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Warten im Morgenrot: Die Maibaumdiebe hatten den Baum über die Ortsgrenze getragen, für den Weitertransport warteten sie dort in aller Ruhe auf einen Traktor.

Brauchtum

Diebstahl auf den letzten Drücker

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Seit vier Jahren halten die Inninger Ausschau nach einem Maibaum, den sie stehlen könnten. In diesem Jahr ist es ihnen gelungen. Auf den allerletzten Drücker.

Inning/Grafrath – Denn was die Inninger nicht wussten: Als sie den Unteraltinger Baum in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf den Schultern aus dem Grafrather Ortsteil schleppten, hatten sie keine Ahnung, dass der Baum schon wenige Stunden später am 30. April aufgestellt werden sollte. Als die Inninger davon erfuhren – bereits auf dem Weg Richtung Ammersee – ließen sie es sich trotzdem nicht nehmen, das Stangerl nach Inning zu bringen. Eine Stunde ruhten sie sich aus und brachten es daraufhin nicht nur pünktlich zurück, sondern halfen auch beim Aufstellen.

Die Wettervorhersage für den 1. Mai sorgte dafür, dass die Grafrather Trachtler „D’Ampertaler“ das Maibaumaufstellen in Unteralting kurzfristig um einen Tag vorverlegten. Eine Nachricht, die über soziale Netzwerke verbreitet wurde. Allerdings mussten die Grafrather Trachtler am Morgen des 30. April erst einmal einen Schrecken verkraften. Denn die Inninger Landjugend hatte den Baum schon eine ganze Weile observiert. Als sie mitbekamen, dass sich die letzte Wache kurz nach 4 Uhr aufs Ohr legte, war der Maibaum quasi schon weg. Nur zehn Minuten später hatten sich 19 Inninger auf den Weg gemacht. Das wird besonders den Chef der Trachtler wurmen, denn Thomas Mayr war es, der sich vor dem anstrengenden Tag noch ein bisschen ausruhen wollte. Anstrengend wurde der Tag nun allerdings auch für die Inninger.

Kein Schlaf für die Meisterdiebe

„Wir haben den Baum auf den Schultern zum Ortsschild getragen“, erzählt Gerhard Spitz (37). „Das war ganz schön hart“, aber auch notwendig, um sich in Sicherheit zu wiegen. Denn die Tradition verbietet es, Dieben den Baum hinter der Ortsgrenze abzunehmen. Dort angekommen wurde erstmal ein Bulldog organisiert, um den bereits fertig hergerichteten Maibaum sicher zu transportieren. „Auf dem Weg haben wir dann erfahren, dass der Baum schon am selben Tag aufgestellt werden soll“, erzählt Spitz. Da wollte es sich aber keiner der Diebe mehr nehmen lassen, den Baum wenigstens nach Inning zu bringen. Vorm Café Huttner wurde der Diebstahl deshalb für eine Stunde gefeiert und die Auslöse verhandelt, bevor die Inninger sich wieder auf den Weg zurück nach Unteralting machten. Vorher haben sie kleine Kratzer, die trotz aller Vorsicht entstanden sind, „geputzt und liebevoll neu bemalt“, versichert Spitz.

Bilder: Inninger Burscher stehlen Maibaum auf den letzten Drücker

Die Auslösefeier mit 300 Liter Bier und Brotzeit für alle wird laut Mayr erst Ende Mai stattfinden. Gefeiert wurde am Sonntag trotzdem schon mal gemeinsam. „Wir haben zu den Inningern gesagt: Wenn ihr schon da seid, dann könnt ihr auch beim Aufstellen mithelfen.“ Die Inninger ließen sich nicht lange bitten, Freibier gab es schließlich auch.

Riesenerfolg nach einem Vierteljahrhundert Durststrecke

Alte Inninger erinnern sich, dass der letzte Klau mindestens 25 Jahre zurückliegt. „Es wird immer schwieriger“, weiß Spitz. „Aber wir würden gerne nochmal einen klauen“, sagt jemand, dem es offensichtlich Spaß gemacht hat. Aber erstmal heißt’s Obacht geben, denn im nächsten Jahr stellen auch die Inninger wieder einen Maibaum auf.

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