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Als die Münchner Buch eroberten

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Von: Andrea Gräpel

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„Das hat Buch auch verdient“: Das große Interesse freute Jutta Göbber (Mitte), der sich zum Spaziergang durch Buch – auf dem Foto im sonst nichtöffentlichen „Schlosspark – fast 90 Personen, überwiegend Bucher, anschlossen. © Andrea Gräpel

Vergnüglicher und vor allem informativer ortshistorischer Spaziergang zur historischen Ausstellung in Innings Gemeindeteil Buch.

Buch – „Ihr toppt alles“, freute sich Jutta Göbber, „das Interesse hat Buch aber auch verdient.“ Die Vorsitzende des Vereins Heimatgeschichte Inning präsentiert aktuell mit ihren Vorstandskollegen die historische Ausstellung „Buch am Ammersee“ im Feuerwehrhaus des Inninger Ortsteils. Gestern luden sie und Horst Schramm zu einem ihrer ebenso beliebten wie vergnüglichen Spaziergängen – diesmal passend zur Ausstellung.

Rund 90 Teilnehmer schlossen sich den beiden passionierten Heimatforschern an. Menschen wie Otto Hanke, der als ehemaliger Angestellter im Bucher „Schloss“ einige Details zum Spaziergang beitragen konnte. Denn für den Verein Heimatgeschichte öffneten sich ausnahmsweise die Tore zu jenem Anwesen, das diese Bezeichnung nur deshalb trägt, weil die Bucher das Herrenhaus schon immer als Schloss bezeichneten. Und als sie auf der Suche nach einem Namen für die Straße entlang der „Schlossmauer“ gingen, nannten sie diese Schlossstraße. Damit war es dann schwarz auf weiß.

Dabei stand auf dem Grundstück einst eine Mühle, mit einem Mühlweiher, und dieser hat „eine sehr ergiebige Quelle“, wusste Hanke dazu. Die Mühle, die 1494 erstmals erwähnt wurde, wurde Ende des 19. Jahrhunderts unrentabel. Der Grundbesitz wurde an den Deutsch-Amerikaner Oberst Kühnrich verkauft, einen reichen Münchner, der sein Geld mit dem Verkauf von Brauereipatenten in Amerika verdiente. Er ließ 1921 Herrenhaus und Wirtschaftsgebäude erbauen, musste als Halbjude aber 1937 fliehen. Nach ihm hielt ein „echter Graf“ dort Hof, bis 1948 die Firmengründer der Münchner ARRI AG das Anwesen kauften. Heute ist es noch immer im Besitz der Familie Arnold.

Kühnrich steht zusammen mit Adalbert Werner, seinerzeit Starfotograf (1892), stellvertretend für viele Münchner und „tolle Leute“, vor den aktuell berühmten Künstlern, die heute in Buch leben. Es war eine Sehnsucht nach dem Landleben. Und am Starnberger See war Ende des 19. Jahrhunderts schon alles vergeben. Auf den Magerwiesen in Buch war noch Platz. „Das sprach sich rum“, weiß Jutta Göbber. Die Familien, die ihre Villen in Buch bauten, hätten sich tatsächlich zum Großteil gekannt. Das Dorf erhielt mit dem Zuzug ein neues Gesicht, „eine neue Skyline“, wie Jutta Göbber meinte. Bald gab es fast mehr Villen als Bauernhöfe. Die prachtvollen Häuser und die großen Grundstücke gibt es heute noch, viele wie die Feistle-Villa und das Schloss stehen unter Denkmalschutz. 1903 kam mit dem Bau der Anlegestelle dann „richtig Leben in die Bude“,

Grabungen an der Kreuzung Breitbrunner und Schlossstraße beweisen aber, dass dieser Platz am Ammerseeufer schon früh besiedelt wurde. Funde aus den Jahren 1962 und 2008 deuten auf eine Merowinger Vergangenheit hin. In Buch gab es aber in den frühen Jahren nichts zu holen, „darum zogen Kriege (30-jähriger Krieg) an Buch vorbei nach Seefeld und Andechs“, erzählte Göbber, „die Pest aber nicht.“ Möglicherweise sei die Seuche ein Grund gewesen, weshalb die Gemeinde 1742 auf ihre Kosten eine Kapelle baute. Bis heute finden dort einmal im Monat Gottesdienste statt. Natürlich machten auch die Gruppen um Jutta Göbber und Horst Sturm dort halt, bevor sie, vom einsetzenden Regen durchgefroren, mit heißen Würschtl wieder im Feuerwehrhaus empfangen wurden. Dort ist die Ausstellung mit noch viel mehr Informationen über den Ortsteil am Samstag, 14. September, von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag, 15. September, von 12 bis 18 Uhr zu sehen.

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