Dieses Foto ist kein Archivbild, sondern am Samstag in der Früh kurz vor dem Ortseingang von Inning aufgenommen worden. Die Maibaumdiebe präsentieren das 23 Meter lange Prachtstück, das sie kurz zuvor aus dem Kraillinger Ortsteil Frohnloh gestohlen haben. Klares Indiz für die Aktualität: die Mund-Nasen-Schutzmasken.
+
Dieses Foto ist kein Archivbild, sondern am Samstag in der Früh kurz vor dem Ortseingang von Inning aufgenommen worden. Die Maibaumdiebe präsentieren das 23 Meter lange Prachtstück, das sie kurz zuvor aus dem Kraillinger Ortsteil Frohnloh gestohlen haben. Klares Indiz für die Aktualität: die Mund-Nasen-Schutzmasken.

Burschen schlagen zu

Die Junibaum-Diebe von Inning: Dorfgemeinschaft Frohnloh schaut in die Röhre

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
    schließen

Die Inninger Maibaumdiebe haben zugeschlagen. In Frohnloh transportierten sie einen Baum ab. Beide Seiten haben sich schon auf die untypische Auslöse geeinigt.

Inning/Frohnloh – Brauchtum oder nicht, das ist in diesem Fall keine Frage. Wenn in Zeiten von Corona alle Maifeiern abgesagt werden mussten und jetzt vereinzelt überlegt wird, die Maibäume Wochen oder sogar Monate später aufzustellen, dann wird man doch wohl einen unbewacht im Ort liegenden Maibaum auch klauen dürfen. So sehen es jedenfalls die Maibaumdiebe der Inninger Landjugend – und schritten am Wochenende in Frohnloh zur Tat.

Am Freitag entdeckt, in der Nacht auf Samstag zugeschlagen

„Zufällig hat einer von uns am Freitag dort den Maibaum liegen sehen“, erzählt ein Sprecher gegenüber dem Starnberger Merkur. „Frisch gehobelt war er, die Späne lagen noch drumrum.“ Gleich in der Nacht machten sich die Burschen auf den Weg in das zu Krailling gehörende 130-Seelen-Dorf.

Nur gut 15 Mann war der Trupp stark – und damit deutlich kleiner als sonst. „Wir müssen uns natürlich an die Corona-Regeln halten“, sagt der Sprecher. Deswegen hatten alle ihren Mund-Nasen-Schutz dabei. Die Anreise erfolgte zudem getrennt in Pkws und nicht in Kleinbussen wie sonst. Gegen 3 Uhr schoben die Diebe die kleinen Hydraulikhänger unter die 23 Meter lange Fichte, fünf Minuten später war der Baum aus dem Ort, gegen 5 Uhr kamen die Diebe in Inning an.

Dorfgemeinschaft Frohnloh wollte den Baum in der Früh fertigmachen

Zu dem Zeitpunkt lagen die Mitglieder der Dorfgemeinschaft Frohnloh noch in ihren Betten. Sie hatten sich für Samstagmorgen, 9 Uhr, dazu verabredet, den Baum fertigzumachen. Schließlich wollen sie das gute Stück noch heuer vor der Kirche St. Nikolaus aufstellen, sobald die Genehmigung des Landratsamtes vorliegt – ohne Feier, nur mit ein paar Leuten und einem Kran, wie der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, Wolfgang Wilfert, sagt. Die ursprünglich geplante Maifeier soll 2022 nachgeholt werden.

Im November hatten die Mitglieder die Fichte geschlagen und noch im Wald geschepst. Rund um Pfingsten holten sie den Baum ins Dorf und lagerten ihn etwa hundert Meter von der Kirche entfernt auf einer Wiese. Den Schlamassel am Samstag entdeckte ein Vorstandskollege von Wilfert gleich in der Früh. „Wir haben uns trotzdem um 9 getroffen und überlegt, was wir machen“, sagt der Vorsitzende – und gibt durchaus zu, dass er den Diebstahl mitten im Juni für kein Brauchtum hält. Verärgert war er aber nicht – dafür sorgten auch die Inninger, als sie sich wenig später meldeten und die Auslöseverhandlungen begannen.

Inning und Frohnloh: Auslöse unter Corona-Auflagen

Denn eine große Sause mit Brotzeit und allem Drum und Dran ist in Corona-Zeiten nicht drin. „Darauf kam es uns auch gar nicht an“, erzählt der Sprecher der Maibaumdiebe. „Wir waren einfach froh, dass wir mal wieder etwas zusammen unternehmen konnten.“ Wilfert sieht es ähnlich: „Auch uns kommt es ja auf das ganze Drumherum an. Wir versuchen, ein bisschen Brauchtum zu machen, was ohnehin immer schwerer wird.“

Bei einem Treffen am Samstagnachmittag und „einem Bier auf die Hand“ (Wilfert) einigten sich Frohnloher und Inninger schnell auf ein 50-Liter-Fass Bier als Auslöse. Vorausgesetzt natürlich, der Baum kommt heil wieder im Dorf an. „Das war total nett“, sagt Wilfert über das Treffen – die Inninger geben das Lob gern zurück. „Uns geht es darum, mit anderen Leuten etwas zu machen“, betont deren Sprecher. „Vorher kannte ich niemanden in Frohnloh. Aber wir haben uns super verstanden.“

Maibaumdiebstahl im Juni: Brauchtum, ja oder nein?

Und wie ist das jetzt mit dem Brauchtum? „Wer einen Maibaum aufstellt, muss damit rechnen, dass er vorher geklaut wird“, sagen die Diebe. Und sei’s auch im Juni – Corona-Zeit sei schließlich eine Ausnahme. Ihren eigenen Baum haben sie übrigens nach wie vor im Wald lagern. Und die Frohnloher? Sie wollen ihren Baum mit einem Schild versehen, wenn er wieder zurück im Ort ist. „Klauen lohnt nicht“, steht darauf geschrieben.

ps

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gas statt Bremse: 86-Jährige schwer verletzt
Mit voller Wucht ist ein Honda am Donnerstag in Pöcking in einen geparkten Geländewagen gekracht. Die Fahrerin musste schwer verletzt ins Krankenhaus.
Gas statt Bremse: 86-Jährige schwer verletzt
Trunkenheit am Steuerrad - das wird teuer
Bis zu 5000 Euro sieht die Schifffahrtsordnung für Trunkenheit auf einem See vor. Das wusste ein Münchner wohl nicht, als er sich angetrunken in ein gemietetes …
Trunkenheit am Steuerrad - das wird teuer
SARS-CoV-2: Drei Fälle am Donnerstag
Nach dem Ausbruch in Hechendorf und Gilching breitet sich das Coronavirus wieder aus. Am Donnerstag kamen drei Fälle dazu.
SARS-CoV-2: Drei Fälle am Donnerstag
Hundeverbot und Leinenpflicht: Gemeinde Tutzing greift an Spielplätzen und Seepromenade durch
Die Gemeinde Tutzing greift durch: Hunde sind auf Kinderspielplätzen künftig verboten, an Teilen der Uferpromenade gibt es Leinenzwang – an einigen Stellen nur tagsüber, …
Hundeverbot und Leinenpflicht: Gemeinde Tutzing greift an Spielplätzen und Seepromenade durch

Kommentare