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Seit 40 Jahren arbeitet Heidi Heudecker im Kiosk auf dem Oberndorfer Badegelände, seit 23 Jahren gemeinsam mit Ehemann Helmut. Viele ihrer Gäste kommen aus dem Raum Augsburg, Fürstenfeldbruck und München.

Kioske im Fünfseenland

Die Sommer in Oberndorf

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Der schönste Tag am See ist nichts, wenn einem der Magen knurrt und die Kehle austrocknet. Ein Glück, dass es im Fünfseenland so viele tolle Kiosks gibt. Die schönsten und spannendsten stellen wir in unserer Sommerserie vor. Heute: „Heidi’s Biergarten“ in Oberndorf.

Oberndorf – Ab 8 Uhr morgens lässt der Karl niemanden mehr durch, ohne zu zahlen – es sei denn, man will zu den Heudeckers. Bei denen im Kiosk herrscht um diese Zeit schon reges Treiben. Heidi und Helmut Heudecker sind stolze Münchner, den Sommer verbringen die 64-Jährige und ihr 67-jähriger Mann aber im Kiosk auf dem Oberndorfer Badegelände. Und dies schon seit 40 Jahren – zumindest Heidi. Sie hatte den Kiosk damals zusammen mit ihren Eltern übernommen, seit 23 Jahren führt sie ihn zusammen mit ihrem Mann – sieben Tage in der Woche von Mai bis September. Bis zu sechs Aushilfen sind abrufbar.

70000 Quadratmeter Liegewiese und drei Badestege

Das Oberndorfer Badegelände zwischen Hechendorf und Inning ist ein Teil von Schlagenhofen. Die 70 000 Quadratmeter Fläche am Wörthsee ist Eigentum des Grafen Toerring und zählt zu den größten Freizeitplätzen im Fünfseenland. Die Wiese ist verpachtet an den Erholungsflächenverein, der Kiosk und „Heidi’s Biergarten“ mit 200 Plätzen an die Heudeckers. Keine Frage, dass es hier auch Toerringsches Bier gibt – Hofbräuhaus Freising. Aber auch etwa zehn weitere Sorten. An schönen Tagen gibt es eine Menge vorzubereiten, denn für einen Kiosk bieten die Heudeckers eine große Karte – und wenn’s richtig zugeht, sogar drei Ausgaben. Sonntags auch vier, denn sonntags gibt’s Steckerlfisch, vom Chef höchstpersönlich zubereitet und viel gelobt.

Mit Schirm, Charme und Sonnenbrille haben sich Claudia Hiltner (v.l.), Irina Preißler, Marie-Josee Reyes und Karin Kroiß schon früh einen Platz auf einem der drei Badestege gesichert.

Schon um 9 Uhr treffen sich die ersten Stammgäste im Biergarten. Der Leberkäs braucht nur noch wenige wenige Minuten im Backofen und kommt dann in die warme Theke. Die Frühschwimmer sind um diese Zeit schon längst wieder zu Hause. „Hier geht’s morgens zu wie auf der Autobahn“, sagt Helmut Heudecker. Der noch leere Parkplatz zu früher Morgenstunde verleite zum Rasen. Drei Badestege bieten viele Möglichkeiten, vor allem kann man ins Wasser, ohne schmerzvollen Schrittes über spitze kleine Kieselsteine waten zu müssen. Und wenn die Frühschwimmer wieder heimfahren, haben die ersten Sommerfrischler auch schon ihr Quartier eingerichtet – mit Liegestuhl, Sonnenschirm, Kühltasche und allem drum und dran. Die Heudeckers kennen die meisten mit Vornamen.

Die Saison läuft gut, „wie das Wetter“

Heidi und Helmut Heudecker denken noch lange nicht ans Aufhören. „Die paar Monate im Sommer“, sagt Heidi Heudecker, „dafür hat man den ganzen Winter frei.“ Es ist eine Passion, genauso die gesammelten Werke an der Wand im Kiosk. Unzählige verpackte Spielzeugtrucks sind dort aneinandergereiht. Wer denkt, die könne man kaufen, hat sich geirrt. Irgendwann bleibt das Auge an einem Schild mit der Aufschrift „unverkäuflich“ hängen. „Die Trucks sammelt die Heidi“, winkt Helmut Heudecker ab. „Alles Brauereitrucks.“ Die hat sie im Laufe der Jahre geschenkt bekommen. „Jetzt hab’ ich aber Stopp gesagt. Ich habe dafür keinen Platz mehr“, wirft seine Frau ein.

Fragt man die Heudeckers, wie die Saison bislang lief, gibt es kein gut und kein schlecht. Helmut Heudecker pflegt es so auszudrücken: „Wie das Wetter.“ An diesem Tag gibt es daran keinen Zweifel, die Sonne scheint, es ist warm und wird noch wärmer. Da rollt auch der Rubel für Karl, den freundlichen Rentner aus Niederbayern, der für die Heudeckers seit 15 Jahren Parkgebühren kassiert.

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