Auf der Autobahnauffahrt in Inning stellten Roland Klingler, Tobias Ehrmann, Johann Schmid und Johann Dietrich von der Autobahndirektion Südbayern die neue so genannte Vorhöhenkontrolle vor.
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Auf der Autobahnauffahrt in Inning stellten Roland Klingler, Tobias Ehrmann, Johann Schmid und Johann Dietrich von der Autobahndirektion Südbayern die neue so genannte Vorhöhenkontrolle vor.

Pilotprojekt auf Autobahn 96

Zu hohe Lkw gefährden Tunnel-Technik: Frühwarnsystem soll helfen

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Die automatische Höhenkontrolle auf der A 96 soll die teure Technik in den Tunneln schützen. Seit einem Jahr lösen sie nur noch halb so viele Lastwagen aus. Dahinter steckt ein Pilotprojekt der Autobahndirektion. Sie hat eine Art Frühwarnsystem für Lkw-Fahrer eingerichtet.

Inning – Manche Spediteure nehmen es bei der Beladung und mit den Regeln auf Autobahnen nicht so genau. Da ragt schon mal ein Container oder ein Neuwagen auf dem Lkw über das Führerhaus hinaus – oder auch ein Drehkran, der zur nächsten Baustelle transportiert werden soll. Kurz gesagt: Viele Lastwagen überschreiten die maximal erlaubte Höhe von vier Metern. Auf der A 96 zwischen Greifenberg und Wörthsee fielen bis vor einem Jahr etwa zwölf von ihnen pro Monat auf. Sie lösten die Höhenkontrolle und damit rote Ampeln vor den Tunneln Eching und Etterschlag aus. Die Folge: Stau und Ärger für die Autofahrer, Bußgelder für die Lkw-Fahrer.

Ein Jahr später sind es im Schnitt nur noch halb so viele Lkw. Hinter diesem Erfolg steckt ein Pilotprojekt der Autobahndirektion Südbayern. Es hat den behördentypischen Namen Vorhöhenkontrolle und soll fünf Jahre laufen. Am Dienstagnachmittag präsentierten Vertreter der Direktion in der Inninger Autobahnmeisterei das erste Zwischenergebnis in sämtlichen Details.

Ziel Nummer 1 der Vorhöhenkontrolle: zu hohe Lkw frühzeitig vor den Tunneln auf ihre Überhöhe hinweisen und zum Verlassen der Autobahn bringen. Und zwar vor der eigentlichen Höhenkontrolle. Ziel Nummer 2: sie gar nicht erst auf die Autobahn auffahren lassen. Das System: Sensoren an langen Stangen messen die Höhe, digitale Warntafeln signalisieren den Fahrern die Überhöhe und die nächstmögliche Abfahrt. „Es ist ein Angebot“, betont Johann Schmid, der die Technik als leitender Baudirektor installiert hat. Wer die „finale“ Höhenkontrolle auslöst, zahlt 240 Euro, wenn wegen ihm auch noch die Fahrbahn gesperrt werden muss. „Das ist nicht die Welt, manche nehmen das in Kauf“, sagt Johann Dietrich von der Dienststelle Kempten. Seiner Aussage nach sind manche Lkw ganz bewusst höher beladen als vier Meter. Sie reizen die Toleranzgrenze aus, die bei 4,40 Meter liegt. Dass sich Spediteure derartig vermessen, könne Dietrich sich nicht vorstellen. „Wir sind da nicht kleinlich“, kommentiert er die Höhenkontrolle.

Überhöhe: Mit einer Stange auf dem Dach demonstrierte die Autobahndirektion die Auslösung der Kontrolle.

Im Jahr 2018 mussten Tunnel bundesweit laut ADAC zirka 400-mal gesperrt werden. Auf der A 96 sorgt sich die Autobahndirektion um die Technik in den Tunneln Eching und Etterschlag. An der Decke hängen Beleuchtung, Kameras und Lautsprecher auf 4,50 Metern, zudem sind Rundfunk- oder Brandmeldekabel installiert. Da sei nicht viel Spielraum, sagt Dietrich. Schon ein Schwenker des hochbeladenen Lkw reiche aus, um schwere Schäden zu hinterlassen.

Ob das Frühwarnsystem dauerhaft eingesetzt wird, entscheidet die weitere Testphase. Vom parallel laufenden Pilotprojekt „Freigabe Pkw“ sollen Autofahrer profitieren. Sie werden am Lkw, der die Höhenkontrolle ausgelöst hat, vorbeigeleitet, falls das möglich ist. Das beurteilen die Tunnelüberwacher aus Freimann, die Mitarbeiter der Verkehrs- und Betriebszentrale. Sie können sich per Kamera ein Bild von der Situation machen. Und sie sind es übrigens auch, die die Polizei einschalten, um den Lkw-Fahrer zur Rechenschaft zu ziehen.

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