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In Oberndorf brechen neue Zeiten an

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Von: Andrea Gräpel

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Der alte Kiosk in Oberndorf ist baufällig. 46 Jahre lang wurde er von einer Familie geführt, zuletzt von Andrea Heudecker. Ihr wurde nun gekündigt.
Der alte Kiosk in Oberndorf ist baufällig. 46 Jahre lang wurde er von einer Familie geführt, zuletzt von Andrea Heudecker. Ihr wurde nun gekündigt. © Andrea Jaksch

Die Gerüchteküche um das Badegelände Oberndorf brodelt. Auch Innings Bürgermeister Walter Bleimaier wurde bereits angetragen, dass dort ein Golfplatz entstehen soll. Andere hörten gar vom Bau einer großen Hotelanlage. „So ein Quatsch“, sagt Armin Elbs, Forstdirektor und Unternehmensverwalter im gräflichen Rentamt in Seefeld. Denn das Gelände gehört dem Grafen zu Toerring-Jettenbach. Elbs bestätigt aber, dass Veränderungen anstehen.

Oberndorf - Das Oberndorfer Badegelände am Wörthsee gehört zum Inninger Ortsteil Schlagenhofen. Die 70 000 Quadratmeter große Fläche ist Eigentum des Grafen Hans Caspar zu Toerring-Jettenbach. Die Wiese ist an den Erholungsflächenverein verpachtet, der Kiosk und „Heidi’s Biergarten“ mit 200 Plätzen an die Familie Heudecker. Sowohl der eine als auch der andere Pachtvertrag läuft zum Ende des Jahres aus. „Der Vertrag mit dem Erholungsflächenverein wird verlängert“, sagt Elbs. Gekündigt wurde jedoch der Vertrag mit der Familie Heudecker.

Die Heudeckers betrieben den Kiosk in Oberndorf in der dritten Generation. Zuletzt führte ihn Andrea Heudecker, die nach dem Tod ihrer Mutter Heidi im Januar das Geschäft übernahm. Die 45-Jährige hatte erst 2020 ihren eigenen Kiosk „Wurzn“ am Pilsensee abgegeben, um ihre Mutter am Wörthsee abzulösen. „Eigentlich wollten wir noch gemeinsam weitermachen“, sagt die alleinerziehende Mutter. Dann aber verstarb die langjährige Kioskbetreiberin Heidi mit 68 Jahren.

Seit 1975 bewirtschaftet die Familie den Kiosk im Oberndorfer Badegelände. „Mein Geburtsjahr“, sagt Andrea Heudecker, die in der Anlage groß geworden ist. „Als Kind habe ich geglaubt und auch immer erzählt: Der Wörthsee gehört meiner Oma“, sagt sie lachend. Die Kündigung, die ihr mitten in der Saison ins Haus flatterte, traf sie wie ein Schlag. Eine Verlängerung war nicht verhandelbar.

„Das Gebäude ist baufällig“ sagt Toerrings Unternehmensverwalter Elbs. „Wir sind in der Planung.“ Viel mehr, als dass es sich verändern werde, könne er noch nicht sagen. Nächste Woche stehen weitere Gespräche mit der Gemeinde an. Bleimaier, dem die Gerüchte um einen Golfplatz auch schon zu Ohren gekommen sind, beruhigt: „Ein Kreistag, der sich um die Herausnahme von 4600 Quadratmetern für Sozialen Wohnungsbau aus dem Landschaftsschutzgebiet streitet“, werde der Herausnahme von mehr als zehnmal so viel Fläche sicher nicht zustimmen. Denn Oberndorf liegt im Landschaftsschutzgebiet. Viel mehr als den Bestand gebe auch der Bebauungsplan nicht her. Also auch keinen Ganzjahresbetrieb. Mit einer Ausnahme: eine ganzjährig zugängliche Toilette. „Denn auf dem ganzen Wörthsee-Rundweg gibt es keine öffentliche Toilette“, sagt Bleimaier. Mehr wisse aber auch er noch nicht.

Dass die Stammgäste aus dieser Situation heraus kuriose Ideen entwickelten, als sie von der Kündigung der Heudeckers erfuhren, war zu erwarten. „Mit uns redet im Rentamt aber keiner mehr“, bedauert Andrea Heudecker. Die Brauerei wolle mit einem neuen Konzept weitermachen, „aber wohl nicht mit uns. Nach so langer Zeit.“ Niemand verstehe das. „Dass das Gebäude renoviert gehört, vor allem neue sanitäre Anlagen hergehören, da sind wir ja dafür. Auch mit einer höheren Pacht hätte ich leben können“, sagt Andrea Heudecker. Sie ist traurig: „Ich verstehe das nicht.“

Elbs bestätigt, dass das Kiosk-Gebäude abgerissen werden soll und dass ein neuer Pächter gesucht werde, sobald eine neue Lösung spruchreif ist. „Das macht dann die Brauerei.“ Verlängert werde auf jeden Fall der Vertrag mit dem Erholungsflächenverein, so Elbs. Im Auftrag des Vereins kümmert sich der Landkreis um die Fläche und die Verkehrssicherungspflicht. Der Inninger Bauhof sorgt immer dafür, dass „aufgeräumt“ ist. Weil der Verein sich keine neuen Abfalleimer habe leisten können, „haben wir das erst mal übernommen, bis wieder Geld da ist“, erzählt Bleimaier.

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