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Ein emotionaler Weg: Constanze Hegetusch (3.v.l.) aus Weßling hat mit ihrem Filmteam die „Lebenslinien“ von Vera Pein (in roter Jacke) nachgezeichnet. Wenn die Pflegekinder versorgt werden mussten, kümmerte sich darum Christl Bellmann, Peins gute Freundin (4.v.l.). 

„Lebenslinien“

Der steinige Weg ist Vergangenheit

Vera Pein ist Pflegemutter mit Leib und Seele, der Weg dahin war nicht immer einfach. Die Vergangenheit hat sie nun in einem Fernsehbeitrag verarbeiten können.

Inning Vera Pein wächst als Einzelkind auf, träumt aber immer von Geschwistern und einer Großfamilie. Ein Traum, der sich für die Pflegemutter, die heute in Inning lebt, erst nach einem langen Leidensweg erfüllen soll, obwohl es einen vielversprechenden Anfang nahm. Ein Filmteam des Bayerischen Rundfunks (BR) ist mit ihr für die Reihe „Lebenslinien“ den teils schmerzvollen Weg zurückgegangen.

„Ich hab’ erst gedacht, das schaffen wir nie“, sagt Constanze Hegetusch. Die Weßlingerin ist Filmemacherin beim BR und hatte die Idee, sich mit der Geschichte der Inninger Pflegemutter auseinanderzusetzen. „Als ich das erste Mal für eine Vorbesprechung zu Vera nach Hause kam, saß sie da, mit einem kleinen Bündel Mensch auf dem Schoß, das sich an sie klammerte und das sie auch nicht loslassen wollte.“ Es war der zweijährige Angelo, der seit gut einem Jahr bei seiner Pflegemama lebt, genauso wie seine Schwester Sophie sowie weitere vier Pfleglinge. „Wie soll man da in die Geschichte eintauchen und auch noch einen Film darüber machen, wenn dauernd irgendwelche Kinder rumwuseln?“, fragte sich Hegetusch. „Es klappte überraschend gut, weil Vera gute Freunde hat, die immer dann einspringen, wenn Not am Mann ist. Außerdem kann sie sich sehr eloquent ausdrücken und hat auch keine Scheu vor der Kamera. Das waren gute Voraussetzungen.“

Der Filmbeitrag taucht ein in ein Leben, das über eine lange Strecke wenig Erfreuliches für die gelernte Krankenschwester Vera Pein parat hatte. 1956 in Gauting geboren, muss sie schon als Kindlernen, was es heißt, wenn das Geld plötzlich knapp wird und oft auch nichts mehr zu Essen da ist. „Trotzdem hatte ich eine behütete Kindheit, weil die Mama alles tat, damit es wenigstens mir gut geht.“

Flügge geworden fängt Vera Pein in der Sportschule Grünwald als Sekretärin bei Dr. Helmut Pabst aus Gilching an. „Ich hatte aber nur eine Halbtagsstelle. Das war mir zu wenig. Außerdem plagte mich Fernweh. Ich kündigte und ging nach Italien.“ Dort findet sie schnell Arbeit in einem Hotel, im Winter gibt sie Deutschunterricht. Bald lernt sie Aldo kennen und lieben, einen verheirateten Italiener. Als Vera ihr erstes Kind bekommt, entscheiden sich ihre Eltern, zur Tochter nach Italien zu ziehen. Sie brechen ihre Zelte in Gauting ab und kaufen einen alten Hof, in dem die Großfamilie bleiben will. Doch dann kommt alles anders: Der Vater erleidet einen Schlaganfall, bei der Mutter wird Krebs diagnostiziert, und als Vera mit dem zweiten Kind schwanger ist, verlässt Aldo sie.

Vera Pein ist 36 und steht vor dem Nichts, auch deshalb, weil die Eltern keine Kranken-Versicherung in Italien abgeschlossen hatten. Es bleibt ihr nur ein Weg – zurück nach Deutschland. Gemeinsam mit ihren Eltern und Kindern zieht sie nach Drößling. Da sie wegen der Kinder und des pflegebedürftigen Vaters ans Haus gebunden ist, aber ihre Familie finanzieren muss, wird sie aus der Not heraus Tagesmutter. Und aus dieser Not macht sie, wie viele wissen, nun eine Tugend. Die Kinderpflege wird zur Berufung und erfüllt ihr somit auch den Traum einer Großfamilie. Seither hat die 63-Jährige mehr als 60 Kindern kurz- und langfristig ein Zuhause geboten.

Die Filmaufnahmen waren für Vera Pein wie eine Therapie. „Wir haben wirklich alle Orte aufgesucht, die ich oft fluchtartig verlassen musste. Mit den Kindern waren wir sogar in Italien. So konnte ich auch da Abschied nehmen.“ Vera Pein wurde zwischendurch immer wieder krank. Am Ende zieht sie glücklich einen Strich unter die Vergangenheit: „Ich habe endlich meinen inneren Frieden gefunden.“ Ihre „Lebenslinien“ werden am Montag, 14. Oktober, 22 Uhr, im BR ausgestrahlt.

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