ So formuliert es Koneberg. Volkmann vermutet eher Nachlässigkeiten in der Dokumentation und glaubt an einen natürlichen Tod, so wie es erzählt wurde.

Koneberg lässt der Fall bis heute nicht los. Als er vor wenigen Wochen Holzmachen war in dem Waldstück, wo der Mord geschah, stieß er auf einen großen Stein – abgerundet, nicht spitz. „Da dachte ich mir, das könnt’ der Stein sein, mit dem ihr der Kopf unblutig eingeschlagen wurde. Ich hab’ sofort daran gedacht“, sagt Koneberg und muss selbst dabei lachen. „Aber bitte, beweisen Sie mir das Gegenteil.“

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