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Außer Döner gibt es in dem Imbiss jede Menge mehr Fastfood. Das braucht Platz.

Imbisskultur

Dönerbude: Zu dick aufgetragen?

Inning - Vor  vier Jahren hat  Murat Baspinar in Inning eine Traditions-Dönerbude übernommen. Vor einem Jahr hat er erweitert, allerdings ohne Genehmigung. Der Gemeinde schmeckt das gar nicht.

Imbiss Kale ist in Inning eine Institution. Bislang. Denn die Gemeinde fordert nach eigenmächtigen Umbaumaßnahmen nun den Abriss. Entscheiden muss das Landratsamt.

In der Bude an der Hauptstraße, so heißt es, gibt es die besten Döner weit und breit, sagt man. So herrscht in der Herrschinger Straße 18 stets reges Treiben und auch die Polizei bleibt mal dort stehen – nicht als Ordnungshüter, sondern aus kulinarischen Gründen. Ordnung schaffen wollte allerdings am Dienstag der Gemeinderat und schmetterte den für die Umbaumaßnahmen nachgereichten Bauantrag des Grundstückseigentümers ab. Für den Imbiss-Inhaber könnte dies bedeuten, abreißen zu müssen.

Wäre der Betreiber dabei geblieben, das schnelle Essen für Zwischendurch wie vor rund 20 Jahren über die Theke seines mobilen Wagens zu reichen, hätte sich die Situation nicht derart zugespitzt. Der Wagen war nämlich nach Aussage von Bürgermeister Walter Bleimaier nicht genehmigungspflichtig. Als aber der Wagen verschwand und durch zwei Container ersetzt wurde, veränderte sich die Situation komplett. Die Container verschwanden erst hinter einer schlampig gestrichenen Holzverschalung. Später bekamen sie eine ordentliche Fassade mit Tür und Fenstern. Unterdessen gibt es außer Döner eine ganze Reihe mehr Gerichte im Angebot.

„Ein Schandfleck“, waren sich die Räte in der Sitzung am Dienstag einig. „Damit hat er das Maß überschritten“, fand nicht nur Bleimaier. Einen Bauantrag hatte die Gemeinde nämlich bis zu diesem Zeitpunkt nicht gesehen. Das Bauamt ermahnte den Betreiber dies nachzuholen. „Er sagte, uns müsste eine Genehmigung vorliegen.“ Im Gemeindearchiv lag aber nichts. Auch der Eigentümer konnte nichts Entsprechendes vorlegen. Es dauerte mehr als ein Jahr, bevor die Planung dem Gemeinderat nun vorlag.

Grund für das entschlossene Nein der Räte war nicht nur eine fehlende Toilette für die Gäste. Die es tatsächlich jedoch gibt. Der Imbiss nehme aber darüber hinaus den Platz ausgewiesener Stellplätze ein. Diese wurden im nachgereichten Plan kurzerhand quer vor die beiden angrenzenden Garagen verlegt, das räumt Murat Baspinar unumwunden ein. Er hat den Imbiss erst vor vier Jahren übernommen.

„Die Garagen sind an einen Arzt und einen Fußbodenleger als Lager vermietet“, wusste der Rathauschef. Würden Fahrzeuge davor stehen, hätte niemand mehr einen direkten Zugang. Monika Schüßler-Kafka hatte ein grundsätzliches Problem mit der Esskultur, die mit dem Imbiss Einzug nahm. Und monierte, dass „jede andere Gastwirtschaft x Mal geprüft wird“, das sei bei dem Imbiss nicht der Fall. Werner Huttner (CSU) verwies auf eine weitere Ungerechtigkeit: „Bei jedem anderen wird bei jeder Abweichung sofort der Bau eingestellt.“ Hubert Vögele (Grüne) war in dieser Hinsicht pragmatisch. „Er wäre ja dumm, wenn er es nicht probieren würde.“ Auf jeden Fall dumm für den Imbiss ist das einstimmige Nein. Schließlich bedeutet das den Abriss. Allerdings ist der Vollzug nicht Sache der Gemeinde. Und das Landratsamt, ließ Bleimaier süffisant und ganz nebenbei fallen, könnte den Imbiss möglicherweise doch in dieser Form genehmigen.

Darauf muss Murat Baspinar nun hoffen. Der 43-jährige Betreiber ist Türke und kennt sich daher mit Döner besonders gut aus. Trotzdem hat er das Angebot um Grillhendl, Pizza, Hamburger und dergleichen so genanntes Fastfood ausgebaut. Er hat erst gestern Nachmittag von dem Ergebnis der Diskussion im Gemeinderat erfahren. Vor einem Jahr habe man ihm gesagt, sein Verkaufsstand sei einen Kubikmeter zu groß. Den habe er dann auch zurückgebaut. „Ich habe alles gemacht, was von mir verlangt wurde.“

Nun ist er zutiefst enttäuscht und stark verunsichert. „Jetzt verliere ich alles, ich habe mein ganzes Vermögen hier investiert, kürzlich sogar eine neue Theke gekauft“, sagt er. Er habe das alles zusammen mit seiner Frau aufgebaut. „Ich wollte nur das Beste für die Kunden, damit sie bei kaltem und windigen Wetter im Warmen sein können.“ Das klingt ehrlich, nur hat er von den rechtlichen Gepflogenheiten möglicherweise tatsächlich nichts geahnt.

Der Imbiss, der seit kurzem gegenüber vom Edeka-Markt steht, ist Bleimaier ebenso ein Dorn im Auge. Aber es ist ein Wagen, also genehmigungsfrei.

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