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Mit Laptop im Maisfeld: Landwirt Georg Diethelm aus Inning auf seinem Versuchsfeld, bei dem er mehrere Anbauarten über Monate hinweg miteinander vergleicht.

Dünger, Pflanzenschutz, Aussaattechniken: Landwirt hat insgesamt zwölf Parzellen angelegt

Ein Maisfeld als Testlabor

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Mit und ohne Düngung, mit und ohne Pflanzenschutzmittel, dazu verschiedene Aussaattechniken – auf einem Acker bei Inning testet der Landwirt Georg Diethelm derzeit zwölf unterschiedliche Anbauarten für Mais. Konkrete Ergebnisse liegen noch nicht vor, erste Erkenntnisse dagegen schon.

Inning – Georg Diethelm ist Landwirt mit Leib und Seele. Und das will er auch noch ganz lange bleiben. Der 20-Jährige will einmal den elterlichen Milchviehbetrieb mit aktuell 70 Milchkühen samt Nachzucht östlich von Inning übernehmen. Derzeit macht Diethelm seinen Meister auf der Landwirtschaftsschule in Fürstenfeldbruck – und untersucht das Wachstum von Mais unter verschiedenen Bedingungen.

Ziel seines Versuchs sei es herauszufinden, wie er Dünger am effektivsten einsetzen könne, erklärt Diethelm im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Dafür hat er bereits im Frühjahr ein mehr als ein Hektar großes Feld direkt hinter dem Hof in zwölf Parzellen aufgeteilt. Es gibt acht Hauptparzellen à 100 mal 15 Meter, bei denen Diethelm verschiedene Dünger (mineralisch, Gülle, ohne Phosphat) und Bodenbearbeitungen ausprobiert (von konventionell mit Pflug und Egge bis zur Direktsaat ohne jede Bodenbearbeitung, dafür mit dem Einsatz von Herbiziden). Dazu kommen vier kleine, nur drei mal drei Meter große Sonderparzellen, bei denen Diethelm mal auf chemischen, mal auf mechanischen Pflanzenschutz und mal auf Dünger verzichtet.

Seit der Aussaat misst der 20-Jährige regelmäßig die Bodentemperatur, er zeichnet die wichtigsten Wetterdaten auf und kontrolliert die Pflanzenhöhe. Bei der Ernte, die in den nächsten zwei Wochen ansteht, will er den Ertrag jeder Parzelle wiegen und Proben an ein Fachlabor schicken, das die Inhaltsstoffe misst.

Bis konkrete Ergebnisse vorliegen, wird es also noch ein paar Monate dauern. Erst im Februar muss der 20-Jährige seine Meistarbeit abgeben. Erste Erkenntnisse hat der Landwirt aber bereits gewonnen. „Bei der Direktsaat fällt der Ertrag niedriger aus, dafür ist der Aufwand aber auch geringer“, sagt er. Fast nichts aufgegangen sei auf den Parzellen, bei denen er auf Pflanzenschutzmittel verzichtet hat. „Da steht der Mais nur einen halben Meter hoch, während an anderen Stellen die Pflanzen drei Meter hoch sind“, sagt Diethelm. An anderen Stellen hat er auch mit dem in die Kritik geratenen Glyphosat gearbeitet.

Hat ihn bislang etwas überrascht? „Dass der Ertrag ohne Pflanzenschutzmittel geringer ist, war mir klar. Aber dass es so wenig ist, hätte ich nicht gedacht“, sagt er. Und ihm sei auch wichtig gewesen zu sehen, was passiert, wenn man gar nichts macht.

Unter den Kollegen hat Diethelms Versuch Interesse ausgelöst. Vergangene Woche seien zwölf Landwirte rund um Inning bei ihm auf dem Maisfeld gewesen und hätten sich darüber ausgetauscht. Auch für Gespräche mit Verbrauchern stehe er zur Verfügung, betont der 20-Jährige. Der Hof befinde sich östlich von Inning am Radweg Richtung Etterschlag und Walchstadt.

Unweit vom Maisfeld, direkt an der Autobahn A 96, hat Diethelm übrigens noch etwas gewagt. Er hat ein grünes Holzkreuz aufgestellt und beteiligt sich damit an einer Aktion, die in Schleswig-Holstein ihren Ausgangspunkt hat. „Das ist ein stiller Protest, weil die Bauern immer an den Pranger gestellt werden“, sagt Diethelm. So sei eine Nitratbelastung des Grundwassers öfter auf Kläranlagen als auf die Landwirtschaft zurückzuführen. Was ihn bei alldem antreibt? „Ich möchte und hoffe, dass unsere Arbeit wieder wertgeschätzt wird.“

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