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Vertreter aller Bereiche der Flüchtlingsbetreuung . 

Helferkreis Asyl

„Wir stoßen an unsere Grenzen“

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Nach eineinhalb Jahren Flüchtlingsbetreuung ist das Engagement in Inning ungebrochen. Es gab aber auch ein tiefes Tal

Inning –„Wir wollen gar nicht Dampf ablassen. Aber wir wollen zeigen, was wir leisten und wo wir an Grenzen stoßen“, sagt Anja Wagatha. Die Gemeinderätin ist Sprecherin des Koordinationsteams des Helferkreises Asyl in Inning. Am Mittwochabend setzten sich alle zusammen, zogen Bilanz und baten um Unterstützung, denn die Anforderungen haben sich geändert: „Wir brauchen neue Helfer, Paten, Sprachtrainer, Arbeitsvermittler und ab März auch eine neue 450-Euro-Kraft.“

Zirka 80 Helfer sind in der Ammerseegemeinde aktiv. Sie betreuen insgesamt 117 Flüchtlinge aus neun Nationen. Seit Ende vergangenen Jahres unter der Ägide der Regierung von Oberbayern. „Die sind anders strukturiert, es ist eindeutig besser“, finden die Inninger Helfer. Statt Jonas Betterplace stellt nun European Homecare Personal. Dafür hakt es bei der Sozialbetreuung durch Hilfe von Mensch zu Mensch – Krankheit, Urlaub und Kündigung führten offenbar dazu, dass diese Stelle in Inning seit Dezember nur noch sporadisch bis gar nicht besetzt ist. „Wir haben uns viel geärgert“, gesteht Anja Wagatha. Seit vergangener Woche ist eine zweite Kraft angestellt. „Wir hoffen, dass die uns eine Hilfe wird.“

Niedrigjobs dringend gesucht

Die Arbeit der Helfer wird unterdessen vor immer neue Herausforderungen gestellt, auch die der Paten wie Dr. Hartmut und Marianne Gieseler oder Heide Geiser. Nach eineinhalb Jahren baut sich Nähe auf. Vormundschaften werden übernommen. Das ist ein Problem, vor allem wenn das Thema Abschiebung wie ein Damoklesschwert über allem schwebt. In Inning kommt der Großteil der Flüchtlinge aus Ländern mit geringer Aufenthaltswahrscheinlichkeit. Die meisten dieser Menschen zum Beispiel aus Nigeria oder Somalia leben hier, lernen Deutsch, wollen sich integrieren und können es kaum, weil ihre Integrationskurse nicht gefördert werden. Und die Arbeitgeber, die es trotzdem mit ihnen probieren wollen, auch nicht. „Wir brauchen dringend Niedrigjobs“, sagt Christa Niehaus, die sich dem schwierigen Bereich Arbeitsvermittlung widmet. Immerhin konnten 14 Flüchtlinge vermittelt werden. Und natürlich reicht Alltagsdeutsch im Beruf in der Regel nicht mehr aus. „Die Gruppen werden kleiner, der Aufwand größer“, sagt Jutta Göbber, Sprecherin der 20 Sprachtrainer. „Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht verzetteln.“

Kulturelle Sprachtrainerin

Astrid Arlt gehört zu diesem Trainerteam. Die gelernte Hotelkauffrau ist von Anfang an dabei. Die Arbeit macht ihr Spaß. So viel, dass sie sich für rund 500 Euro in einem Wochenseminar in Köln zur kulturellen Sprachtrainerin weiterbildete. Die Betreuung habe sich verändert, bestätigt sie. Sprachtraining für Schüler reiche mittlerweile in den Bereich Nachhilfe hinein. „Eigentlich hätte ich nicht in Rente gehen brauchen“, sagt auch Klaus Schmitt. Der Vermessungsingenieur gibt Mathe-Unterricht für Schüler, Auszubildende und Berufstätige. 15 Stunden unterrichtet er in der Woche.

Innings Zweite Bürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka freut sich über dieses Engagement sehr. „Nur so ist es möglich, dass wir friedlich miteinander leben – Integration muss funktionieren“, sagt sie und fordert die Regierungen auf zu handeln. „Es gibt Defizite, die müssen angegangen werden.“ Heide Geiser nennt es Expertenwissen der Helfer, das bedauerlicherweise nie abgefragt würde, wenn Entscheidungen getroffen werden.

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