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Ausflug im alten Auto: Vera Pein (63) mit einigen ihrer Schützlinge.

Seit 30 Jahren als Pflegemutter

Diese Münchnerin hat 60 Kinder

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Vera Pein ist Pflegemutter. Sie nimmt Kinder bei sich auf, die von ihren Eltern geschlagen oder vernachlässigt wurden. Einige bleiben nur wenige Tage bei ihr, vergessen kann sie keines der Schicksale. 

  • Vera Pein (63) ist eine beeindruckende Frau.
  • Die gebürtige Münchnerin ist seit mehr als 30 Jahren Pflegemutter.
  • Über ihre Erfahrungen hat die 63-Jährige nun ein Buch mit dem Titel „60 Mal Mama“ veröffentlicht.  

München - Aylin hat zwei Mamas. Ihre leibliche und Vera Pein (63). Letztere kocht mit der 13-Jährigen Gnocchi, schmiert ihr Pausenbrote und drückt ihr abends einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn. Sie weiß aber auch: „Jedes meiner Kinder hat seinen Abschied schon im Rucksack.“ 

Vera Pein hat mehr als 60 Schützlinge aufgenommen

Vera Pein ist seit 30 Jahren Pflegemutter, mehr als 60 Schützlinge hat die gebürtige Münchnerin in ihrem Haus und Herzen aufgenommen. Manche blieben nur Tage – andere sind immer noch Teil ihres Lebens. Eines haben aber alle gemeinsam: In den dunkelsten Momenten ihres Lebens schenkte Pein ihnen Licht. Über diese Erfahrung hat sie nun ein Buch geschrieben.

Die Pflegemutter macht Gnocchi mit Aylin (13). Das süße Mädchen kam als Säugling zu ihr.

Larissas Rücken war mit Brandblasen übersät  

Vera Pein befindet sich selbst in einer verzweifelten Lage, als sie 1990 das erste Pflegekind aufnimmt: Die damals 34-jährige All­einerziehende ist gerade erst mit ihren zwei eigenen Kindern zurück nach Bayern gezogen, um ihre kranken Eltern zu pflegen. Sie sucht nach einem Job, den sie daheim ausüben kann und bewirbt sich als Tagesmutter. „Eine Sachbearbeiterin vom Jugendamt kam“, sagt Pein, „sie fragte mich, ob ich auch Pflegemutter sein möchte“. Drei Tage später zieht Larissa ein, ihr Rücken ist übersät von Brandblasen: Die leibliche Mutter hatte sie mit Zigaretten misshandelt. Während die Wunden über den Sommer hinweg verblassen, erhält Larissas Leben Farben: Sie lernt, wie es ist, geliebt zu werden. Eine Erfahrung, die auch Vera Pein prägt: „Während ich nichts tun konnte, um den Krebs meiner Mutter aufzuhalten, ging es im Leben der Kinder bergauf.“ Nach sieben Wochen wird Larissa von einer Familie adoptiert und Vera Pein hat ihre Berufung gefunden.

Aber nicht alles fällt der Mama auf Zeit so leicht, wie die Bedürfnisse der teils stark traumatisierten Kinder zu erkennen. „Ich musste mir erst klar werden, dass ich keine Schuld an ihrem Schicksal habe.“ Und: Sie muss oft loslassen. „Aber ich konnte nur so vielen Kindern helfen, weil andere weiterzogen.“

Mutterglück: Vera Pein liebt es, für andere da zu sein.

Vera Pein hat als Pflegemama noch einen Traum

Derzeit wohnt Vera Pein mit vier Kindern, die das Jugendamt München ihr vermittelt hat, und zwei jungen Erwachsenen in einem Mietshaus in Inning am Ammersee. „Zehn Jahre mach ich das mindestens noch“, sagt sie. Man hört die Freude in ihrer Stimme. Und vielleicht erfüllt sich bis dahin ein Traum der Pflegemama: „Mit den Kindern mal ins Theater gehen, das kennen sie nicht!“ Kultur ist ein Luxus, den sich Pein nicht leisten kann. Aber wie die Kinder dort strahlen würden, kann sie sich nur zu gut vorstellen… 

So werden Sie Pflegeeltern

Das Stadtjugendamt München sucht derzeit nach Pflegeeltern. Hierbei gibt es unterschiedliche Pflegemodelle. Einerseits werden Eltern gesucht, die Kinder vorübergehend pflegen, also maximal bis zu drei Jahre. Hierbei brauchen die Pflegenden eine pädagogische Ausbildung. Andererseits gibt es auch die langfristigen Vollpflege. Hierbei ist keine pädagogische Ausbildung nötig, Erfahrung mit Kindern aber wünschenswert. Zudem sollten die Eltern einen „stabilen familiären Rahmen“ bieten. Weitere Infos beim Stadtjugendamt: 089/23 32 00 01.

Vera Peins neues Buch „60 Mal Mama“ ist im Knaur-Verlag erschienen (256 Seiten). Der Preis beträgt 12,99 Euro.

S. Mercier

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