Sein Hauptaugenmerk legt Reinhard Maier momentan auf die natürlichen und angelegten „Pfützen“ am Inninger Ortsrand, die Laichgebiete vieler Amphibien.
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Sein Hauptaugenmerk legt Reinhard Maier momentan auf die natürlichen und angelegten „Pfützen“ am Inninger Ortsrand, die Laichgebiete vieler Amphibien.

Naturschutzwächter erinnert sich ans vergangene Jahr

Reinhard Maier: Innings höchster Hüter der Amphibien

Innings Naturschutzwächter Reinhard Maier erinnert sich mit Schrecken zurück ans vergangene Jahr, als die Massen über Wald und Flur herfielen. Er hofft gerade derzeit auf mehr Rücksicht – auf Wiesenbrüter, Amphibien, Reptilien und seltene Pflanzen. Und er ist froh, dass die Temperaturen kurz vor Ostern in den Keller sackten.

Inning – Reinhard Maier ist Naturschutzwächter. Einer von gut einem Dutzend im ganzen Landkreis. „Ich würde mich lieber Ranger taufen“, sagt der 61-Jährige. Die Haare bis in den Nacken, das T-Shirt ärmellos, eine Stimme wie ein Reibeisen, drahtig und braun gebrannt – Maier ist im Herzen mehr ein alter Rocker, der mit dem behördlichen „Stolpersteinen“ erst allmählich umzugehen lernte. Das englische Ranger geht ihm wesentlich leichter über die Lippen. Aufgewachsen in München-Großhadern, hat Maier im zarten Alter von zehn Jahren seinen eigenen Teich im elterlichen Garten angelegt. Amphibien sind seither sein Steckenpferd und damit auch die Natur.

Seit 26 Jahren lebt Maier mittlerweile in Inning. Gerade hat er in seinem Garten einen fünften Teich ausgehoben. „Die Nachbarn haben sich an die Frösche inzwischen gewöhnt“, sagt er lachend. Vor etwa zehn Jahren ist er an einem Vortrag über Biotopverbunde von Professor Dr. Peter Berthold hängen geblieben. Der Ornithologe und Verhaltensforscher arbeitete in Seewiesen und lehrt heute an der Universität in Konstanz. Maier suchte Kontakt und erhielt prompt einen Anruf. „Ich habe mich lange mit dem unterhalten“, erzählt er. Als der Inninger dann irgendwann in der Zeitung las, dass der Landkreis einen Naturschutzwächter sucht, „habe ich eine ziemlich unkonventionelle Bewerbung geschrieben“. Frech insofern, als Maier keine akademische Vorbildung aufweisen kann, sondern gelernter Landmaschinentechniker ist, der seinen Lebensunterhalt heute im „Leuchten- und Bausektor“ deckt.

Seit vier Jahren betreut er rund 70 Quadratkilometer Fläche in Inning, Wörthsee und Seefeld

„Ohne akademischen Hintergrund ist es schwierig, Glaubwürdigkeit zu erlangen“, sagt Maier. Er konnte aber überzeugen und bekam den Job. Nach einer kurzen Ausbildung betreut er seit vier Jahren rund 70 Quadratkilometer Fläche in den Gemeinden Inning, Wörthsee und Seefeld. Ehrenamtlich. Naturschutzwächter bekommen lediglich eine Aufwandsentschädigung. Und weil ihn Amphibien seit seiner Kindheit faszinierten, machte er eine Zusatzfortbildung und ist seither Amphibien- und Reptilienbeauftragter für den ganzen Landkreis, dessen guter Rat auch beim Bund Naturschutz geschätzt wird.

In erster Linie bleibt Maier jedoch Naturschutzwächter und ist als solcher zwei- bis siebenmal die Woche draußen. Meistens im Umkreis. „Ich bin schon gern draußen. Ich kenne hier jede Pfütze“, sagt er. Sind es doch diese Kleinstgewässer ohne Fressfeinde, in denen Unken und Laubfrösche leben. „Bei langen Hitzeperioden trocknen die aus. Dann packe ich meine Tanks ins Auto und fülle sie wieder auf.“ Oder Maier bittet einen Landwirt, eine Senke auszuheben, damit sich dort wieder Wasser ansammeln kann.

Molche stellen sich gerade erst um – von Landtracht in prächtige Wassertracht.

Förster, Naturschützer und Landwirte kennen Maier. Er tritt mit einem Abzeichen auf, das ihn als Angehörigen der Unteren Naturschutzbehörde im Außendienst ausweist. Manchmal zeigt es Wirkung, manchmal auch nicht. Da wären die Mountainbiker zum Beispiel, die durchs Ampermoos donnern – fernab aller Wege. „Das geht gar nicht. Das ist Wiesenbrütergebiet“, sagt Maier. Wenn er so etwas beobachtet, versucht er diejenigen abzufangen und ihnen zu erklären, welchen Schaden sie anrichten können – für Kiebitze, Brachvögel und Co. Wenn er Glück hat, hören sie ihm zu und verstehen.

