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Ein Screenshot von der Facebook-Seite der Trassengegner: Die obere Karte erstellte ein Gutachterbüro, die untere fälschte "Unser Inning erhalten".

Straßenstreit in Inning

Trassengegner in Inning spielen mit falschen Karten

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Inning – Offensichtlich haben die Trassengegner von "Unser Inning erhalten" bewusst Lärmbelastungskarten gefälscht, um damit für ihre Sache zu werben.

In gut einer Woche entscheiden die Bürger in Inning, ob die Entlastungsstraße gebaut werden soll oder nicht. Befürworter und Gegner rühren seit Wochen kräftig die Werbetrommel, um die Entscheidung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Nicht immer mit fairen Mitteln, wie sich jetzt zeigt. Die Trassengegner, organisiert unter dem Namen „Unser Inning erhalten“ haben wochenlang mit einer gefälschten Karte auf ihrer Facebook-Seite und den Flyern, die sie im Ort verteilt haben, geworben.

Was genau ist passiert? Die Firma Accon, spezialisiert auf Lärmschutzgutachten, erstellte im Auftrag der Gemeinde Inning eine Untersuchung zur aktuellen Lärmbelastung entlang der heutigen Ortsdurchfahrt. Zur Veranschaulichung gehörte dazu auch eine Karte (die obere), auf der die Lärmbelastung der einzelnen Bereiche farblich hervorgehoben wurde. Die Trassengegner von „Unser Inning erhalten“ nahmen nun diese Karte, zeichneten dort die geplante Entlastungsstraße ein und malten weitere Lärmkorridore dazu (untere Karte). Frei Schnauze, ohne jede belegbare Datenbasis.

Beide Karten stellten sie nebeneinander, um zu belegen, dass die Lärmbelastung im Ort durch die Entlastungsstraße weiter steigen würde. Für Ralph Kempiak von Accon, der die ursprüngliche Untersuchung durchführte, „eine Riesenschweinerei, dreister Betrug“. Da werde der Eindruck erzeugt, seine Firma habe eine Prognose für die künftige Lärmbelastung vorgelegt: „Das ist nicht der Fall. Wir haben den Fall unseren Anwälten übergeben, die prüfen, ob wir Strafanzeige stellen“, sagt er am Freitagvormittag. Hermann Zima von „Unser Inning erhalten“ bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung die Fälschung.

 „Das hat unsere Werbefirma gemacht“, sagt er zuerst. Das sei „die Freiheit der Werbung“. Später räumt er ein, dass die Initiative selbst die Karte verändert habe. „Wir haben das auf Grundlage der Ursprungskarte ,rückgekoppelt‘“, sagt Zima wörtlich. Wahrscheinlich werde es sogar noch lauter. Und überhaupt: „Die Trassenbefürworter lügen doch auch. Die werben mit einem Foto, auf dem die heutige Ortsdurchfahrt in Zukunft aussieht wie der Viktualienmarkt.“ Er stehe zu der Karte: „Das ist unser Werk. Ich habe keine Ahnung vom Urheberrecht.“ 

Am Nachmittag klingt das schon anders: „Nach Rücksprache mit der Firma Accon entfernen wir die entsprechende Karte. Wir entscheiden bis Montag, ob wir die Firma mit der Erstellung einer echten Lärmprognose für die Entlastungsstraße beauftragen. Das kostet zwar viel Geld, aber dann haben wir echte Werte“, erklärt Zima wörtlich. Von Reue oder Einsicht keine Spur.

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