+
Das passende Accessoire für die Wiesn, findet Natascha Fischer: die Tasche aus waschbarem Papier und die brandneuen Champagnerkrüge. 

Geschäftsidee

Der kleine MUC erobert die Wiesn

  • schließen

Die PR-Frau Natascha Fischer aus Inning präsentiert mit ihrem Champagnerkrug ihr erstes eigenes Produkt.

Inning – Dinge so verpacken, dass sie Emotionen hervorrufen, das ist etwas, worauf sich Natascha Fischer versteht. Die Mutter von sechsjährigen Zwillingen hat vor acht Jahren einen „Kreativ-Kiosk“ eröffnet, ihre eigene PR/Marketing-Agentur. In ihrem großzügigen Büro im Inninger Gewerbegebiet hängen zwei Schaukeln. „Da kommen mir die besten Ideen“, sagt sie fröhlich. Aktuell ist sie mit ihrem ersten eigenen Produkt am Start: ein Champagnerkrügerl. 6500 Stück hat sie schon verkauft. Auf der nächsten Wiesn kommt „der kleine MUC“ gleich in zwei Zelten im Einsatz.

Mit der Idee für das Champagnerkrügerl ging die 46-jährige Kommunikationswirtin schon einige Jahre schwanger. Als sie auf Madeleine Heinrich aus Oberfranken traf, wurde ein Produkt daraus. Madeleine Heinrich ist Produktdesignerin mit einem eigenen Label aus dem Landkreis Kronach. „Eigentlich sollte ich die PR für sie machen“, erzählt Natascha Fischer. Die beiden verstanden sich auf Anhieb. Das Krügerl nahm Form an – „mit schönem Material und schönen Farben“. Während Unternehmen sie schon ab einer bestimmten Stückzahl bestellen können, geht der Online-Shop erst im Herbst in Betrieb.

Dafür gibt es die Tasche pünktlich zur Wiesn, die die kreativen Frauen schließlich zusammenführte. Eine Tasche, die aussieht wie ein McDonald’s-Lunchbag. Die Tasche allerdings ist aus waschbarem Papier, „eine McDonald’s-Tüte auf Edel“, so beschreibt Natascha Fischer sie. Die Kette zum Anknabbern war ihre Idee. Jeder kennt sie, die süßen Ketten und Armbänder, die es für Kinder an fast jedem Kiosk gibt. Genauso sehen die Kringel aus, die auf die Umhängekette gefädelt sind. Allerdings sind diese weniger zum Reinbeißen als vielmehr aus Ton.

Das Faible für Buntes und Süßes wurde Natascha Fischer möglicherweise in die Wiege gelegt. „Meine Eltern hatten den Kiosk im Tierpark Hellabrunn“, erzählt sie. „Und ich bin eigentlich immer noch ein Kiosk-Kind.“ Weil sie eine Privatschule besuchte, sei von dem Habitus etwas an ihr hängen geblieben. Das Kiosk-Kind sei jedoch nie verloren gegangen. Der Name ihrer Firma, „Kreativ-Kiosk“, kommt deshalb nicht von ungefähr. Sie selbst beschreibt sich als „ein bisschen nerdig“ mit einer Leidenschaft für Marketing verpackt im eleganten Gewand.

Überzeugt hat Natascha Fischer damit nicht nur Christoph Winkelkötter von der Gesellschaft für Wirtschaft und Tourismus (gwt) im Landkreis Starnberg. „Für die gwt haben wir den Wirtschaftspreis entwickelt.“ Eine Art Geweih, das die Preisträger bekommen. „Werbemittel und Einladungen haben zuletzt auch wir entworfen“, sagt sie. Wir, das sind die lebensfrohe Inningerin und ein festes Team freier Mitarbeiter wie Grafikerin, Programmierer, Illustratorin und zwei PR-Leute. „Kleine Agenturen geben sich Mühe“, sagt Natascha Fischer überzeugt. „Manchmal sogar mehr, und dann landet man auf dem Titel von Münchner Merkur und tz.“ Das war im August 2017, als sie für den Energiekonzern E.on als Wasserkraftnutzer zum Jubiläum der Eisbachwelle in München einen fotografischen Geburtstagsgruß entwarf – ein Surfer mit einem Strauß Rosen in der einen und einer Torte in der anderen Hand. „Das war meine Idee“, freut sie sich noch heute. Das Einfache mit Liebe verpacken sei ganz oft das Intelligenteste in der Werbung. Dafür gibt es sogar einen Begriff: Lovebranding. Genau das ist, was Natascha Fischer gefällt. Wenn man erst auf den zweiten Blick erkennt, um was es geht, ist das gewollt. „Das ist der Trick“, den Kunden gekonnt einfangen – und halten. Wer zum Beispiel vermutet hinter einem Stapel Holz vor einer Hütte Werbung für eine Brust-OP?

Die Werbung für ihren Champagnerkrug soll erst im Herbst nach der Wiesn anlaufen. Die kleinen MUCs, die sie zu Hause hat, seien Prototypen. Form und Aussehen hat sie sich übrigens patentieren lassen, damit Nachahmer es nicht so einfach haben. Bis dahin war es ein langer Weg, „ich hatte zeitweise das Gefühl, ein Auto zu entwickeln“. Es wird den Krug in sieben Farben geben. Einige Gastro-Betriebe in München haben bereits geordert und nehmen ihn auch als Kaffeehaferl oder servieren Apfelstrudel darin. Wie erwähnt werden Bestellungen ab einer Stückzahl von 500 schon angenommen.

„Es gib so viele Möglichkeiten mit dem Krug. Eine Espressotasse beziehungsweise Schnapsglas etwa. Vielleicht wird auch ein Markengeschirr daraus“, überlegt Natascha Fischer. Eine Untertasse gibt es schon, über Form und Gestaltung eines Tellers machen sich die Inningerin und die Produktdesignerin noch Gedanken. Der Preis für den „in Europa“ gefertigten Krug steht aber schon fest: 15,90 Euro soll er kosten.

Mehr Informationen

Den Krug wird es ab Herbst unter www.derkleinemuc.com geben, die Tasche schon jetzt unter www.madlchen.com.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gymnasium Herrsching: Nachbarn fragen, Experten antworten
Viele Fragen hatten die Herrschinger Bürger auch beim jüngsten Info-Abend zum geplanten Gymnasium. Laut Planer Dietmar Narr sind die Planungen noch ganz am Anfang.
Gymnasium Herrsching: Nachbarn fragen, Experten antworten
Tutzinger SPD mit Altersspanne zwischen 24 und 83
Der Tutzinger SPD-Ortsverband hat nun ebenfalls seine Liste für die Kommunalwahl 2020 aufgestellt. Renate Geiger tritt dieses Mal nicht mehr an.
Tutzinger SPD mit Altersspanne zwischen 24 und 83
Die Pöckinger Prominenz in der Nazi-Zeit: Autoren haben tief recherchiert und klären auf
Und wem gehörten die Villen? Und wie kamen Pöckinger Bauern in der NS-Zeit zurecht? Die beiden Autoren des Buchs „Ein Dorf im Nationalsozialismus“ klärten diese Fragen …
Die Pöckinger Prominenz in der Nazi-Zeit: Autoren haben tief recherchiert und klären auf
Freud und Leid eines beherzten Schülerlotsen
Schulweghelfer Michael Werner trägt Tag für Tag dazu bei, dass Gautinger Schüler wohlbehalten in den Unterricht kommen. Trotzdem wurde er kürzlich übel beschimpft.
Freud und Leid eines beherzten Schülerlotsen

Kommentare