Genau das sei seine Aufgabe: aufklären, beraten, Zusammenhänge vermitteln. Der Naturschutzwächter ist aber auch Bindeglied zwischen Bevölkerung und Verwaltung, einer der Veränderungen in der Natur erfasst und meldet. „Da leg ich mich dann auch schon mal mit Waldbauern an.“ Oder mit Landwirten wegen der Gülleausbringung.

„Da war ich ziemlich sauer“

Aber auch mit anderen Naturschützern. Zum Beispiel, wenn es um den Biber geht. Der dichtet seine Burg im Spätherbst ab. „Und weil er schlecht sieht und auch wenig hat, weiß er nicht, dass er mit dem Flussgrund Teichmuscheln rauf holt und die dann sterben.“ Teichmuscheln sind wichtig, um das Wasser zu filtern. Vor drei Jahren hat Maier 80 Stück gefunden, „da war ich ziemlich sauer“. Da das Ampermoos aber FFH-Gebiet ist, steht der Schutz des Bibers über dem der Teichmuschel. Aus Maiers Sicht „leider“.

Derzeit arbeitet der 61-Jährige gemeinsam mit der Kreisgruppe Starnberg im Bund Naturschutz an Vorhaben nach den Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinien (LNPR) unter anderem am Aufbau des Biotopverbunds auch zum Erhalt gefährdeter Arten. „Ich habe in 25 Jahren mitgekriegt, was so alles verschwindet. Bei den Amphibien sind 80 Prozent weg. Da sind zielführende Maßnahmen dringend geboten“, sagt Maier.

Froschlaich: Maier freut sich über jede Laich und schöpft Algen ab, damit sie überleben.

Gerne würde er sein Wissen weitergeben. „Früher war ich beim Ferienprogramm für die Feuerwehr Buch unterwegs.“ Das gebe es nicht mehr, bedauert er. Es hatte ihm Spaß gemacht, mit Kescher und Wanne Kinder für die Natur zu sensibilisieren. Es hänge alles zusammen. „Wenn wir den Anfang der Nahrungskette vernichten, dann hat der Mensch auch nicht mehr lang. Jedes Individuum ist für etwas gut“, sagt Maier und ärgert sich auch über einen Jäger, die an einer ausgehobenen Wasserstelle im Wald, nur wenige Meter von einem Jägerstand entfernt, Maiskörner ausgelegt hat. „Wie dämlich kann man sein?“, schimpft Maier. Das Kleinstgewässer sei ohnehin Wasserstelle für die Waldtiere, da müsse man sie nicht zusätzlich mit Mais anlocken, der am Ende keimt und da nichts verloren habe. Dabei hatte sich Maier so gefreut, dass sie – gerade erst ausgebaggert – schon von Amphibien besiedelt ist. „Das ist die unschöne Seite der Geschichte“, sagt er und fügt bitter hinzu: „Im Naturschutzgesetz gilt das wahrscheinlich auch noch gute fachliche Praxis.“ So sind ihm Jäger manchmal genauso ein Dorn im Auge wie „Terrarianer“, die ihm Amphibien und Reptilien aus seinen Pfützen stehlen, um sie in ihre Terrarien zu setzen. Noch bis August gilt Maiers Hauptaugenmerk Fröschen, Unken oder Molchen. Dann ist die Laichzeit vorbei.

Verfüllte Toteislöcher findet Maier unzeitgemäß: Er hat dieses freigelegt, schon ist Wasser da.

Der Naturschutzwächter war froh, als die Temperaturen zu den Feiertagen abfielen, er hatte schon die Befürchtung, dass über Ostern wieder viele Ausflügler überall sind. „Das alleine wäre ja nicht so schlimm“, sagt er, „beängstigend jedoch ist die Ahnungslosigkeit dieser Menschen – viele wissen noch nicht mal, dass es ein Naturschutzgesetz gibt“. Wer ihn sieht, darf ihn übrigens gerne ansprechen. Aber auch er wird jene ansprechen, die er abseits der Wege entdeckt, wo sie nichts zu suchen haben. Als Lobbyist der Natur. Bei Interesse kann man sich an Maier wenden, dann führt er Erwachsene, Kinder und Schulklassen durch sein Gebiet, um das Verständnis für den Naturschutz zu schärfen. Zu erreichen ist er unter (0 81 43) 74 97.

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