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Schwere Zeiten: Stefan Vogler in seinem Unternehmen in Inning, von wo aus er normalerweise die Volksfeste in Bayern beliefert. 

„Riesenkatastrophe“ 

Kein Oktoberfest, kein Geschäft: Inninger Süßwarenhändler trifft es besonders hart

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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  • Sandra Sedlmaier
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Die Folgen der Corona-Krise sind für Süßwarenhändler Stefan Vogler aus Inning besonders hart – vor allem die Absage des Oktoberfestes trifft den 53-Jährigen. Wiesnwirt Peter Reichert aus Herrsching sieht die Absage entspannter. Er wäre heuer ohnehin nicht dabei gewesen. Unabhängig davon fordert er staatliche Unterstützung für das Gastgewerbe.

Landkreis – „Wir machen null Geschäft. Es ist eine Riesenkatastrophe.“ Stefan Vogler aus Inning kann und will auch gar nichts beschönigen. Der Süßwaren- und Confiserie-Händler hat sein Lager seit Januar prall gefüllt – sonst würde er nicht mit der üblichen Produktion von Popcorn, gebrannten Mandeln, Pralinen und Schokoapfelringen nachkommen. Seit gestern ist klar: Voglers wichtigste Abnehmer, die Süßigkeiten-Standl auf der Wiesn, brauchen seine Ware heuer nicht.

„Das Oktoberfest macht zwei Drittel unseres Jahresumsatzes aus“, sagt der 53 Jahre alte Unternehmer. Üblicherweise verkaufe er allein zur Wiesn je 50 Tonnen Mandeln und Zucker, dazu Popcorn und Schokoladenartikel, sagt er. Seit 60 Jahren, seit es die Firma Vogler gibt, beliefert sie Wiesn-Stände. „Normal kommen im Mai die ersten definitiven Zusagen für die Wiesn. Damit wir mit der Produktion und den Lieferungen nachkommen, müssen wir aber schon früher beginnen.“ Gerade, als die 25 Mitarbeiter im März loslegen wollten, um für die ersten Frühjahrsvolksfeste gerüstet zu sein, kam das Coronavirus dazwischen. „Plötzlich hieß es: Nirgendwo findet etwas statt“, sagt Vogler. Seitdem ruht die Produktion im Inninger Gewerbegebiet – und auch die 100 000 zugekauften Lebkuchenherzen für die Wiesn liegen in den Regalen.

Volksfeste sind verzichtbar - für Voglers Firma nicht

Neben den Standlbetreibern auf der Wiesn zählen die Beschicker weiterer Volksfeste zu Voglers Kundschaft. „Das ganze andere Drumherum bricht uns ja auch weg“, sagt er. „Das Volksfest in Dachau oder das Gäubodenfest in Straubing. Das macht richtig was aus. Und die Aussichten sind schlecht.“ Es heiße immer, Volksfeste seien verzichtbar, aber für die Firma Vogler eben nicht, sagt der 53-Jährige.

„Als Unternehmer erlebt man das Auf und Ab des Marktes. Doch so ein Ab haben wir noch nie gehabt.“ Zwar sei das Wiesn-Geschäft immer wieder mal schlechter gewesen, aber dabei habe es sich um etwa zehn Prozent minus gehandelt. „Dann war meist das Weihnachtsgeschäft besser. Oder etwas anderes: Einmal haben wir Glühwein fürs Oktoberfest geliefert, weil es so kalt war“, erinnert er sich. „Aber dass wir insgesamt 90 Prozent unseres Umsatzes verlieren, war noch nie der Fall. Ich komme jeden Tag in die Firma und versuche, nicht so genau über all die Folgen nachzudenken“, sagt Vogler. Seine Rücklagen seien aufgebraucht, weil er erst vor zwei Jahren mit seinem Betrieb nach Inning gezogen sei und viel investiert habe.

Wiesnwirt aus Herrsching wäre heuer eh nicht dabei gewesen

Aktuell versucht er, mit seinem Sortiment bei Tankstellen, Supermärkten und Getränkemärkten unterzukommen. Das gestaltet sich mühsam. Nach wie vor geöffnet ist der Werksverkauf im Inninger Gewerbegebiet (Neubruch 3): dienstags und freitags von 11 bis 14 Uhr.

Bei Wiesnwirt Peter Reichert aus Herrsching reißt die Absage des Oktoberfestes heuer kein Loch in die Kasse. Weil parallel das Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF) geplant war, war für die Oide Wiesn und damit sein Festzelt „Zur Schönheitskönigin“ ohnehin kein Platz. Wie das 2021 sein wird, ob das nur alle vier Jahre stattfindende ZLF dann nachgeholt wird, steht in den Sternen. „Oide Wiesn und ZLF passen eigentlich gut zusammen“, sagt Reichert. Ihm wäre eine nachhaltige staatliche Unterstützung wichtig – in Form einer Umsatzsteuersenkung. Den Steuersatz für Gastrobetriebe von 19 auf 10 Prozent runter, den für die Hotellerie von 7 auf 10 Prozent rauf – „das wäre eine gleichmäßigere Verteilung“. Dann hätte die Gastrobranche die nächsten Jahre über die Chance, das aktuell verlorene Geld wieder einzuarbeiten. „Mit ehrlicher Arbeit“, sagt Reichert, der nach eigenen Angaben durch Corona bereits mehrere 100 000 Euro verloren hat.

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