+
Hinter den Masken muss Maria Hagn die Gratulanten erst einmal erkennen. Walter Bleimaier, Gabriele Kaller (2.v.r.) und die ehrenamtliche Betreuerin Petra Dallmeier (r.) waren die ersten Gratulanten. 

100. Geburtstag

„Mitternachtstorte“ zumbesonderen Jubiläum

  • vonAndrea Gräpel
    schließen

Maria Hagn ist den Trubel gar nicht mehr gewohnt, und schon gar nicht einen solchen: lauter Menschen um sie rum, die Schutzmasken tragen. Maria Hagn feiert heute ihren 100. Geburtstag. Sie ist damit die erste Bewohnerin im Betreuten Wohnen der Nachbarschaftshilfe Inning, die dieses gesegnete Alter erreicht. Von Bürgermeister Walter Bleimaier bekommt sie dafür einen stattlichen Blumenstrauß und von der Tochter einer früheren Freundin eine „Mitternachtstorte“.

Inning – Maria Hagn ist gebürtige Münchnerin, ist aber für die Inninger eine Alteingesessene. Sie lebt seit 1941 in der Ammerseegemeinde. „Seit ich denken kann“, sagt Gabriele Kaller, die Maria Hagn aus Kindheitstagen kennt. Gabriele Kaller ist eine der beiden Geschäftsführerinnen bei der Nachbarschaftshilfe und darf natürlich in der Runde der Gratulanten nicht fehlen. Die Inningerin erinnert sich noch gut an das Busunternehmen Hagn, das Maria Hagn und ihr Mann in den 50er-Jahren aufgebaut hatten. Die heute 100-Jährige hat damals kassiert und ist deshalb auf den beiden Linien (nach München und Starnberg), die das Inninger Unternehmen bediente, mit- , aber nie selbst gefahren.

Die Linien gab es, bis die S-Bahn in Betrieb genommen wurde. Danach konnte man die Busse bis in die 70er-Jahre als Reisebusse buchen. „Ich bin mit nach London und auch nach Holland zur Tulpenblüte“, erzählt Brigitte Uebelacker, deren Mutter mit Maria Hagn befreundet war. Heute betreut die Tochter der Freundin die alte Dame und hat ihr zum Geburtstag ihre „Mitternachtstorte“ gebacken. Eine Eierlikörtorte mit Schokoladenüberzug, der Brigitte Uebelacker ihren Namen gab, als sie sie einmal nachts gebacken hat. An Maria Hagns Ehrentag heute wird der Kuchen auf der schönen Terrasse der Senioreneinrichtung verzehrt.

Maria Hagn lebt seit 2013 am Enzenhoferweg in einer der insgesamt 31 betreuten Wohnungen. Eigentlich hätte Brigitte Uebelacker die Jubilarin gern zum Essen ausgeführt, „aber das geht ja nicht“. Gestrichen sind momentan auch die Seniorennachmittage der Nachbarschaftshilfe, die alle zwei Wochen mittwochs stattfinden und die Maria Hagn so gern besucht. „Zum Abschluss wird ihr immer ,Muss i denn‘ gespielt, und dann spaziert sie winkend wie Queen Mum an ihrem Rollator aus dem Saal“, erzählt Gabriele Kaller und bringt damit auch Maria Hagn zum Lachen. Die war in jungen Jahren übrigens Innings erste Frau im Gemeinderat, erinnert sich Brigitte Uebelacker. Wann genau, das weiß Maria Hagn nicht mehr, zwei Jahre seien es gewesen. Tatsächlich sogar vier, von 1956 bis 1960, hat Bleimaier durch seine Assistentin in Erfahrung bringen lassen. Maria Hagn vertrat den „parteilosen Frauenblock“. Sieh an, eine fortschrittliche Frau.

Eigene Kinder hat Maria Hagn nicht, aber sie muss sich bei all den Gratulanten keine Sorgen machen, alleine feiern zu müssen.  grä

Auch interessant

Kommentare