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Es gibt eine Reihe von Urkunden im Hause Wrage, ausgerechnet das Parteibuch fand Gerd Wrage (88) zunächst einmal nicht. 

Sozialdemokrat

Stolzer Hanseat und Sozialdemokrat

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Gerd Wrage aus Inning  ist der treueste Sozialdemokrat im Landkreis Starnberg. Der 88-Jährige ist ist Mitglied der SPD seit 70 Jahren.

Inning – Gerd Wrage ist ein Hanseat. Seine Herkunft lässt sich nicht verleugnen. Den Hamburger hört man aus ihm auch nach 38 Jahren noch heraus. Seitdem nämlich lebt er in Inning. Gerd Wrage ist aber auch Sozialdemokrat. Und dies mit Leidenschaft seit nunmehr 70 Jahren. Der Kreisverband Starnberg zeichnet den 88-Jährigen an diesem Sonntag für seine langjährige Mitgliedschaft aus. Es gibt niemanden im Landkreis, der länger im Besitz des roten Parteibuches ist als er, auch wenn er jenes Parteibuch gerade nicht finden kann.

„Mein Vater war schon bei der SPD. Das macht schon was aus“, erzählt Gerd Wrage. So gesehen sei ihm die Sozialdemokratie schon in die Wiege gelegt worden, als er in einem Vorort von Hamburg das Licht der Welt erblickte. Geprägt hätten ihn aber auch die Wirren des Krieges. „Wir haben alles verloren, wer das nicht miterlebt hat, kann nicht verstehen, was das bedeutet“, sagt er. Das habe ihn geprägt. Und als der Krieg vorbei war, dauerte es nicht lange, dass er wie schon sein Vater offiziell Sozialdemokrat wurde: Im Gründungsjahr der Bundesrepublik Deutschland, 1949, trat Gerd Wrage der SPD bei.

Seit 1981 lebt der Verkaufstrainer mit seiner Frau Ellen in Inning. Auch sie, „meine Kindergartenliebe“, eine leidenschaftliche Sozialdemokratin wie er. Sie trat der SPD vor 68 Jahren bei. Wrage brachte sich schon bald im Ortsverein der Ammerseegemeinde ein, wohnte gleich nebenan von einer ebenso engagierten Sozialdemokratin, neben Jutta Göbber. Es stimmt ihn traurig, dass die Umfragewerte der SPD aktuell derart in den Keller gerutscht sind. „So eine stolze Partei, warum?“, fragt er sich. „Sie tun doch was Gutes.“ Olaf Scholz zum Beispiel. Der Finanzminister, auch ein Hamburger, gefällt ihm.

Gerd Wrage konnte sich seit 1988 mehr in die Parteiarbeit einbringen, als er mit 58 Jahren vorzeitig in den Ruhestand ging. Partei und Umweltschutz, dafür schlug sein Herz. Als Michael Rose damals als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins aufhörte, übernahm Gerd Wrage für zwei Jahre dessen Platz, um ihn dann an seine Nachbarin Jutta Göbber abzugeben, die ja auch Gemeinderätin war. Für Wrage bekam der Natur- und Umweltschutz dafür mehr Gewicht. Er war viele Jahre Vorsitzender der Ortsgruppe Inning im Bund Naturschutz und auch der Agenda-Gruppe. Man könnte sagen, dass Wrage zum Vorreiter des späteren Energiewendevereins wurde. Aktiv war er auch im Verein für Verkehrsberuhigung in Inning, dem Vorläufer von „Pro Inning“, dessen Mitglieder bis heute für eine Umfahrung der verkehrsbelasteten Ammerseegemeinde kämpfen. Als jemand, der Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg erlebt hat, ist Wrage auch Mitglied in der Initiative „Gegen das Vergessen“. Eine Initiative, die von einem der führenden SPD-Köpfe, von Hans-Jochen Vogel ins Leben gerufen wurde. Gemein ist beiden Genossen, dass sie sich in eine Senioreneinrichtung zurückgezogen haben. Vogel bekanntlich im Augustinum in München. Wrage lebt mit seiner Frau mittlerweile im Betreuten Wohnen der Nachbarschaftshilfe seiner Wahlheimat Inning. Seit zwei Jahren spielen die Augen des 88-Jährigen nicht mehr so mit. „Ich habe nur noch sechs Prozent Sehkraft“, erzählt er. Das politische Geschehen verfolgt er trotzdem weiter rege am Radio.

An diesem Sonntag wird ihn seine Frau Ellen nach Gilching begleiten, wenn er bei der Kreisversammlung der SPD im Oberen Wirt ausgezeichnet wird. Gerd Wrage ist gespannt: „Ich weiß ja nicht, was mich erwartet – bei 70 Jahren.“

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