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Graffiti mit Vorher-Nachher-Effekt

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Von: Hanna von Prittwitz

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Ein Kunstwerk: der Barsch auf dem AWA-Kasten in Steinebach.
Ein Kunstwerk: der Barsch auf dem AWA-Kasten in Steinebach. © awa-ammersee

Schaltanlagen sind meist weniger schön anzusehen. In Steinebach und Stegen gibt es jetzt aber besondere Exemplare zu bewundern. Dahinter stehen die Künstler „Lando“ und Bert“.

Steinebach/Stegen – Er fiel schon auf, der Mann, der da auf dem Boden eng vor dem Schaltkasten an der Seestraße in Steinebach saß. In der einen Hand hielt er ein Bild in der anderen Spraydosen. „Uns haben jede Menge Leute angesprochen bei der Aktion“, erklärte gestern Melander Holzapfel alias Lando, Graffiti-Künstler aus Gilching. Eine knappe Woche brauchten er und sein Partner Bert alias Nils Jänisch aus Weimar, um einen AWA-Schaltkasten in Steinebach im Auftrag der AWA-Ammersee eine neue Optik zu verleihen. Ähnlich aufwendig arbeitete das Duo, ebenfalls im Auftrag der AWA, auch in Stegen: Dort prangen auf einem Schaltkasten nun zwei Stockenten. Es schaut aus, als seien sie frisch aus der dahinter wuchernden Efeuhecke aufgetaucht.

Die Idee dazu hatte AWA-Chef Maximilian Bleimaier: „Ich kenne diese Art Graffiti aus Berlin und finde das gut“, sagte er gestern. Der Kontakt zu Holzapfel kam bei einer Sprühaktion beim Inninger Marktsonntag zustande. Einer großen Welle auf dem AWA-Gebäude in Herrsching folgten eine Renke und ein Taucher auf dem AWA-Abwasserpumpwerk in Herrsching und nun schließlich die beiden Kästen. Mit dem Ergebnis ist Bleimaier sehr zufrieden. „Und wir bekommen zu 99 Prozent positive Reaktionen.“ Auch im nächsten Jahr sollen wieder ein, zwei Kästen besprüht werden. „Und zwar die, die am schiachstn aussehen.“

Mit Melander Holzapfel hat Bleimaier einen Graffiti-Profi gefunden. 1999 gründete „Lando“ die erste Graffiti-Agentur in München. „Aber ich sprühe schon seit 1987“ sagt der 48-Jährige. Der gebürtige Fürstenfeldbrucker wohnt in Gilching, seine Agentur hat ihren Sitz in Puchheim. 2017 stellte er im Gilchinger Rathaus aus mit dem Ziel, im Landkreis die Graffiti-Kunst publik zu machen. „Bis dahin war das hier ein recht unberührtes Pflaster, was professionelle Graffiti-Kunst angeht“, sagt Holzapfel. Seither sind immer öfter seine und die Spuren von Nils Jänisch im Landkreis zu finden. Zuletzt sprühten die beiden in der Gilchinger Filmstation (wir berichteten). Ein großes Projekt steht wohl im August vor der Tür: Dann geht es um die Unterführung beim S-Bahnhof Gilching-Argelsried. „Die Verhandlungen über das Projekt laufen aber noch“, sagt Holzapfel.

Davor, dass die beiden frischen Kunstwerke in Steinebach und Stegen von anderen Sprayern zerstört werden könnten, hat er keine Angst. „Wer schönes Graffiti mag, muss auch illegales tolerieren“, findet er. Wenn in einer Kommune viel geschmiert würde, wäre dies immer auch ein Zeichen. „Es empfiehlt sich dann, das ein oder andere Projekt zu starten und der Jugend Wände zur Verfügung zu stellen.“ Die beiden frisch besprühten Schaltkästen haben die Künstler mit einer Antigraffitischicht bearbeitet. „Dann bekomme ich eventuelle Schmierereien besser weg“, sagt Holzapfel.

Die Enten und der Barsch sind nach genauen Vorlagen entstanden. In einer Nacht positionierten die Künstler dafür mitten auf der Seestraße in Steinebach einen Beamer, um die Vorlage auf den Kasten zu projizieren. „Das hat ordentlich Wirbel gegeben“, sagt Holzapfel und lacht. Viele Menschen hätten ihn angesprochen, eine Autofahrerin sei ausgestiegen und habe sich mit den Künstlern fotografieren lassen, andere hätten die Aktion gelobt und sich gefreut. „Der Kasten in Steinebach sah vorher auch wirklich schlimm aus“, findet Lando. Er habe ziemlich lange gebraucht, bis er das Geschmiere darauf herunterbekommen hatte. „Wir haben ziemlich viel Zeit mit diesem Kasten verbracht. Aber es hat sich gelohnt.“

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