CO2-Ampeln
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In der Grundschule Inning gibt es mittlerweile acht dieser Ampeln.

CO2-Ampeln zum Selbermachen

Kleines Kasterl mit großer Wirkung

  • vonAndrea Gräpel
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Es ist gerade einmal acht mal acht Zentimeter groß und vier Zentimenter tief, das kleine Kasterl, das Martin Oesterheld aus Buch entworfen und gebaut hat. Auf der Vorderseite sind 24 LED-Lämpchen im Ring angeordnet, die unterschiedlich leuchten, nämlich grün, gelb und rot. Eine Ampel also, genauer gesagt eine CO2-Ampel. Es zeigt an, wann es Zeit zum Lüften wird. Acht dieser Kasterl stehen nun in der Grundschule Inning.

Inning/Buch – Vorgegeben ist an Schulen, alle 45 Minuten kräftig durchzulüften. Andere sprechen davon, die Fenster am besten alle 20 Minuten weit aufzureißen. Vage Aussagen, die sich nicht auf die tatsächliche Konzentration von CO2 im Raum beziehen, ein Wert, der mit der Virenbelastung koaliert. Oesterheld ist Mathematiker, Software-Entwickler, leidenschaftlicher Bastler und Vater von zwei Kindern im Grundschulalter. Als der 44-Jährige in einer Fachzeitschrift von selbst gebauten CO2-Ampeln las, zögerte er nicht lange und machte sich ans Werk. Er beschaffte sich Sensoren, Mikrocontroller und Neopixel-LEDs und setzte seinen 3D-Drucker in Gang. Nach circa sieben Stunden war die erste Ampel gedruckt.

Oesterheld testete den Prototypen zunächst zu Hause aus, als Gäste zu Besuch waren – insgesamt acht Personen in der 40 Quadratmeter großen Wohnküche. „Wir haben die Ampel beim Kaffeetrinken laufen lassen und waren recht bald im gelben Bereich. Nach 40 Minuten war Zeit zu lüften“, berichtet er. Als Elternbeiratsvorsitzender nahm er sogleich Kontakt mit Schulleiterin Bettina Linden auf. Anfang Oktober wurde die erste Ampel zunächst in einer Klasse getestet.

Mittlerweile sind alle acht Klassen mit diesen CO2-Ampels ausgestattet. Zwei weitere für den Werkraum und das Lehrerzimmer will Oesterheld noch basteln. Den Materialwert in Höhe von rund 100 Euro bekommt er von der Gemeinde erstattet. „Vernünftige Ampeln im Handel kosten zwischen 200 und 400 Euro“, weiß er. Dabei könne sich jeder die Ampel selber bauen. Er selbst hat sich an ein Projekt der Uni Trier gehalten, das zum Nachbauen gedacht und im Internet schnell zu finden ist (siehe Kasten). Für sich und seine Familie wird Oesterheld auch noch eine Ampel bauen, wo sie doch bei Besuch tatsächlich gute Dienste zu leisten scheint. In den Klassenzimmern stehen die Ampeln in einiger Entfernung zu den Schülern, weil sie sich sonst gleich rot färben würde, was den tatsächlichen Wert im Raum verfälsche. Aber rot sollte die Ampel im Übrigen gar nicht erst werden, „vorher sollte man lüften“, rät der Experte.

Mit der Kleinproduktion der CO2-Ampel soll es dann vorerst auch gewesen sein. „Ich habe nicht vor, damit in Serie zu gehen“, versichert der Softwareentwickler und sagt, dass er in erster Linie aktuell Papa sei, und daran wolle er vorerst auch nichts ändern.

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