Am Inninger Bach kam auch das Waschbrett zum Einsatz: Diese Szene hat der Inninger Filmemacher Hubert Schonger in den 1950er-Jahren nachstellen las sen. 

Inninger Geschichtsblätter

Geschichte(n) übers Wasser

  • vonAndrea Gräpel
    schließen

Die 14. Ausgabe der Inninger Geschichtsblätter liegt auf. Das Thema ist diesmal: „Wasser satt?!“

Inning– Der Vorstand des Vereins Heimatgeschichte Inning arbeitet unermüdlich daran, die Geschichte der Gemeinde Inning und ihrer Ortsteile zu erforschen, zu dokumentieren und zu archivieren. Ergebnisse der Arbeit werden üblicherweise öffentlich in Form einer Ausstellung, bei einem historischen Spaziergang, durch einen Vortrag oder die jährliche Herausgabe der „Inninger Geschichtsblätter“ präsentiert. In den vergangenen 15 Jahren fiel für gewöhnlich alles zusammen: Ausstellung, Führung und Erscheinungsdatum des historischen Büchleins. Spaziergang und Ausstellung müssen Corona-bedingt heuer ausfallen. Weil aber das Thema nach Ansicht der Vorsitzenden Jutta Göbber vor allem zum Sommer passt, wollte sie den Erscheinungstermin des jüngsten geschichtlichen Beitrags auf keinen Fall verschieben. Wie schon berichtet, arbeiten die 74-Jährige und ihre eifrigen Mitstreiter seit Monaten an „Wasser satt!?“, dem 14. Heft der Inninger Geschichtsblätter, das aktuell in einigen Geschäften und im Gemeindearchiv aufliegt.

„Es scheint so, als ob wir mit dem Ammersee, dem Wörthsee, der Amper und dem Inninger Bach in unserer Gemeinde mehr als genug hätten, egal, ob es sich um Grundwasser, Quellwasser oder Oberflächenwasser handelt“, sagt Jutta Göbber. Aber stimmte das immer, und stimmt das bis heute?, fragte sich die Heimatforscherin. Wie sich bei den Recherchen in den Archiven erwies, stimmt es nicht. „Seit jeher gab es immer wieder Probleme mit dem Trinkwasser, besonders was seine Nutzung, seine Menge und seine Qualität betraf“, weiß die Vorsitzende. Konflikte um das kostbare Nass habe es schon früher im alltäglichen Leben gegeben. Unterschiedliche Interessen verschiedener Gewerbe hätten außerdem nicht selten Anlass für Streit geboten. Nicht zuletzt treffe dies auch für die Nutzung der Inning umgebenden Moorflächen zu – das Ampermoos. Robert Volkmann war ein engagierter Verfechter der Wiedervernässung. Den Kampf darum lässt er in der 14. Ausgabe der Geschichtsblätter noch einmal aufleben.

Eine dringende Frage in dem Büchlein ist aber auch, ob es auf Dauer genügend sauberes Wasser aus eigenen Quellen gibt. Die heute gewohnte Wasserversorgung ist etwa 100 Jahre alt. Der Heimatverein geht noch weiter zurück. „Wasser satt!?“ beleuchtet nicht die Wasserversorgung der seit wohl 3000 Jahre im Gemeindebereich siedelnden Menschen und macht deren Abhängigkeit vom Wasser sowohl im täglichen Leben im Haus als auf den Höfen und bei der Ausübung der verschiedenen Gewerbe deutlich.

Abgesehen davon gibt es rund um den Inninger Bach jede Menge Anekdoten zu erzählen – vom sommerlichen Bad von Mensch und Tier oder beim Wäscheschwenken, das der Inninger Filmproduzent Hubert Schonger in den 1950er-Jahren szenisch nachgestellt hat.

Neben dem bewährten Redaktionsteam Jutta Göbber sowie Horst und Edeltraud Schramm arbeiteten Robert Volkmann, Gabriele Kellerer und Franz Meier an den diesjährigen Geschichtsblättern mit. Robert Volkmann verfasste das Kapitel über die Schlagenhofener Wasserversorgung und die drei Kapitel über die Moore. Franz Meier bearbeitete die Fotos. Aber auch zahlreiche Zeitzeugen kommen zu Wort. Ein Gedicht der ehemaligen Inningerin Carola Kaminzky beschreibt zum Beispiel die Arbeit am Waschbrett sehr eindrucksvoll. Wie sich die Wasserversorgung in ihrem Elternhaus entwickelte, beschreibt wiederum Katharina Hartmann aus Schlagenhofen sehr anschaulich.

„Aber auch manch andere Geschäfte wie auch private Begegnungen ergaben sich im und am Wasser“, sagt Jutta Göbber und verweist damit auf die vielen informativen Geschichten der neuesten Ausgabe. Die Geschichtsblätter gab es schon, bevor aus dem heimatkundlichen Arbeitskreis 2008 der Verein Heimatgeschichte wurde. Jutta Göbber, das Ehepaar Schramm und Robert Volkmann sind aber schon viel länger auf der Suche nach heimatkundlichen Spuren.

Das neueste Geschichtsblatt, wie immer bebildert, ist in einer Auflage von 350 Stück erschienen. „100 sind schon weg“, freut sich Jutta Göbber angesichts der schleppenden Werbung, die durch den Shutdown nur möglich war. „Wasser satt!?“ ist für 10 Euro bei Schreibwaren Schroerer, im Café Huttner, bei Optik Wittenberger und freitags von 8.30 bis 10.30 Uhr auch im Gemeindearchiv im Obergeschoss des Inninger Feuerwehrhauses erhältlich.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Hundeverbot und Leinenpflicht: Gemeinde Tutzing greift an Spielplätzen und Seepromenade durch
Die Gemeinde Tutzing greift durch: Hunde sind auf Kinderspielplätzen künftig verboten, an Teilen der Uferpromenade gibt es Leinenzwang – an einigen Stellen nur tagsüber, …
Hundeverbot und Leinenpflicht: Gemeinde Tutzing greift an Spielplätzen und Seepromenade durch
Der Rettungsplan für die Musikschule: Es gibt Geld von der Stadt - Zukunft am jetzigen Standort aber offen
Die Stadt Starnberg will die gröbsten Sicherheitsmängel am Gebäude der Musikschule in den nächsten Wochen beseitigen, sodass nach den Sommerferien dort wieder …
Der Rettungsplan für die Musikschule: Es gibt Geld von der Stadt - Zukunft am jetzigen Standort aber offen
Gymnasium Herrsching: Beide Bürgerbegehren vor dem Aus
Die Klagen gegen die Nichtzulässigkeit der beiden Bürgerbegehren gegen den Gymnasium-Standort in Herrsching haben kaum noch Aussicht auf Erfolg. Nach Ansicht der 7. …
Gymnasium Herrsching: Beide Bürgerbegehren vor dem Aus
Unterführung am Bahnhof See auf Statik geprüft: Das ist das Ergebnis
Wie scheußlich es hinter den Leuchtkästen mit den Panoramabildern in der Unterführung aussieht, die am Bahnhof See zu Gleisen und Seepromenade führt, konnten Fußgänger …
Unterführung am Bahnhof See auf Statik geprüft: Das ist das Ergebnis

Kommentare